Imbiss-Schütze

Polizisten tauchen nach Tatwaffe von Adlershof

Den lebensgefährlichen Schuss auf eine junge Frau in Adlershof hatte der Täter bereits gestanden. Nun fanden Polizeitaucher im Stößensee auch die Tatwaffe. Das Opfer schwebt weiter in Lebensgefahr.

Foto: Steffen Pletl

Im Fall der niedergeschossenen Frau in Adlershof hat der mutmaßliche Täter zwar gestanden, die Polizei sucht aber immer noch nach der Tatwaffe. Am Donnerstagmorgen machten sich sechs Polizeitaucher gemeinsam mit Beamten der 2. Mordkommission auf den Weg zum Stößensee in Westend. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe der mutmaßliche Täter, Lothar M., in einer Vernehmung angegeben, die Tatwaffe im Bereich der Havel ins Wasser geworfen zu haben.

An einem Bootssteg an der Havelchaussee suchten die Taucher den Boden akribisch ab. Da das Wasser trüb und der Boden mit Schlick bedeckt ist, mussten die Taucher zumeist mit den Händen suchen. Metalldetektoren waren nach Angaben eines Ermittlers nutzlos. „Dort liegen so viele Metallgegenstände, damit könnte man einen ganzen Werkzeugkoffer füllen“, so ein Beamter. Nach offiziellen Angaben fanden die Taucher tatsächlich etwas – einen „waffenähnlichen Gegenstand“, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Ob es sich um die Tatwaffe oder einen Teil davon handelt, müssten jetzt Kriminaltechniker herausfinden, erklärte der Sprecher. Der Bootsteg an der Havelchaussee ist mit Zaun und Schloss gesichert. Demnach müsste der Täter einen Schlüssel zum Gelände besitzen oder über den Zaun gestiegen sein. Ob Lothar M. oder sein Komplize ein Boot am Stößensee besitzen, konnte die Staatsanwaltschaft allerdings nicht bestätigen.

Akute Lebensgefahr

Wie berichtet erließ am Mittwoch ein Richter Haftbefehl gegen den 56-Jährigen Lothar M. und seinen 68-jährigen Komplizen. M. hatte einen Tag zuvor gestanden, die 26-jährige Nicole R. in der Nacht zum vergangenen Montag vor einem Imbiss an der Dörpfeldstraße in Adlershof niedergeschossen zu haben. Intensive Ermittlungen im Umfeld von Nicole R. führten die Beamten der 2. Mordkommission schnell zu dem 56-Jährigen. Zudem hatten Zeugen den Mann mit Halbglatze und Zopf beobachtet, wie er nach dem Schuss betont lässig zu seinem Komplizen ins Auto gestiegen war. Nach Angaben der Polizei und Staatsanwaltschaft ließ sich M. am vergangenen Sonntag gegen 23.20 Uhr von seinem Komplizen in die Dörpfeldstraße fahren. Ziel war ein Imbiss, in dem Nicole R. zeitweise arbeitete. Auf der Straße war dann zwischen der 26-Jährigen und M. ein Streit ausgebrochen. Nach Angaben der Polizei hatte Nicole R. irgendwann genug und wollte gehen. Als sich die Frau umdrehte, zog Lothar M. plötzlich die Waffe und schoss ihr in den Rücken. Dabei verletzte er sie lebensgefährlich. Lothar M. flüchtete daraufhin mit seinem Komplizen in einem Fahrzeug. Nicole R. wurde noch in derselben Nacht notoperiert. Sie schwebt nach wie vor in akuter Lebensgefahr. Ob sich ihr Gesundheitszustand in den nächsten Tagen bessert, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Bereits häufiger bedroht

Lothar M. und Nicole R. sollen sich aus dem Rotlicht-Milieu an der Kurfürstenstraße in Schöneberg kennen. Vermutlich hat R. dort als Prostituierte gearbeitet. Ob M., der bereits wegen mehrerer Delikte polizeibekannt ist, ihr Zuhälter war, wollte die Polizei nicht bestätigen. Es ist auch noch nicht geklärt, warum in jener Nacht der Streit zwischen den beiden eskalierte. Verschiedene Spekulationen kursieren, wonach Nicole R. angeblich Schulden bei Lothar M. gehabt haben soll. Sicher ist hingegen, dass M. die Frau bereits häufiger bedroht hatte. Eine Anzeige hatte sie allerdings nie gestellt.