Strandbad Wannsee

Königin der Nacht soll Berliner verzaubern

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Katrin Lange

Foto: Christian Kielmann

Katharina Thalbach inszeniert für die ersten Seefestspiele im August Mozarts „Zauberflöte" auf einer pyramidenförmigen Bühne, die auf dem Wannsee schwimmt. Veranstalter Peter Schwenkow ist vom Spielort des Opernfestivals überzeugt.

Rockbands haben das Strandbad Wannsee bereits zum Beben gebracht, gigantische Höhenfeuerwerke zum Leuchten. Jetzt wird die Königin der Nacht den magischen Ort am Wasser verzaubern. Mit der Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“ feiern die ersten Seefestspiele in diesem Sommer im Strandbad Wannsee ihre Premiere. Zwölf Vorstellungen sind vom 11. bis 28. August geplant, Veranstalter ist die Deag Deutsche Entertainment AG.

Geschäftsführer Peter Schwenkow hatte ursprünglich geplant, das Opernereignis auf der Potsdamer Halbinsel Hermannswerder zu veranstalten. Aufgrund „anhaltender Proteste aus dem Naturschutz“ und „mangelnder politischer Unterstützung“ habe er die Konsequenzen gezogen und sich für Berlin und das Strandbad entschieden, sagte Schwenkow am Donnerstag. Eine Rückkehr nach Potsdam schloss er aus. Dennoch plädierte er dafür, die Seefestspiele als Berlin-Brandenburger-Projekt anzusehen.

„Die Zauberflöte“ wird von Katharina Thalbach auf einer pyramidenförmigen Bühne inszeniert, die auf dem Wannsee schwimmt. Die Zuschauer sitzen auf Tribünen am Strand und verfolgen in etwa zwölf Meter Entfernung das Geschehen auf dem Wasser. Auf den Rängen ist Platz für knapp 5000 Besucher. Das Produktionsbudget beträt 2,5 Millionen Euro. „Im Strandbad Wannsee haben wir für die Aufführungen die Tiefe und Weite, die es auch in Bregenz gibt“, sagt Peter Schwenkow. Die Seebühne im österreichischen Bregenz zählt zu den größten der Welt. Jährlich besuchen dort mehr als 200.000 Gäste die Festspiele im Juli und August.

Ziel von Schwenkow ist es, auch die Berliner Seefestspiele langfristig zu etablieren. Für eine endgültige Entscheidung will er zunächst das diesjährige „Pilotprojekt“ und die Resonanz des Publikums abwarten. Sollte die temporäre Bühne auch künftig für 14 Tage im August im Wasser verankert werden, steht aber bereits fest, „dass nur klassische romantische Opern aufgeführt werden“, versicherte der künstlerische Leiter Christoph Dammann. Andere Genres, wie Operette, kämen nicht infrage.

Klaus Lipinsky, Chef der Berliner Bäderbetriebe, ist „völlig begeistert“ über die Idee der Festspiele im landeseigenen Strandbad. Das sichere nicht nur einen interessanten Erlös, sagte Lipinsky, sondern bringe das Wannsee-Bad wieder mehr ins Gespräch. Binnen weniger Tage hatte er in einer Absichtserklärung die Seefestspiele im Strandbad befürwortet und Konditionen sowie Rahmenbedingungen geklärt. Nur 48 Stunden brauchte der Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, um seine Zustimmung zu signalisieren. Er freue sich, so Norbert Kopp (CDU), dass mit den Seefestspielen einer der schönsten Orte Berlins ins Blickfeld vieler Berliner und Touristen gerückt werde. Der Bezirk sage ausdrücklich seine volle Unterstützung bei der Realisierung dieser Festspiele zu, versicherte Kopp.

Genau diese spontane Reaktion hatte sich Peter Schwenkow aus der Stadt Potsdam für den Austragungsort Hermannswerder gewünscht. Er sei seit 35 Jahren im Geschäft und habe schon von vielen Schlössern, Gärten und Biotopen Genehmigungen bekommen, aber was er in den vergangenen sechs Monaten in Potsdam erlebt habe, sei einmalig, sagte Schwenkow. Mit allen habe er gesprochen, mit Seglern, Fraktionen und Naturschützern. Er habe die Seerosenpopulation im Templiner See von Tauchern untersuchen lassen und kenne sich jetzt mit Salamandern aus. Zu einem Abschluss des Verfahrens sei es nie gekommen. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakos (SPD) nahm die Absage mit Bedauern zur Kenntnis. „Wir haben die notwendigen Genehmigungsverfahren in die Wege geleitet. Darüber ist der Veranstalter jederzeit informiert gewesen“, sagte Jakobs. Letztlich müsse er die Entscheidung akzeptieren.

Enttäuscht reagierten auch die Potsdamer Tourismusagentur und die Hoteliers der Stadt auf den Verlust der Seefestspiele. „Hier hat Potsdam eine gute Chance vertan, sich über die Seefestspiele als internationaler Kulturstandort noch weiter zu etablieren“, sagte Dieter Hütte, Geschäftsführer der Tourismus-Marketing GmbH. Die Hoteliers hatten sich erhofft, mit den Festspielen mehr Übernachtungsgäste im Sommer anzuziehen.

Den Umzug nach Wannsee hält der künstlerische Leiter Christoph Dammann mittlerweile nicht nur für eine „ausgezeichnete Lösung und eine richtige Entscheidung“. Er betrachte es zudem als eine „Upgrade“. Während der zweiwöchigen Seefestspiele soll der Badebetrieb im Strandbad uneingeschränkt weitergehen. Die Bühne wird im südlichen Teil aufgebaut, dort wo ohnehin weniger Badegäste sind. Wenn die Vorstellungen um 18.30 oder 19.30 Uhr beginnen, muss kein Badegast das Bad verlassen. „Zaun- und Wassergäste auf Booten sind herzlich willkommen“ sagt Dammann. 5000 Karten wurden bereits für die Halbinsel Hermannswerder verkauft. Sie behalten ihre Gültigkeit. Wer möchte, kann die Karten zurückgeben. Bis Ostern, so das Ziel der Deag, sollen 10000 verkauft sein (Karten an allen Vorverkaufsstellen und unter www.deag.de, 39,85 Euro bis 78,95 Euro).