Wahlumfrage

Renate Künast verliert in Berlin weiter an Boden

Zwei Monate vor der Wahl liegt der Regierende Bürgermeister Wowereit (SPD) in Umfragen in der Gunst der Berliner weiter vorn. Die Grüne-Herausforderin Künast kann im Duell ums Rote Rathaus nicht punkten.

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Die CDU und die Linke haben im Juni in der Gunst der Berliner Wähler aufgeholt. Beide Parteien, die zuletzt schwache Werte im Berlin-Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau verzeichnet hatten, haben um je zwei Prozentpunkte zugelegt. Die Union kommt nun mit 23 Prozent den Grünen bis auf einen Punkt nahe und hat erstmals seit sechs Monaten wieder den zweiten Platz im Berliner Parteienspektrum im Blick. Die Linke konnte ihr Allzeit-Tief vom Juni verlassen und erreicht nun 14 Prozent.

Vorne liegt nach leichten Verlusten (minus ein Prozentpunkt) die SPD mit 29 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 24 Prozent (ebenfalls minus ein Prozentpunkt). Die FDP büßte den beim vergangenen Berlin-Trend gewonnenen Punkt wieder ein und bleibt mit drei Prozent deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Von den sonstigen Parteien, für die sich zusammen sieben Prozent der Befragten aussprechen, erreicht keine einen Zuspruch von mindestens drei Prozent.

Tausend Wahlberechtigte befragt

Für den Berlin-Trend befragte Infratest dimap zwischen dem 1. und 4. Juli 2011 1000 Berliner Wahlberechtigte.

Zweieinhalb Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 18. September könnte die SPD damit wieder den Regierungschef stellen. Sie könnte mit den Grünen oder mit der CDU als Juniorpartner regieren, obwohl sie noch zulegen müsste, um ihr Wahlziel 30 plus x zu erreichen. Für Rot-Rot reicht es derzeit aber nicht. Einer Neuauflage dieser Koalition fehlt bei zusammen 43 Prozent der Stimmen die Mehrheit im Landesparlament.

Möglich wäre aber auch ein Regierungswechsel: Die Grünen könnten zusammen mit der CDU regieren – unter einer Regierenden Bürgermeisterin Renate Künast. Beide Parteien erreichen derzeit 47 Prozent der Stimmen und liegen damit deutlich vor Rot-Rot.

Die CDU hat mit 23 Prozent erstmals seit Februar ihr Ergebnis der Abgeordnetenhaus-Wahl von 2006 (21,3 Prozent) übertroffen. Im Februar hatte sie ebenfalls 23 Prozent erreicht und lag gleichauf mit den Grünen auf Rang zwei hinter der SPD. Offenbar erkennen die Wähler an, dass die Union unter der Regie des Landes- und Fraktionsvorsitzenden Frank Henkel die parteiinternen Streitereien eingestellt und sich verstärkt der Sacharbeit zugewandt hat. Auch die Schwäche der FDP führt dazu, dass sich Wähler, für die eine der anderen Parteien keine Option darstellt, zur CDU stoßen. Im Westteil Berlins liegt die CDU mittlerweile auf Augenhöhe mit SPD (29 Prozent im Westen) und Grünen (27 Prozent). In den östlichen Bezirken erreicht die CDU nach einem Plus von zwei Punkten nun 19 Prozent der Stimmen. Die Linke hat es offenbar vermocht, mit Beginn des Wahlkampfes in ihren Hochburgen in den östlichen Bezirken ihre Anhängerschaft stärker zu motivieren. Nach einem Zugewinn von zwei Prozentpunkten kommt die Linke hier nun auf 26 Prozent, die SPD verlor entsprechend und verschlechterte sich im Ostteil der Stadt von 32 auf 30 Prozent. Offenbar hat die Linke Stimmen von der SPD zurückgewonnen, die sich in den vergangenen Wochen eher für die Sozialdemokraten entschieden hatten.

Die Grünen wären mit 24 Prozent fast doppelt so stark wie bei der letzten Abgeordnetenhauswahl im Jahr 2006, als sie ein Wahlergebnis von 13,1 Prozent erzielten. Allerdings haben sie in den vergangenen Monaten in den Umfragen an Zustimmung verloren. Im März kamen die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Renate Künast noch auf 28 Prozent der Stimmen. Vier Prozentpunkte mehr als derzeit. In der Hauptstadt liegt der Landesverband damit auf dem gleichen Niveau wie bundesweit.

Künast verliert an Boden

Der Künast-Effekt, den sich die Grünen von der Nominierung der Bundestags-Fraktionschefin als Spitzenkandidatin erhofft hatten, wirkt sich also nicht sehr deutlich aus. Möglicherweise zeigen die Umfrage-Ergebnisse, dass die Berliner sich über die Alkoholfahrt des Grünen-Wahlkampfleiters empören. Renate Künast wird nämlich im Juli erstmals eher negativ als positiv bewertet. Der Anteil derjenigen, die sich mit Künasts Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden zeigen, hat im Vergleich zum Juni um vier Punkte auf 42 Prozent abgenommen. Gleichzeitig wuchs aber der Anteil der Berlinerinnen und Berliner, die weniger oder gar nicht zufrieden sind, um acht Punkte auf 49 Prozent. Nur noch die Grünen-Anhänger haben ein anhaltend positives Bild von Künast, unter den Wählern der anderen Parteien verlor sie an Wertschätzung.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit liegt bei der Zufriedenheit bei 58 Prozent (plus ein Prozentpunkt), eine Minderheit von 38 Prozent bewertet Wowereit negativ. Die Unterschiede zwischen Renate Künast und Wowereit zeigt auch der direkte Vergleich der beiden Politiker. Könnten die Berliner den Regierenden Bürgermeister direkt wählen, käme Wowereit auf 62 Prozent, sieben Punkte mehr als im Juni. Künast büßte vier Punkte ein und erreicht nur noch 23 Prozent. Damit würde Renate Künast nicht wesentlich besser abschneiden als der CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel, der gegen Wowereit mit 20 zu 60 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) unterliegen würde. Im Westteil Berlins kommt Henkel sogar näher an Wowereit heran als Renate Künast. Der christdemokratische Politiker liegt im Westen bei 29 zu 52 Prozent, die Grünen-Kandidatin bei 25 zu 56 Prozent.