Sheraton steigt aus

Hotelneubau am Hauptbahnhof liegt auf Eis

Das 4-Sterne-Sheraton-Hotel am Berliner Hauptbahnhof wird nicht gebaut: Die Kette gibt das 120-Millionen-Projekt auf. Damit droht das Bauland zur Brache zu werden.

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Das Niemandsland nordwestlich des Hauptbahnhofes bleibt jetzt noch länger Brachland als geplant. Nach Informationen von Morgenpost Online ist das zuletzt Anfang März von der Chamartin Meermann Immobilien AG (CMI) als „Hotel mit direktem Anschluss vom Bett zum Flughafen“ gefeierte 120-Millionen-Projekt auf Eis gelegt.

Der Vertrag mit dem Ankermieter Sheraton ist geplatzt. Die Hotelgruppe wollte bereits 2012 ein großes 4-Sterne-plus-Haus mit 464 Betten eröffnen. Der Projektentwickler CMI hat sich nach eigenen Angaben komplett aus dem Projekt zurückgezogen und hüllt sich in Schweigen. Die Frage, wie es auf dem Grundstück in unmittelbarer Hauptbahnhofnähe weitergeht, ist unklar.

„Der Vertrag ist nicht gültig“

„Der Vertrag gilt juristisch als nicht gültig“, bestätigt Bernhard Taubenberger Morgenpost Online auf Nachfrage. Der Sprecher der Münchener Arabella Hospitality Group, die mit ihrem Joint Venture Partner Staarwood für die Marke Sheraton vor einem Jahr mit dem Projektentwickler CMI einig wurde, begründet das Aus: Man habe den Vertrag auf Grundlage bestimmter Bedingungen geschlossen. Die seien jedoch bis zum vereinbarten Zeitpunkt Ende März nicht erfüllt worden. So lag die Genehmigung für den Bau der geplanten Fußgängerbrücke vom Hotel zum Hauptbahnhof zum vereinbarten Termin nicht vor.

Obwohl der zuständige Bezirk Mitte bereits Ende Februar die Baugenehmigung für den in zweiteiligen Hotel-Komplex erteilt hatte. Die separat beantragte Genehmigung für den Bau der umstrittenen Brücke wurde Anfang März noch vom Bezirk geprüft. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Hauptbahnhof-Architekt Meinhard von Gerkan hatten beide unabhängig von einander, aber unmissverständlich mitgeteilt, dass sie „diese Brücke nicht wollen“.

Der gläserne „Skywalk“ sollte die Gäste des Hotels trockenen Fußes und bequem vom Sheraton zum Hauptbahnhof führen und von dort direkte Verbindung zum neuen Großflughafen BBI in Schönefeld ermöglichen. „Vom Bett zum Flughafen“ hatte CMI-Vorstand Ralph Küchenthal nach Erteilung der Baugenehmigung für den Gebäudekomplex vollmundig für das Hotel-Projekt geworben.

Die Brücke sei für das Sheraton Hotel unerlässlich und sehr wichtig gewesen. „Bei all dem, was auf diesem Areal noch an Wettbewerb stattfinden wird, sucht man nach Alleinstellungsmerkmalen, wie diese Brücke“, begründet Bernhard Taubenberger die Bedeutung des „Skywalks“ für das Sheraton. Der Sprecher bezieht sich auf die bereits realisierten und noch geplanten Hotels rund um den Hauptbahnhof, deren bislang profane Architektur nicht nur bei Star-Architekt Meinhard von Gerkan auf Kritik gestoßen ist. Auch der Vorsitzende der Bundesstiftung für Baukultur, Michael Braum, hatte gegenüber der Berliner Morgenpost die „Hinterhofsituation“ kritisiert, die durch die unangemessene Architektur der bislang realisierten Billighotels am Hauptbahnhof entstehe. Das vorläufige Aus für die aktuellen Sheraton-Pläne, wertet Braum jetzt „als Chance, die dort geplante massive Architektur erneut auf den Prüfstand zu stellen. Wir brauchen dort Qualität.“ Meinhard von Gerkan sagt: „Ich bin froh, dass die Brücke nicht gebaut wird.“

Der Vorstand des bisherigen Projektentwicklers Chamartin Meermann ist unterdessen auf Tauchstation gegangen. „Wir haben das Projekt verkauft“, sagt Barbara Lipka. Details sind der CMI-Sprecherin nicht zu entlocken. Sie dürfe den Namen des Investors nicht nennen, weil man Stillschweigen vereinbart habe. Dabei hatten Lipka und CMI-Vorstand Ralph Küchenthal noch vor zwei Monaten angekündigt, in Kürze eine neue Simulation des Projektes und den neuen Investor zu präsentieren. Doch davon ist keine Rede mehr. Der Vorstand ist trotz mehrmaliger Nachfragen nicht zu sprechen.

Probleme mit der Finanzierung

Auch im Berliner Architekturbüro Aukett + Heese, das den Entwurf für den zweigeteilten Gebäudekomplex vorgelegt hat, gibt man sich äußerst bedeckt. Es gebe wohl Probleme mit der Finanzierung, sagt eine Mitarbeiterin. Architekt Stefan Pehle hingegen beantwortet die Frage, wie es denn jetzt weitergehe, knapp mit: „Ich sage nichts dazu, fragen Sie den Entwickler“. Doch wer das derzeit ist, bleibt unklar. Fest steht jedoch, dass die Pläne für den Skywalk vom Tisch sind. „Der Bauantrag für die Fußgängerbrücke wurde am 28. März 2011 durch ,Meermann Invest’ zurückgezogen“, bestätigt Tanja Lier, Leiterin des Amtes für Planen und Genehmigung im Bezirksamt Mitte. Ein Vorgang, der absolut ungewöhnlich sei. Schließlich hatte der Antragsteller wenige Wochen zuvor gerade den Skywalk als Besonderheit des Bauvorhabens herausgestellt.

Bei der Vivico Real Estate, die die neue Europacity nördlich des Hauptbahnhofes an der Heidestraße entwickelt, gibt man sich bezüglich des auf Eis gelegten Sheraton-Projektes gelassen. „Es wird immer wieder Entwicklungen geben, die sich verzögern, die diesem Areal langfristig aber nicht schaden“, sagt Wilhelm Brandt. Das Hauptbahnhof-Areal sei nach wie vor ein idealer Hotelstandort betont der Vivico-Sprecher. Die Vivico plant südlich des Hauptbahnhofes das bislang größte InterCity-Hotel, mit dessen Bau noch dieses Jahr begonnen werden soll.

Wann und wie es nördlich des Hauptbahnhofes weitergeht, bleibt unklar. „Der Standort ist nach wie vor attraktiv“, sagt der Sprecher der Arabella Hospitality Group. Sheraton scheint offenbar noch interessiert.