Fliegende Legende

Der Rosinenbomber soll 2012 wieder starten

Ein Jahr nach der Bruchlandung des letzten flugfähigen Rosinenbombers soll die Maschine vom Typ Douglas DC 3 im Juni 2012 wieder in die Luft gehen. Um das zu ermöglichen, will ein Förderverein eine weltweite Spendenaktion starten.

Der Tag hatte einschneidende Folgen für Frank Hellberg. Auch für viele Berliner war es ein trauriges Ereignis. „Den 19. Juni 2010 werde ich nie vergessen“, sagt Hellberg rückblickend. An diesem Tag wurde der Rosinenbomber bei einer Bruchlandung in Schönefeld schwer beschädigt – für den 51 Jahre alten Chef des Unternehmens Air Service Berlin und Piloten „Commander Frank Hellberg“ ein schwerer Schlag. Schließlich bestritt die Firma seit 2001 mit den Oldtimer-Rundflügen einen Großteil ihres Geschäfts. Nicht nur die Existenz des Unternehmens stand damals auf dem Spiel, mit der Bruchlandung schien auch das Ende einer Flugzeug-Legende besiegelt. Viele Berliner trauerten über den Verlust der DC-3-Maschine, die in den Jahren zuvor mit ihrem vertrauten Brummen im Berliner Himmel die Erinnerung an die Luftbrücke aufrechterhalten hatte.

Triebwerksausfall führte zum Crash

Am frühen Nachmittag des 19. Juni 2010 wollte der Rosinenbomber zu einem Rundflug starten. Doch der Ausfall des linken und der Leistungsabfall des rechten Triebwerks zwang die Maschine zur Notlandung. Dabei prallte sie kurz vor der Landebahn nahe dem Schönefelder Ortsteil Selchow hart auf und wurde schwer beschädigt. Für die 28 Passagiere und Crew-Mitglieder an Bord ging die Notlandung halbwegs glimpflich aus. Sieben Menschen wurden verletzt, die Mehrzahl kam aber mit einem Schrecken davon.

Die Maschine vom Typ Douglas DC3 aus dem Jahr 1944 dagegen schien verloren und bot einen jämmerlichen Anblick: eine eingedellte Nase, verrußte Triebwerkgondeln, Risse, Beulen, abgerissene Tragflächen sowie abgeknickte Fahrwerke. Der Bericht der Bundesstelle der Flugunfalluntersuchung in Braunschweig diagnostizierte einen Kurbelwellenbruch als Ursache für den Triebwerksausfall. Doch Hellberg gab nicht auf und glaubte, die Maschine wieder flottmachen zu können. Auch wenn er sich das damals einfacher und schneller vorgestellt hatte, hält er nach wie vor daran fest und startet Ende dieses Monats eine weltweit angelegte Spendenaktion.

Die Voraussetzungen dafür, dass die Spenden auch gut angelegt sind, hat Hellberg als Vorsitzender des im vergangenen Sommer gegründeten Fördervereins „Rosinenbomber“ geschaffen. Bereits im Januar dieses Jahres war klar, dass die stark ramponierte Maschine repariert und wieder flugfähig gemacht werden kann. Das hatte eine Expertise der auf Wartung und Instandsetzung von Flugzeugen spezialisierten Firma Nayak Aircraft Service aus Köln ergeben.

Doch um den Rosinenbomber wieder abheben lassen zu können, müssen Teile wie das Höhenruder oder die Tragflügel ausgetauscht werden. Eine Maschine, die als Ersatzteillager dienen kann, ist mittlerweile auch gefunden. „Wir haben drei DC-3-Flugzeuge begutachtet. Zwei waren nicht geeignet. Die dritte Maschine, die einem Privatmann aus der Schweiz gehört, ist aber flugfähig und hat auch die unerlässliche europäische Zulassung. Damit können wir gemeinsam mit dem Bundesluftfahrtamt und der Europäischen Luftsicherheitsbehörde den Weg des Wiederaufbaus des Rosinenbombers beschreiten“, sagt Hellberg. Denn schwieriger als die Reparatur ist der Erhalt der Zulassung, weil das Bundesluftfahrtamt strenge Sicherheits- und Lärmkriterien zugrunde legt.

Wrack steht noch in Schönefeld

Neben der Beschaffung der Ersatzteilmaschine, die um die 400.000 Euro kosten soll, muss die sogenannte ingenieurtechnische Leistung für den Aufbau der Maschine genau beschrieben werden. Das allein kostet nach Angaben von Hellberg 60.000 bis 80.000 Euro. Insgesamt sind eine Million Euro nötig, um den Rosinenbomber wieder flottzumachen.

Ob das, wie ursprünglich geplant, zur Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER am 3. Juni nächsten Jahres klappt, ist ungewiss. Hellberg will daran festhalten, weiß aber, dass der Termin davon abhängt, ob rechtzeitig genug Geld für das „fliegende Denkmal und den einzigen Zeitzeugen der Freiheit“ zusammenkommt. Über ein breit angelegtes Netzwerk, in das soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter eingebunden sind, und mit „großen Partnern“ will „Commander Frank Hellberg“ es schaffen.

„Mit der US-Botschaft und den Briten“ hat er schon Kontakt aufgenommen. Auch die Flughafengesellschaft hat Unterstützung zugesagt. Am 29. Juni will Hellberg seine Spendenaktion der Öffentlichkeit vorstellen. Erst, wenn genug Geld zusammenkommt, kann die Unglücksmaschine den Hangar auf dem Flughafen Schönefeld verlassen, um in der Kölner Werft der Spezialfirma Nayak repariert zu werden.