Zauberflöte

Schwenkow kämpft um Okay für Wannsee-Oper

Bisher ist unklar, ob die Seefestspiele auf einer schwimmenden Bühne am Strandbad Wannsee stattfinden dürfen. Auf einer Krisensitzung will der Senat endlich eine Lösung finden, Veranstalter Peter Schwenkow ist zuversichtlich.

Foto: DEAG Deutsche Entertainment AG

Für die bisher noch nicht genehmigten Seefestspiele im und vor dem Strandbad Wannsee zeichnet sich möglicherweise eine Lösung ab. Aus der Senatsumweltverwaltung von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) wurde am Montag versichert, man sei daran interessiert, dass die Oper „Zauberflöte“ ab dem 11. August auf der schwimmenden Seebühne im Wannsee aufgeführt werden kann. Veranstalter Peter Schwenkow sagte, er gehe davon aus, dass am Mittwoch alle geforderten Unterlagen vorlägen, alle Fragen beantwortet würden. „Es wird alles okay sein“, versicherte Schwenkow am Montag.

Sollte es dennoch weiter Probleme mit der Genehmigung für die Mozart-Oper im Wasserschutzgebiet geben, ist für Donnerstag eine zweite „Elefantenrunde“ angesetzt. Ein solches Treffen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Lompschers Staatssekretär Benjamin Hoff, Peter Schwenkow, Vertretern des Bezirks Steglitz-Zehlendorf sowie des Wasser- und Schifffahrtsamtes hatte vergangenen Donnerstag dazu geführt, dass alle Beteiligten vereinbarten, das Vorhaben zu realisieren. Trotz aller Schwierigkeiten, hieß es. Es werde mit privatem Geld etwas Besonderes für die Stadt auf die Beine gestellt, sagte Schwenkow, Chef des Veranstalters Deutsche Entertainment AG und CDU-Mitglied im Abgeordnetenhaus „Es gibt jetzt Respekt für eine solche unternehmerische Wagnistat“, beschrieb Schwenkow den Sinneswandel.

Schnelles Verfahren

Senatssprecher Richard Meng will jedoch noch kein grünes Licht für die Mozart-Oper versprechen: „Noch ist alles offen“, sagte er am Montag. Schwenkow müsse „genehmigungsfähige Unterlagen vorlegen“. Der Regierende Bürgermeister habe allein auf ein schnelles Verfahren gedrängt, in der Sache müssten die zuständigen Fachbeamten entscheiden, betonte der Senatssprecher.

Der Aufführungsort ist in mehrerlei Hinsicht schwierig. Zum einen liegt das Strandbad Wannsee im Wasserschutzgebiet. In der Uferzone der Havel wird ein wichtiger Anteil des Berliner Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen. Dort sind Bauten generell nicht zulässig. Auch das Strandbad selbst genießt nur Bestandsschutz, es wäre heute nicht mehr genehmigungsfähig. Deshalb schätzt die Senatsumweltverwaltung die von Schwenkow geplante Tribüne für 4700 Zuschauer als grundsätzlich problematisch ein. Hinzu kommt, dass in geringer Tiefe von 1,30 Meter unter dem Sand ohne besondere Gründung eine Rohwasserleitung der Berliner Wasserbetriebe für 600.000 Berliner verläuft. Durch das einen Meter dicke Rohr aus 40 Jahre altem Faserzement strömen pro Sekunde 1100 Liter Trinkwasser. Lastwagen oder schwere Maschinen dürfen nicht über das Rohr rollen, sonst könnte die Leitung Schaden nehmen oder bersten, warnten die Wasserbetriebe. Auf seine ursprünglich geplante Tribüne wird der Veranstalter deshalb wohl verzichten müssen, heißt es. Unternehmer Schwenkow bestätigte, dass es „Kompromisse“ geben werde. 4000 Opernfreunde müssten aber nicht im Sand sitzen, sagte der Unternehmer. „Nicht mit Schwenkow.“

Drittes Problemfeld ist die Verankerung der Bühne und der Transport der Pontons für die Bühne. Sie müssen von Gatow an den Spielort gebracht werden. Hierfür muss ein überbreiter Schubverband gebildet werden, den das Wasser- und Schifffahrtsamt als Aufsichtsbehörde über die Bundeswasserstraße Havel genehmigen müsste. „Wir haben bisher keinen Antrag dafür“, sagte die stellvertretende Leiterin der Bundesbehörde, Gerrit Riemer, am Montag. Zudem müsse ein Schiffssachverständiger die Konzeption des Verbundes prüfen.

Schwenkow sagte, er habe kurzfristig einen solchen Sachverständigen beauftragt, der Mann sei an der Arbeit. Über die Standfestigkeit der Bühne im Falle eines Sturms sagte der Veranstalter, es werde nur bis zu einer Windstärke fünf gespielt. „Ab Stärke sechs zahlt die Versicherung“, sagte Schwenkow. Insofern sei auch die Frage unerheblich, was bei Windstärke zehn passiere, wenn ein Sänger von der Bühne stürze. Es werde bei solcher Witterung niemand auf der Bühne sein, betonte Schwenkow. Insgesamt sei an der Sicherheit jedoch nichts beanstandet worden, Flucht- und Evakuierungskonzepte seien in Ordnung. „Die Deag macht 10.800 Veranstaltungen im Jahr, es ist noch nie etwas passiert“, verwies Schwenkow auf die große Erfahrung seiner Firma.

Aufgabe einfacher vorgestellt

Der Veranstalter räumte aber ein, sich den Weg zur Premiere am Wannsee einfacher vorgestellt zu haben. Im März hatte er noch gesagt, in Berlin „innerhalb von 48 Stunden“ alle erforderlichen Genehmigungen bekommen zu haben. Damals gab er offiziell den Plan auf, die von Katharina Thalbach inszenierte Zauberflöte vor der unter Naturschutz stehenden Halbinsel Hermannswerder in Potsdam aufführen zu lassen. Die Stadtverwaltung habe sich nicht kooperativ gezeigt, hieß es damals. Aber auch in Berlin wurde bald klar, dass die Sache schwieriger würde. Wegen des Wasserschutzes zog die Senatsumweltverwaltung die Genehmigung an sich. Jetzt ist Schwenkow optimistisch, die Genehmigung zu erhalten und sein Budget von drei Millionen Euro einzuhalten. Eventuell würden es auch „200.000 Euro mehr für Gutachten“. Dem Interesse an den Seefestspielen habe die öffentliche Diskussion nicht geschadet, so Schwenkow. In der vergangenen Woche habe er wieder 3000 Tickets verkauft.