Dahlemer Hüttenweg

Ladenbesitzer fürchten sich vor Neubauprojekt

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Katrin Lange

Foto: David Heerde

Das alte Volksfestgelände am Dahlemer Hüttenweg wird zum Wohn- und Einzelhandelsgebiet. Geschäfte am nahe gelegenen U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte fürchten allerdings die Konkurrenz.

Bernd Charnow verkauft in der dritten Generation Staubsauger, Batterien und Lampen. Wo einst sein Großvater stand, steht er heute: im Elektrogeschäft in der Ladenstraße am U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Im April will der Geschäftsmann das 70-jährige Bestehen groß feiern. Der Blick zurück macht ihn stolz. In die Zukunft mag er im Moment nicht gern blicken, denn die macht ihm Angst.

Für Unruhe an der Ladenstraße sorgt das Neubauprojekt auf dem alten Volksfestgelände am Dahlemer Hüttenweg. Die Baupläne für das Wohn- und Einzelhandelsgebiet liegen derzeit öffentlich aus und führen bei den Geschäftsleuten und bei den Anwohnern zu hitzigen Debatten. Am Sonnabend, 5. März, wollen Investor, Bezirk, Vertreter der Ladenstraße und einer Bürgerinitiative ihre Argumente auf einer Podiumsdiskussion um 14 Uhr in der Ernst-Moritz-Gemeinde an der Onkel-Tom-Straße austauschen. Eingeladen hat der SPD-Ortsverein Krumme Lanke.

Auf dem etwa 50.000 Quadratmeter großen Gelände will der Investor, die Projektentwickler Stofanel, exklusive Wohnhäuser bauen, die sich rund um einen künstlichen See gruppieren. Im benachbarten Gewerbegebiet entsteht ein Büro- und Einzelhandelskomplex mit vier- bis sechsgeschossigen Gebäuden. 100 Millionen Euro fließen in das Projekt.

Allein 2500 Quadratmeter sind für den Bau von Supermärkten vorgesehen, für die 150 Parkplätze geschaffen werden. „Das ist der Todesstoß für das Einzelhandelszentrum an der Ladenstraße“, sagt Ute Scheub, vom Vorstand der Bürgerinitiative Papageiensiedlung. Sie befürchte, dass sich das Ensemble zwischen Clayallee, Argentinischer Allee und Hüttenweg zu einem neuen Zentrum entwickle und damit die Kaufkraft aus der Ladenstraße und sogar aus Zehlendorf-Mitte abziehe. Immerhin, so ihr Argument, sei die Ladenstraße mit 2000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche schon heute kleiner als das neue Einkaufszentrum.

„Zentrum wird Kunden abziehen“

Die meisten Händler an der Ladenstraße bestätigen die Sorge. „Das neue Zentrum wird Kunden abziehen, schon allein wegen der bequemen Parkplatzsituation“, sagt Margit Klutke vom Teeladen. Negative Auswirkungen befürchtet auch Thomas Weiß aus dem Schreibwarenladen. Seine Stammkunden werde er behalten, sagt der Händler. Auch wer in der Nähe wohne, komme sicherlich weiterhin zu ihm. Aber die spontane Laufkundschaft bleibe vermutlich weg. Das sieht auch Elektromeister Bernd Charnow so. Schon heute würden die neu Hinzugezogenen mit dem Auto zur Arbeit fahren und dann gleich die Einkäufe mit erledigen, sagt er. Dieser Trend werde sich mit dem neuen Zentrum noch verstärken. Und Apotheker Carsten Herdin kritisiert vor allem den Bezirk. „Eigentlich sollten die alten Kiez-Zentren gefördert werden, doch jetzt entsteht ein eigenes, neues Zentrum“, sagt Herdin. Er wolle das Bauprojekt nicht verhindern, nur sollte es nicht diese Ausmaße haben.

Doch nicht nur die neuen Geschäfte mit den Parkplätzen sorgen für Unruhe. „Sechsgeschosser passen nicht in das Umfeld“, sagt Richard Röhrbein, Architekt und ehemals Stadtbaudirektor in Potsdam. Vom Roseneck bis zur Riemeisterstraße gebe es eine offene Bauweise mit maximal drei Geschossen. Dieser Villen-Charakter mit viel Grün werde in dem neuen Bauprojekt nicht fortgeschrieben.

Der Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Uwe Stäglin (SPD), wird am Sonnabend mit auf dem Podium der Veranstaltung sitzen, die seine Parteigenossen organisiert haben. „Ich bin sehr gespannt auf die Debatte“, sagt Stäglin. Seit 2006 werde das Bauvorhaben mit den Bezirkspolitikern aller Fraktionen diskutiert. Mehrfach sei es geändert worden, bis ein parteiübergreifender Konsens erreicht wurde. „Das Parkviertel Dahlem am Hüttenweg ist mit Einkaufsmöglichkeiten unterversorgt“, sagt Stäglin. Das solle sich mit dem neuen Einzelhandelszentrum ändern.

Das ist auch der entscheidende Punkt für den Investor. „Wir schaffen Wohnraum und müssen auch die Versorgung sicherstellen“, sagt Torsten Held vom Vorstand der Stofanel Investment AG. Zudem bräuchten die Bewohner des Parkviertels endlich nahe Einkaufsmöglichkeiten. Ein Gutachten habe ergeben, dass nur 5 bis 7 Prozent der Kaufkraft aus anderen Zentren abgezogen würden, sagt Held. Dennoch versteht er die Angst der Händler in der Ladenstraße, die er zu zerstreuen versucht. „Es entsteht ein großer Supermarkt, ein kleiner Biomarkt und noch einige kleinteilige Läden auf den 2500 Quadratmetern“, sagt Held. Fast doppelt so groß sei das geplante Ärztezentrum auf dem Areal. Die sechsgeschossige Bauweise führt er auf den Wunsch der Bezirkspolitiker zurück, die ein „Tor zu Zehlendorf“ an der Clayallee, Ecke Argentinische Allee haben wollten. In den Plänen von Stofanel sei das nicht vorgesehen gewesen.