Betrunkener Wahlkampfmanager

Grüne erfuhren aus den Medien von Alkoholfahrt

Zwei Tage nach der Eskapade ihres Wahlkampfmanagers gibt Spitzenkandidatin Renate Künast sich kämpferisch. Innerhalb von 15 Minuten sei eine Entscheidung getroffen. Hauptgrund für den Rauswurf: André Stephan hatte seine Parteifreunde nicht informiert.

Die grüne Spitzenkandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters, Renate Künast, hat sich zwei Tage nach dem Rauswurf ihres Wahlkampfmanagers wegen einer Trunkenheitsfahrt kämpferisch gezeigt. „Wir sind personell und inhaltlich gut aufgestellt, den ausgelaugten, nicht entscheidungsfähigen Senat abzulösen“, sagte Künast am Freitag. „Auf die Kompetenz kommt es an, ich kandidiere für das Amt des Regierenden Bürgermeisters.“

Die schnelle Präsentation eines Nachfolgers habe gezeigt, dass die Partei entschlossen handelt, sagte Künast weiter. Die Entscheidung, ihren Wahlkampfmanager abzulösen, sei innerhalb einer Viertelstunde gefallen. Künast hatte aus den Medien von den Vorwürfen erfahren und daraufhin André Stephan angerufen. Dass er die Partei nicht von sich aus informiert habe, habe sie bereits verärgert. Als Stephan in einer Telefonkonferenz eine Trunkenheitsfahrt einräumte, habe ihre Entscheidung bereits festgestanden. „Ich brauchte keine weiteren Erkenntnisse. Von diesem Moment an war er als Geschäftsführer und Wahlkampfmanager untragbar“, sagte Künast am Freitag.

Die spärliche Informationspolitik der Partei unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls sei aus Fürsorgepflicht gegenüber Stephan erfolgt. Die Grünen streben jetzt eine einvernehmliche Vertragsauflösung mit Stephan an.

Der 31-Jährige war in der Nacht zu Mittwoch nach dem Hoffest des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) im Roten Rathaus betrunken Auto gefahren. Eine Streife der Zivilpolizei hatte ihn um vier Uhr an einer Ampel schlafend angetroffen. Nachdem er aufgewacht war, soll er versucht haben zu fliehen und dabei einen Polizisten leicht verletzt haben. Nach Medienberichten läuft gegen Stephan bereits ein weiteres Verfahren wegen Ruhestörung und Körperverletzung. Dabei soll es sich um einen Nachbarschaftsstreit gehandelt haben.

Stephan wird nach Parteiangaben auch nicht mehr als Direktkandidat der Grünen in Lichtenberg antreten. Zum Nachfolger Stephans ernannte der Landesvorstand den derzeitigen Parlamentarischen Geschäftsführer der Abgeordnetenhausfraktion, Heiko Thomas. „Und jetzt geht es weiter“, sagte Künast. „Die Leute in der Geschäftsstelle sind motiviert.“