BGH in Leipzig

Berliner Chirurg steht wieder vor Gericht

Eine Schönheitsoperation mit tödlichem Ausgang beschäftigt seit Donnerstag den Bundesgerichtshof in Leipzig. Er muss entscheiden, ob die Verurteilung eines Berliner Schönheitschirurgen zu viereinhalb Jahren Haft Bestand hat.

Der Tod einer Frau nach einer Schönheitsoperation in Berlin ist am Donnerstag vor dem 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) in Leipzig aufgerollt worden. Der Schönheitschirurg bestritt in der Revisionsverhandlung erneut, Verantwortung für den Tod der 47-Jährigen zu tragen. Als die Frau mit einem Krankenwagen aus seiner chirurgischen Tagesklinik in ein Krankenhaus gebracht wurde, sei ihr Zustand stabil gewesen. Bei der Behandlung im Krankenhaus habe es dann „Ungereimtheiten“ gegeben.

Der Mediziner war vom Landgericht Berlin wegen Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten Totschlags zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Bei der OP im März 2006 zum Fettabsaugen am Bauch hatte es Komplikationen gegeben. Die Patientin erlitt einen Herzstillstand. Ein Anästhesist war nicht vor Ort. In den Stunden danach soll der Arzt die Frau falsch behandelt haben. Zudem habe er viel zu spät einen Notarzt gerufen. Die 47-Jährige starb knapp zwei Wochen später im Krankenhaus. Der Mediziner hatte das Urteil angefochten.

Auch der Witwer der Frau war in Revision gegangen. Er will eine Verurteilung wegen versuchten Mordes erreichen, weil der Chirurg Fehler in der Tagesklinik vertuscht habe. Die Staatsanwaltschaft legte ebenfalls Revision ein. Die Anklagebehörde monierte unter anderem, dass das Landgericht ein Jahr der Strafe wegen überlanger Verfahrensdauer für vollstreckt angesehen hatte.

Der 5. Strafsenat wollte sein Urteil noch am Donnerstag verkünden, sah allerdings erheblichen Beratungsbedarf.