Familiendrama

Totes Baby - Mutter steht unter Verdacht

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Peter Oldenburger und Dominik Ehrentraut

Nach dem Tod eines Säuglings ermittelt die Polizei nun gegen die 31 Jahre alte Mutter des Mädchens. Das Kind ist an den Folgen einer Kopfverletzung gestorben. Die Staatsanwaltschaft verhängte eine Nachrichtensperre.

In der 15.000-Einwohner-Stadt Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) erschüttert der Tod eines kleinen Mädchens die Menschen. Offenbar hat die eigene Mutter den Säugling getötet, was indes offiziell nicht bestätigt wird. Zwei Tage nach der Entdeckung des toten Mädchens hält sich die Staatsanwaltschaft Cottbus weiterhin noch überaus bedeckt über die Hintergründe des Vorfalls. Nach Informationen von Morgenpost Online ist das Kind, das am vergangenen Montag drei Monate alt geworden wäre, an den Folgen von Kopfverletzungen gestorben. Zudem soll der Leichnam Hämatome aufgewiesen haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Nachrichtensperre verhängt, um die laufenden Ermittlungen der Kriminalpolizei nicht zu gefährden. Am Dienstag verkündete sie lediglich, dass das vorliegende vorläufige Obduktionsergebnis eine „nicht natürliche Todesursache“ ergeben hat, wie der leitende Oberstaatsanwalt Bernhard Brocher in Cottbus erklärte. Gleichzeitig bestätigte Brocher, dass die Kriminalpolizei wegen des Verdachts des Totschlags gegen die Kindsmutter Mandy B. ermittelt. Die Mutter soll Sonntagnacht zunächst Nachbarn angesprochen haben, die dann einen Rettungswagen in das Mehrfamilienhaus an der Weinbergstraße gerufen haben. Kurz nach Mitternacht ging der Notruf ein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erlitt das Baby einen Herzstillstand, zudem atmete es nicht mehr. Der Notarzt brachte den Säugling in die Notaufnahme des Klinikums Niederlausitz in Lauchhammer. Die Bemühungen der Ärzte, das Baby zu reanimieren, kamen jedoch zu spät. Nur eine Dreiviertelstunde nach dem Notruf mussten sie den Tod des Mädchens feststellen. Da die Mutter Mandy B. die Verletzungen des Kindes nicht erklären konnte, schaltete die Klinik die Polizei ein.

Nach Medienberichten soll die 31 Jahre alte Mandy B. in der fraglichen Nacht stark angetrunken gewesen sein. Bei der Frau sei ein Blutalkoholwert von mehr als 1,8 Promille gemessen worden sein. Sie wurde zunächst von den Polizisten festgenommen. Mandy B. soll zwei weitere Kinder im Alter von zwei und neun Jahren haben und im Kontakt mit dem örtlichen Jugendamt gestanden haben. Warum die Behörde keine Maßnahmen trotz der offensichtlichen Überforderung der Frau unternommen hat, ist bislang unklar. Laut der Staatsanwaltschaft Cottbus wurde Mandy B. bereits als Beschuldigte verhört. Auf einen Antrag auf Haftbefehl verzichtete die Behörde allerdings. Gründe dafür nannte sie jedoch nicht. Mandy B. befindet sich nun auf freiem Fuß. Ein Kriminalkommissariat für schwere Kriminalität in Cottbus ermittelt intensiv.

Zu einem ähnlich erschütternden Fall war es im nur wenige Kilometer entfernten Nachbarort Schwarzheide vor rund dreieinhalb Jahren gekommen. Eine damals 17 Jahre alte Schülerin hatte ihr Baby am 5. Dezember 2007 nach der Geburt in der elterlichen Wohnung in Schwarzheide mit einem Strumpf erdrosselt. Offenbar wollte sie die Geburt vor ihrer Familie und Freunden verheimlichen. Auf die Spur der Täterin war die Polizei durch den Hinweis eines Arztes gekommen. Bei einer Untersuchung stellte er fest, dass die Jugendliche kurz zuvor entbunden haben musste. Kurz danach wurde das erdrosselte Baby in einer Plastikbox im Kinderzimmer der Jugendlichen gefunden. Zwei Jahre später verurteilte das Landgericht Cottbus die angeklagte Kindesmutter in einem Revisionsverfahren zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Das Gericht blieb damit unter dem Urteil einer anderen Kammer aus erster Instanz, die im November 2008 viereinhalb Jahre Haft verhängt hatte.

In der Vergangenheit hatten immer wieder grausige Funde von Babyleichen in Brandenburg für Schlagzeilen gesorgt. Erst im vergangenen Februar hatte die Polizei Überreste eines toten Babys im Garten der Eltern in Jüterbog (Teltow-Fläming) entdeckt. Die Mutter und ihr Ex-Partner sollen das Baby bereits nach der Geburt im Jahr 2009 vergraben haben. Die Todesursache ist unklar. Anfang 2010 wurde in der Nähe von Bernau ein Neugeborenes tot auf einem Acker entdeckt. Die Mutter hatte die Schwangerschaft ignoriert und das Kind dort ausgesetzt. Wegen der Kälte hatte die Frau sich dabei stark unterkühlt und war selbst in Lebensgefahr geraten.

Entsetzen und Erschütterung hatten auch im Jahr 2005 die neun toten Kinder von Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree) ausgelöst, die in einer Garage entdeckt worden waren. Die Leichen der Kinder lagen in einem mit Sand gefüllten Aquarium, in Eimern und Blumenkübeln. Die Mutter wurde wegen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt.