Micky Maus & Co.

Polizei nimmt Berliner Bettlern Tierkostüme weg

Verkleidete Bettler aus Rumänien haben Platzverweise vor dem Brandenburger Tor wegen ihres aggressiven Verhaltens erhalten. Viele Besucher fühlen sich von den Plüschwesen bedrängt und attackiert.

Foto: Christian Hahn

Seit rund drei Wochen treibt eine neue Gruppe von organisierten Bettlern ihr Unwesen auf dem Pariser Platz. Verkleidet als Micky Maus, Tiger, Hühnchen oder Gorilla mischen sie sich unter die Touristen, lassen sich fotografieren und fordern anschließend eine Bezahlung.

Berlin-Besucher sind genervt, denn die Bettler gehen oft aggressiv vor, stellen sich ohne Aufforderung zu den Besuchern und bedrängen sie anschließend, um ihr Geld zu bekommen. Nun hat die Polizei dem Treiben vor dem Brandenburger Tor zumindest vorerst ein Ende gesetzt und die Kostüme der Bettler beschlagnahmt.

Am frühen Sonnabendnachmittag griffen Polizisten zwei Frauen (23 und 29 Jahre), ein 14-jähriges Mädchen und einen 13-jährigen Jungen auf. Die vier Rumänen waren seit dem Vormittag auf dem Pariser Platz unterwegs, um sich mit Touristen fotografieren zu lassen. Dabei wurden sie beobachtet, wie sie Besucher, die nicht zahlen wollten, verfolgten oder am Arm zerrten und festhielten. Da die vier aggressiv bettelten, griffen die Beamten ein.

Besucher fühlen sich belästigt

Sie nahmen die Personalien auf, erteilten Platzverweise und beschlagnahmten die Kostüme der Bettler. „Das war eine präventive Maßnahme“, erklärte ein Polizeisprecher die Aktion. Ziel sei es, zu verhindern, dass es in Zukunft zu Straftaten wie Nötigung, Diebstahl oder Körperverletzung komme. Zudem hätten die Polizisten zum Schutz der beiden Minderjährigen eingreifen müssen, so der Sprecher weiter. Die Kostüme sollen vernichtet werden.

Schlechte Erfahrungen mit den Plüschtieren machten viele Touristen an diesem Tag. So auch Kristina E.: „Die Micky Maus ist fröhlich auf uns zugekommen und hat Fotos mit uns gemacht“, sagte die 22-Jährige. Doch als sie statt der geforderten zwei Euro nur 60 Cent gab, sei das Mädchen im Kostüm patzig geworden. Immer wieder habe es mit seiner Geldbüchse geklimpert. Schließlich habe es aufgegeben und dem Paar „Haut ab!“ und „Verschwindet!“ hinterhergerufen.

Auch Robert Zmieszkol suchten sich die kostümierten Bettler als Opfer aus. Ein Gorilla stellte sich einfach zu seiner Reisegruppe und zeigte mit seiner Tatze immer wieder auf die Kamera. Doch Zmieszkol schickte ihn weg. „Ich verstehe überhaupt nicht, was ein Gorilla und ein Hühnchen mit Berlin zu tun haben sollen“, sagte der 32-Jährige. Eine lange Diskussion lieferte sich auch der 30-jährige Liu aus China: „Zwei Euro sollte ich für ein Foto bezahlen“, sagte er. Der Junge im gelben Hühnchenkostüm habe ihm einfach von hinten einen Flügel auf die Schulter gelegt, in die Kamera gewinkt und dann die Hand aufgehalten. Als er dem verkleideten Mann nur 50 Cent gab, sei dieser fordernd geworden. Erst nach einigen Minuten ließ er von dem Touristen ab. „Das war schon eine sehr unangenehme Situation“, sagte der 30 Jahre alte Liu.

Mittes Ordnungsstadtrat Carsten Spallek (CDU) ist erleichtert, dass die organisierten Bettler vorerst in ihre Schranken gewiesen worden sind. Gleichzeitig zeigte er sich pessimistisch: „Ich bin sehr gespannt, ob diese Maßnahme von Erfolg gekrönt ist.“ Denn Spallek glaubt, dass die Gruppe an ihren Stammplatz vor dem Brandenburger Tor zurückkehren wird. Skeptisch ist er auch, weil der Bezirk in der Vergangenheit bereits vergeblich versucht hatte, dem Treiben ein Ende zu bereiten. Denn nach deutschem Recht ist Betteln nicht verboten. Aus Sicht des Stadtrats gehen die Bettler allerdings einem Gewerbe nach, benötigen also eine Genehmigung. Mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden jedoch abgelehnt, weil die Richter die kostümierten Bettler als Künstler einstuften, die für ihre Dienste Spenden sammeln dürften. „Damit hat uns das Gericht in die Schranken gewiesen“, so Spallek. Der Stadtrat hofft auf weniger „Kokolores und Kitsch“ auf dem Pariser Platz. Sein Appell: „Geben Sie diesen Menschen einfach kein Geld. Dann werden sie schon verschwinden.“