Prozessauftakt

18 Schüsse zwischen arabischen Großfamilien

Ein Jahr nach einem Schusswechsel mit zwei Verletzten in Neukölln, an dem offenbar Angehörige krimineller arabischer Großfamilien beteiligt waren, hat nun der Prozess in Berlin begonnen. Hintergrund der Tat soll ein Streit um Geld gewesen sein.

Foto: Steffen Pletl

Nach einer Schießerei in Neukölln zwischen zwei Großfamilien hat nun der Prozess gegen fünf arabischstämmige Männer begonnen. Das Verfahren findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Bei einer Auseinandersetzung im November vergangenen Jahres in Neukölln sollen zwei Brüder einer rivalisierenden arabischen Familie durch Schüsse am Fuß leicht verletzt worden sein.

Den 27- bis 42-jährigen Angeklagten, darunter vier gebürtige Libanesen und ein Deutscher, wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Hintergrund der Tat soll ein Streit um Geld gewesen sein. Nach Verlesung der Anklage wurde das Verfahren für eine Woche ausgesetzt. Zuvor hatte das Gericht den rechtlichen Hinweis erteilt, dass auch eine Verurteilung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung in Betracht kommen könne. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 34-jährige Angeklagte einem Mittäter die Automatikpistole abnahm und damit auf die beiden Brüder schoss, als diese flüchteten. Auch ein unbekannter Mittäter soll geschossen haben.

Herkunft und Richtung der Kugeln offen

Ungeklärt sei allerdings, aus welcher Waffe die Kugeln stammten, die die Opfer trafen, und ob sie direkt trafen oder vom Boden abgeprallt seien, heißt es. Ein Verteidiger geht davon aus, dass die Opfer von sogenannten Querschlägern getroffen wurden.

Der Anklage zufolge war der 30-jährige Angeklagte, ein arabischstämmiger Deutscher, zunächst mit einem Messer auf die beiden Kontrahenten losgegangen. Als der jüngere Bruder sich mit einem Faustschlag wehrte, sollen die Mitangeklagten und ihre Begleiter die Waffen gezogen haben.

Insgesamt 18 Schüsse sollen aus der Gruppe der Angeklagten abgefeuert worden sein. Die 19- und 28-jährigen Opfer erlitten jeweils einen Steckschuss am Fuß und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Bei der Polizei sollen drei Angeklagte später das Geschehen genau umgekehrt geschildert haben.

Sowohl die Angeklagten als auch die verletzten Kontrahenten sind Justizangaben zufolge vorbestraft. So soll der 34-jährige Angeklagte noch unter Bewährung gestanden haben. Er sitzt als einziger in Untersuchungshaft. Das 28-jährige Opfer ist als Intensivtäter bekannt. Für das Verfahren hat das Gericht 15 Verhandlungstage bis August eingeplant. Der Prozess wird am 6. Juni fortgesetzt.