Verluste

Berliner Zoo leidet unter Besucher-Rückgang

Die Aktionäre des Berliner Zoos werden auf ihrer Jahreshauptversammlung nicht viel über Tiere zu reden haben, denn die Jahresbilanz fällt schlecht aus: Zurückgehende Besucherzahlen und ein anwachsender Schuldenberg sitzen ihnen im Nacken.

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Am kommenden Donnerstag treffen sich die Zoo-Aktionäre zur Jahreshauptversammlung in der Urania. Dann sprechen sie nicht nur über Tiere und ihre Sterblichkeit, sondern über harte Zahlen. Denn die Jahresbilanz 2010 ist schlecht. Die Kurzform lautet: weniger Besucher, weniger Einnahmen. Außerdem musste der Zoo dem Land Berlin Geld zurückzahlen.

Im vergangenen Jahr hatten einige Politiker im Berliner Abgeordnetenhaus den Sinn öffentlicher Zuwendungen für die prosperierende Einrichtung Zoo bezweifelt. Daraufhin haben Zoo und Land Berlin verhandelt und einen Vergleich abgeschlossen.

„Laut Vergleich mussten wir dem Land 2,03 Millionen Euro zurückzahlen“, erklärt Zoo-Vorstand Gabriele Thöne. Die Summe bezieht sich auf das sogenannte „Knut-Jahr“: In 2007 hatte der Zoo Zuwendungen vom Land Berlin erhalten, aber durch den Eisbären und Publikumsmagneten Knut hohe Einnahmen erzielt. Damals galt die Zuwendung des Landes als Fehlbedarfsfinanzierung, deshalb war eine Rückforderung möglich. Seit 2008 sei infolge des jetzt geschlossenen Vergleichs die Zuwendung als Festbetragsfinanzierung deklariert. „Weitere Rückzahlungsforderungen halte ich damit für ausgeschlossen“, so Thöne. Der aktuelle Zuwendungsvertrag sieht für 2011 eine Summe von 1,3 Millionen Euro vor. Dann ist Schluss, der Vertrag läuft aus. Wie hoch sich danach die Unterstützung des Landes für den Zoo und seine Tochter, den Tierpark, bemisst, ist Verhandlungssache. „Wir werden dazu aufrufen, dass man sich auch privat verstärkt engagiert“, kündigt Thöne für die Hauptversammlung an. Der Zoo könne nicht ausschließlich beim Land anklopfen, aber es sei wichtig, dass das Land erkenne, dass der Zoo ein großer Tourismusfaktor sei. Doch genau die Touristen blieben weg.

Die Umsatzerlöse sind gesunken: von 15,5 auf 14,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Größter Posten sind die Eintritte, also die Einnahmen durch Besucher. Nur 2,88 Millionen Besucher kamen in den Zoo; 2009 waren es 3,018 Millionen Besucher gewesen. Die Eintrittskarten spülten nur 13,7 Millionen Euro in die Kassen. Im Vorjahr waren es 14,4 Millionen Euro. Tatsächlich wurden weniger Tagestickets verkauft – wegen der gesunkenen Touristenzahl. Die Anzahl der Einzeleintrittskarten (Tagestickets) sank von 1,706 auf 1,601 Millionen. „Bei den Jahres- und sonstigen Karten haben wir uns ziemlich gehalten“, sagt Thöne, die Verankerung in der Bevölkerung sei also weiter vorhanden. Ärger von der Kontrollinstanz ist nicht zu erwarten: „Das ist keine dramatische Entwicklung“, sagt der Vorsitzende des Zoo-Aufsichtsrates, Frank Bruckmann.

Das schlechte Wetter war schuld

Schuld am Abstieg war das Wetter. Das sagt Bruckmann. Das sagt Thöne. Es folgt der Hinweis auf den Deutschen Wetterdienst. 2010 habe ein Wetter der Extreme geherrscht, so Thöne. „Der Unterschied zwischen höchster und niedrigster Temperatur betrug 60 Grad. Wir hatten 40 Grad plus und bis 20 Grad minus. Im Winter herrschte Frost bis März, ja April, im Sommer folgten eine Hitzeperiode, dann Regen und wieder extreme Kälte plus früher Schneefall im November.“ Immerhin trieb das Wetter einige treue Fans ins Aquarium. Dort sind die Erlöse aus Einzeltickets um 179000 Euro gegenüber 2009 gestiegen.

Zurück zum Stichwort Konjunktur – auch die sei schuld, so Thöne. Der Konjunkturverlauf sei 2010 zwar besser gewesen als 2009. So sei das Bruttoinlandsprodukt um 3,6 Prozent gewachsen. „Doch das Vorjahr war mit minus 4,7 Prozent derart schlecht, dass es 2010 noch zu spüren war: Die Menschen gaben Geld vorrangig für langlebige Konsumgüter aus.“

Das Geld saß also nicht locker genug in der Tasche – umgekehrt gab es keine Großattraktion, die zusätzliche Besucher in den Zoo gelockt hätte. Im vorigen Jahr wurden für 900000 Euro Sanierungen abgeschlossen und für 1,5 Millionen Euro neue Vorhaben begonnen. Immerhin: Es hat 2010 ein leichtes Plus bei den Spenden gegeben (von 447000 auf 586000 Euro). Doch Nachlässe wurden dem Zoo in weitaus geringerer Summe vermacht als zuvor: 2009 waren es 3,943 Millionen Euro, ein Jahr später nur noch 1,416 Millionen Euro. Zur Preiserhöhung im Herbst 2010 sagt Thöne: „Sie war moderat und als Gegensteuerung zum Wetter gedacht.“ Inzwischen zahlen Erwachsene 13 Euro für den Zoo und Kinder die Hälfte.

Vorab waren einige Aktionäre verwundert, dass sie den Jahresbericht separat erhalten hatten, dieser aber im „Bongo“ nicht vollständig abgedruckt war. Der „Bongo“ ist die wissenschaftliche Zeitschrift der Zoo-AG; die Auflage beträgt 4200 Exemplare. Er enthielt in den Vorjahren den Bericht über Zu- und Abgänge im Tierbestand sowie den Jahresabschluss. Doch nun fehlt der kaufmännische Teil. Ob das an den schlechten Zahlen liegt? „Nein“, sagt Thöne. Man habe lediglich zur klassischen Form des „Bongo“ vor 2007 zurückkehren wollen. Darin ist neben Beiträgen zur Tiergärtnerei nur der tierbiologische Teil des Jahresberichts abgedruckt. Der gesamte Jahresabschluss ist weiterhin im Internet öffentlich und sogar kostenlos zugänglich.“

Zudem interessierten sich die meisten Leser für den tierbiologischen Teil. Der ist nichts für zarte Seelen. Denn in einer Endlosreihung sind Neuzugänge und Sterbefälle aneinandergereiht. Zum Schicksal der Persischen Leoparden heißt es auf Seite neun: „Die Zwillinge, die allem Anschein nach tot zur Welt gekommen waren, wurden vom Muttertier auch noch anschließend verspeist.“ Oder: „Leider verloren wir durch die Unachtsamkeit eines Mitarbeiters unser Zuchtmännchen bei den Ringelschwanzmungos (Galidia elegans). Es wurde im Absperrgitter zerquetscht.“ Die Frage, ob im Zoo vermehrt Todesfälle zu beklagen sind, mochte Zoo-Vorstand Bernhard Blaszkiewitz nicht beantworten. Er verwies nur auf besagten Jahresbericht. Dort wird in einer Statistik die Zahl aller Individuen zum Jahresende 2010 mit 17145 angegeben. Am 31. 12. 2009 waren es 15912 Individuen.