Elektronischer Klingelbeutel

In Gedächtniskirche wird mit EC-Karte gespendet

In der Berliner Gedächtniskirche hat der altmodische Klingelbeutel Konkurrenz bekommen. Gespendet werden kann dort jetzt auch per EC- und Kreditkarte, oder aber per SMS.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Schauspielerin Brigitte Grothum war die erste, die es probiert hat. Sie steckte ihre EC-Karte in den neuen elektronischen Opferstock der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und tippte die Spendensumme ein. Sogar eine Bescheinigung fürs Finanzamt spuckt das Terminal aus. Seit Donnerstag können Besucher in der Gedenkhalle die Neuerung nutzen. Das Geld wird per ISDN-Telefonleitung direkt der Bank nach Essen überwiesen, wo die Stiftung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ein Konto hat. Spenden leicht gemacht. Die Idee dazu hatte die Bank im Bistum Essen: eine Kirchenbank, die kirchlichen Organisationen und deren Mitarbeitern vorbehalten ist. „Als wir im Ruhrgebiet von der dringend nötigen Renovierung des Berliner Wahrzeichens und von der Geldnot hörten, haben wir der Kirche diese Möglichkeit vorgeschlagen“, sagte Martin Rothe, Regionaldirektor der Bank. Auch er spendete zehn Euro, schließlich stammt seine Familie aus Berlin.

In den USA ist der elektronische Opferstock seit langem im Einsatz, der in der Gedächtniskriche ist in der Region Berlin-Brandenburg der erste. In Deutschland hat die Bank bereits sieben installiert – und gute Erfahrungen damit gesammelt. Durchschnittlich werden 25 Euro gespendet, weiß Kundenberater Volker Geise. In der Benediktinerabtei Schäftlarn bei München wurden durch den Opferstock im vergangenen Jahr rund 8000 Euro eingesammelt – obwohl die Wallfahrtskirche gerade eine Baustelle ist. Weil die Gedächtniskirche der bislang prominenteste Ort für solch ein Terminal ist, hofft die Bank, dass dort bis zu 15.000 Euro jährlich elektronisch gespendet werden. Über dem neuen Opferstock weist ein Schild außerdem darauf hin, dass dem Berliner Wahrzeichen auch per Handy-SMS ab sofort Geld gespendet werden kann. Wer das Wort Erhalt an die 81190 schickt, spendet 5 Euro.

Geld, das die Gedächtniskirche auch nach der erfolgreichen Spendenkampagne zur Erhaltung des Alten Turms brauche, sagt Pfarrer Martin Germer. Neben dem EC-Opferstock und der SMS-Spende per Handy wird bald auch ein eigenes Spendenportal im Internet eingerichtet.

Hinter der Einrüstung gehen die Untersuchungen am Alten Turm unterdessen weiter. Architekt Gerhard Schlotter rechnet damit, die Bauarbeiten Ende nächsten Jahres abschließen zu können. Mitte Juli sollen die Untersuchungen des Bauwerks beendet sein. Sämtliche Schäden sind bereits aufgenommen, jeder feine Haarriss ist notiert. Schlotter sagt, dass 80 Prozent der Steine geschädigt sind. Der „Hohle Zahn“ sei als Ruine von allen Seiten Wind und Wetter mehr noch als andere Gebäude ausgesetzt.

Momentan untersuchen Wissenschaftler der Bundesanstalt für Materialprüfung mit Radar und Ultraschall, wie es im Innern um die Steine bestellt ist. Wer sich die Baustelle anschauen möchte, hat dazu sonnabends um 16 Uhr bei einer Führung Gelegenheit. Anlässlich des Jubiläums „125 Jahre Kurfürstendamm“ gibt es die Tickets (7 Euro) gleich auf dem Breitscheidplatz in der Goldenen Treppe, dem Info-Jubiläumscenter.