Kindstötung

Toter Säugling - Motiv der Mutter bleibt Rätsel

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Foto: Steffen Pletl

Noch immer sind nur wenige Details zu der Frau bekannt, die ihr Neugeborenes in Berlin aus dem Fenster warf. Die Ermittler schirmen sie nun von ihrem Umfeld im Rotlichmilieu ab. Ein ausführliches psychologisches Guutachten wird erstellt.

Wer ist Adriana B., und was hat sie dazu gebracht, ihr gerade geborenes Baby aus dem Fenster zu werfen? Diese Fragen beschäftigen derzeit Staatsanwaltschaft und Polizei. Insbesondere das Motiv der 20-Jährigen ist für die Ermittler auch nach mehreren Befragungen noch ein Rätsel. Aber auch über die Frau selbst lässt sich derzeit wenig sagen.

Bislang ist lediglich bekannt, dass sie aus Brasov in Rumänien stammt und seit etwa zwei Jahren als Prostituierte in Berlin arbeitet. Darüber hinaus wissen die Ermittler inzwischen, dass die junge Frau bereits Mutter eines in Rumänien lebenden Kindes ist. Ob sie freiwillig nach Berlin gekommen ist, um hier im Rotlichtmilieu ihren Lebensunterhalt zu verdienen, oder ob sie zu den vielen Zwangsprostituierten vor allem aus Ost- und Südosteuropa gehört, all das ist noch unklar. Gerade diese Fragen könnten allerdings wichtig sein für die Bewertung der Tat und ihrer Hintergründe, hieß es aus Ermittlerkreisen. „Hat sie aus eigenem Antrieb gehandelt oder stand sie unter besonderem Druck, das wird zu klären sein“, sagte ein Beamter.

Bei den Nachbarn an der Kaiser-Friedrich-Straße in Charlottenburg, wo Adriana B. bislang in einer kleinen Wohnung lebte, ist die schreckliche Tat nach wie vor das Gesprächsthema schlechthin. Eine Nachbarin hatte den Säugling im Innenhof bemerkt, kurz nachdem Adriana B. das gerade zur Welt gekommene Baby aus dem Fenster geworfen hatte. Das Kind starb schließlich an Unterkühlung. Kaum jemand wusste bislang, wie die 20-Jährige ihren Lebensunterhalt verdiente. Und die wenigen, die offenbar etwas wussten, machen darüber widersprüchliche Angaben. Adriana B. habe ihren Standplatz vor einer Kneipe mit angeschlossenem Stundenhotel am Stuttgarter Platz, weiß ein Anwohner zu berichten. Ein anderer erzählt, die 20-Jährige sei an der Kurfürstenstraße ihrem Gewerbe nachgegangen.

Am Montagabend hat ein Ermittlungsrichter einen Haftbefehl gegen die Frau erlassen, der Tatvorwurf lautet Totschlag. Als Haftgrund gilt Fluchtgefahr. Für die Ermittler ist es allerdings auch wichtig, die junge Frau von ihrem bisherigen Umfeld fernzuhalten und jede Einflussnahme von Dritten auszuschließen.

Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keinerlei Hinweise auf eine psychische Erkrankung der Frau, sagte eine Justizsprecherin am Montag. Sie gehe aber davon aus, dass noch eine ausführliche Begutachtung der 20-Jährigen erfolgt. Hintergrund sind besondere Regelungen für Fälle, in denen Mütter ihre neugeborenen Kinder töten. Häufig befinden sich die Täterinnen in einem psychischen Ausnahmezustand. Mediziner sprechen von einem postnatalen (nachgeburtlichen) Depressionssyndrom, Juristen von einer Verminderung der Steuerungsfähigkeit. Liegt dies vor, kann die Tat als Totschlag in einem minder schweren Fall geahndet werden, die Mindeststrafe liegt bei einem Jahr und damit deutlich unter dem Strafmaß für andere vorsätzliche Tötungsdelikte.