Chamartin Meermann Immobilien

Berliner Projektentwickler steckt in Zahlungsnot

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Sabine Gundlach

Foto: www.3dworks.com

Mehrere Betriebe warten seit Monaten auf Geld der Chamartin Meermann Immobilien AG. Unter ihnen sind auch vier Firmen aus Berlin. Der Aufsichtsrat kündigt nun Zahlung an.

Der geplante Börsengang ist geplatzt, das 4-Sterne-Hotelprojekt am Hauptbahnhof wurde bislang nicht realisiert, sondern mitten in der Planung an andere Entwickler verkauft. Weitere angekündigte Bauprojekte werden abgespeckt. Der nach eigenen Angaben „größte Projektentwickler Berlins“, die Chamartin Meermann Immobilien AG (CMI), hat offenbar finanzielle Probleme. So beklagen zahlreiche Handwerksbetriebe das monatelange Ausbleiben der Zahlung offener Beträge in Höhe von 10.000 bis zu 3,5 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft Stralsund ermittelt derzeit im Kontext unbezahlter Rechnungen gegen die „Resort-Hotel Kaiserbad GmbH und Co. KG“, eine Tochtergesellschaft der CMI AG. Die beiden Unternehmen sind mit der ID & C International Development & Consulting Investoren und Bauherren des neuen Steigenberger Grandhotel und Spa Heringsdorf auf Usedom.

„Uns liegt eine Strafanzeige wegen Betruges bei Vertragsabschluss vor“, bestätigt Oberstaatsanwalt Ralf Lechte das laufende Verfahren in Stralsund. Der Antragsteller behaupte, dass der Auftraggeber im Wissen, nicht zeitgerecht zahlen zu können, einen Vertrag abgeschlossen habe.

Der anzeigende Unternehmer ist nur einer von vielen Handwerksbetrieben, die sich jetzt teilweise auch öffentlich zu Wort melden und so ihr Geld einfordern. Denn obwohl das 5-Sterne-Luxushotel an der Ostsee bereits im Mai 2011 eröffnet wurde, warten bislang noch immer einige der nach Angaben von CMI 150 beschäftigten Unternehmen auf ihr Geld. Der Berliner Morgenpost sind namentlich bislang allein 18 Betriebe bekannt, die noch ausstehende Zahlungen in Höhe von mehr als sechs Millionen Euro beklagen.

Eines der Unternehmen, die in Wien ansässige Firma Sign Design Interior GmbH, musste vergangenen Freitag Insolvenz anmelden und 35 Mitarbeiter entlassen. „Wir haben Außenstände in Höhe von mehr als 3,5 Millionen Euro, das hat uns das Genick gebrochen“, bestätigte Geschäftsführer Bernhard Rzehorska am Dienstag der Berliner Morgenpost.

Aber auch andere Firmen mit kleineren Auftragsvolumen wie die Reinigungsgesellschaft Grimmen GmbH sehen nach eigenen Angaben ihre Existenz bedroht. „Wir warten seit Mai auf knapp 80.000 Euro. Das ist für uns eine ganz schwierige Situation, denn ich muss hier meine Mitarbeiter und Lieferanten bezahlen“, sagt RGG-Geschäftsführerin Manuela Brandt. Die Unternehmerin ergänzt: „Da stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel.“ Unter den Betrieben, die seit Monaten auf ihr Geld warten, sind auch vier Firmen aus Berlin: ein Schöneberger Leuchtenlieferant (offene Beträge: etwa 80.000 Euro), ein Pankower Elektroinstallateur (offene Beträge: mehr als 300.000 Euro) sowie zwei weitere Berliner Firmen, die jeweils fünfstellige Summen ausstehen haben.

Unterdessen kann man auf der Homepage der CMI AG lesen, dass das Unternehmen 2010 mit dem Verkauf von Immobilien für 150 Millionen Euro ihr in der mehr als 20-jährigen Unternehmensgeschichte bisher bestes Verkaufsergebnis erzielt hat. Diese laut CMI-Vorstand Ralph Küchenthal positive Geschäftsentwicklung können die vielen Betriebe, die nach dem Bau der Usedomer Luxusresidenz noch immer auf ihr Geld warten, allerdings nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil, es gibt sogar Stimmen Betroffener, die ganz deutlich sagen: „Die lügen sich selbst in die Tasche, da regiert nur noch das Prinzip Hoffnung.“ Dem Berliner Projektentwickler wird unter anderem „unprofessionelles Geschäftsgebaren“ vorgeworfen, weil er ohne Zwischenfinanzierung agiere – wie einer der Auftragnehmer eines der vielen Berliner Projekte von CMI, das Pergamon Palais, der Berliner Morgenpost sagte. Auch bei diesem Projekt bestätigten mehrere Beteiligte „Probleme bei der Bezahlung offener Beträge“.

Im Fall des Luxushotels an der Ostsee hat einer der betroffenen Unternehmer unterdessen am Berliner Landgericht den Titel für einen Gläubigerschutz durch Eintragung im Grundbuchauszug erwirkt. Der Geschäftsführer des Unternehmens ist dennoch „absolut stinksauer“, wie er unumwunden zugibt. Er warte noch immer auf die Zahlung von 350.000 Euro. Man werde meist vertröstet, die Verantwortlichen seien kaum zu erreichen, aber er wolle die Hoffnung noch nicht aufgeben. CMI-Vorstand Ralph Küchenthal hatte vergangene Woche Urlaub auf Usedom gemacht. Auch nach seinem Urlaub war Küchenthal von der Berliner Morgenpost für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er sei in einem Meeting, hieß es in seinem Büro. An anderer Stelle wurde gesagt, dass Küchenthal krank sei.

Bauherr beruft sich auf Bürgschaften

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Namensgeber der CMI AG, Heinz H. Meermann, reagierte hingegen auf Nachfrage. „Das stimmt alles nicht, die kriegen alle ihr Geld“, sagte der nach eigenen Angaben nicht mehr in der Verantwortung stehende, sondern nur noch repräsentativ agierende Meermann der Berliner Morgenpost. Von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stralsund wisse er nichts. Konfrontiert mit den Vorwürfen der betroffenen Betriebe bezüglich ausstehender Beträge in Millionenhöhe, reagierte die „Resort-Hotel Kaiserbad GmbH & Co. KG“ dann Montagabend mit einer Pressemitteilung. Darin weist sie „falschen Tatsachenbehauptungen“ zurück. „Bis dato sind Investitionsmittel in Höhe von 42,2 Millionen Euro durch uns ausgezahlt worden. Für fast 6 Millionen Euro liegen den ausführenden Firmen Bankbürgschaften vor“, heißt es in der Erklärung. Die Aussage bezüglich der Bankbürgschaften wird jedoch von mehreren der betroffenen Betriebe bestritten.

In dem Schreiben weist das Unternehmen zudem darauf hin, dass „in einigen Fällen die ausgeführten Leistungen strittig, d.h. mangelbehaftet bzw. noch nicht endgültig fertiggestellt sind“. Man müsse erst die derzeit laufenden Prüfungen abwarten und werde dann in den nächsten Tagen zahlen, kündigt die Resort-Hotel Kaiserbad & Co. KG an.

Gerüchte, wonach das Wirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern wegen Fördermittelbetruges gegen das Berliner Unternehmen tätig geworden ist, wurden in Schwerin nicht bestätigt. „Uns liegt bislang gar kein Förderantrag vor“, teilte ein Pressesprecher des Ministeriums auf Anfrage mit. Man sei von einigen der betroffenen Firmen angesprochen worden und könne im Rahmen der Möglichkeiten nur moderierend aktiv werden und hoffe, dass die Bauherren die offenen Beträge endlich ausglichen, sagte der Ministeriumssprecher.

Damit geben sich die Betriebe aus Mecklenburg-Vorpommern jedoch nicht zufrieden. Sie haben jetzt schriftlich beim Wirtschaftsministerium um Unterstützung gebeten. Dort hieß es am Dienstag unter Bezug auf die Presseerklärung, man wolle sich öffentlich noch zurückhalten, weil sich da möglicherweise jetzt doch noch etwas bewege.