Görlitzer Park

Roma-Lager stellt Kreuzberg vor Probleme

Ein Grill, ein Wäscheständer, einige Matratzen: Noch immer kampieren Armutsflüchtige aus Rumänien im Görlitzer Park - direkt neben einem Jugendzentrum. Das stellt nicht nur den Bezirk Freidrichshain-Kreuzberg vor Probleme.

Foto: Buddy Bartelsen

Reden wollen sie nicht, die rumänischen Frauen, die im Görlitzer Park auf schmuddeligen Matratzen liegen . Höchstens für 50 Euro, sagt eine, grinst breit und dreht sich um. Nur die beiden Frauen und ein paar Kinder halten sich auf dem provisorischen Nachtlager in der Kreuzberger Grünanlage auf. Einige Männer verschwinden, sobald sich Fremde nähern.

Im Görlitzer Park lassen sich die Folgen einer neuen Einwanderungswelle beobachten. „Wir verzeichnen seit einiger Zeit eine Armutsmigration aus Rumänien und Bulgarien“, sagt Arnold Mengelkoch, Integrationsbeauftragter des Bezirks Neukölln. Oft sind es Roma-Familien, die der Misere in den EU-Staaten im Südosten Europas entfliehen wollen. Sie dürfen legal nach Deutschland einreisen. Wer für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann, darf sich hier niederlassen. So arbeiten viele wie früher etliche Polen als selbstständige Bauhandwerker oder Zettelverteiler. Viele betteln. Und die Bezirke müssen sehen, wie sie mit den neuen Mitbürgern fertig werden. „Die werden hier bleiben“, ist Mengelkoch überzeugt.

Neuen Eigentümer gefunden

In Neukölln sind die Behörden an einem Brennpunkt schon weitergekommen als am Görlitzer Park. Die Mietskasernen an der Harzer Ecke Teltower Straße galten vor wenigen Wochen als „Berlins Müllhäuser“, wo Kinder im Abfall wühlten. Hier drängten sich angeblich bis zu 500 Rumänen zusammen, zehn in einem Raum. Die Häuser gehörten Spekulanten, Mieter und Zwischenhändler machten Reibach, indem sie Wohnungen an die Rumänen untervermieteten. Solche Häuser gebe es 20 im Bezirk, heißt es.

Aber zumindest an der Harzer Straße haben sie jetzt einen neuen, seriösen Eigentümer, die Aachener Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft aus Köln. Der Vorbesitzer war auf 90.000 Euro Wasserkosten sitzen geblieben und musste günstig verkaufen, heißt es aus Neukölln.

Verbesserte Wohnsituation

Mieter bestätigen, dass sich die Wohnsituation verbessert habe. „Die Hausverwaltung hat den Schrott im Hof beseitigt“, sagte eine deutsche Anwohnerin. Die Verwaltung habe mehr Mülltonnen aufgestellt und die Rattenplage beendet. Tatsächlich stehen im Hof nur noch einige Wäscheständer. Auf dem Rasen liegen vereinzelt leere Verpackungen. Zufrieden ist die Mieterin aber noch nicht. „Morgens ist der Rasen mit Chipstüten und Zigarettenschachteln zugemüllt“, sagt sie. Jeden Tag komme jemand von der Hausverwaltung, um den Müll zu beseitigen. Außerdem lärmten bis spät nachts Kinder im Hof. Mit den neuen Eigentümern arbeiten die Behörden jetzt zusammen. Stadtrat Falko Lieke (CDU), zuständig für das Meldewesen, schickt Prüfer in die Wohnungen, die abgleichen, wer dort gemeldet ist und wer dort lebt. Und er informiert das Jobcenter, wenn arbeitslose Mieter offensichtlich als Vermieter Geld einnehmen.

In dem Haus wohnt auch ein 13-jähriges rumänisches Mädchen, das mit seiner Mutter im Hof Wäsche aufhängt. Mit dem Müll wollen sie nichts zu tun haben. „Wir haben keinen Kontakt zu diesen Roma“, sagt die Mutter. Auf Rumänisch. Ihre Tochter übersetzt. Sie spricht fließend deutsch. Von bettelnden Rumänen halte die Familie aus Bukarest wenig. Das Mädchen besucht die Hans-Fallada-Schule und hat in den Ferien drei Wochen lang gelernt. Freiwillig. Die Schule hatte in den Sommerferien einen Förderunterricht für Roma-Kinder angeboten. Wie viele andere Rumänen in der Umgebung gehört die Familie zu einer freikirchlichen Pfingstgemeinde. Zwar will auch die Glaubensgemeinschaft nicht mit Journalisten reden. Doch im Bezirksamt heißt es, das seien ordentliche Leute, die ihre Kinder in die Schule schickten und Bettelei ablehnten. Auf diese Menschen richtet auch der Integrationsbeauftragte Mengelkoch seine Hoffnungen.

Es wird getrunken und gestritten

Auf Fortschritte wie an der Harzer Straße warten die Anlieger des Görlitzer Parks bisher vergeblich. Nicht immer liegen dort nur zwei Frauen. „Abends sind es oft viel mehr, mal 20, mal 30“, sagt eine Mitarbeiterin des Jugendzentrums Kreuzer, an dessen Rückwand die Rumänen ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Daneben stehen ein kleiner Grill, ein Wäscheständer, andere Habseligkeiten. Fast alles ist schmutzig. „Was glauben Sie, wie die Eltern, die ihre Kinder herbringen, das finden“, heißt es im Jugendzentrum. Eine rhetorische Frage. Oft seien die Rumänen sehr laut, es werde gestritten, getrunken und geschrien. Das größte Problem sei die Hygiene, so die Mitarbeiter im Zentrum.

Jetzt sind die Behörden dabei, den Obdachlosen ein Quartier zu besorgen. „Wir brauchen für diese Leute, die als Armutseinwanderer zu uns gekommen sind, menschenwürdige Unterkünfte“, sagt Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Dass in wenigen Tagen niemand mehr vor ihrem Gebäude campiert, wollen sie im Jugendzentrum nicht recht glauben. „Wir hatten in den vergangenen Jahren schon das gleiche Problem. Und da wurde auch einfach gewartet, bis es kalt wurde und die Menschen von selbst gegangen sind.“