Urteil

Baby aus Fenster geworfen - Bewährung für Mutter

Weil sie ihr Kind nach der Geburt aus dem Fenster warf, hat eine Moabiter Jugendkammer eine 20-jährige Rumänin zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Richter erkannten auf Totschlag im minderschweren Fall.

Foto: Steffen Pletl

Am Nachmittag des 26. Dezembers 2010 hörten Bewohner eines Hauses in Charlottenburg das Wimmern eines Kindes. Als sie den Hof betraten, sahen sie im Schnee ein Neugeborenes, an dessen Bauch noch die Nabelschnur hing. Sie alarmierten sofort den Notdienst, der das Baby ins Krankenhaus brachte. Doch jede Rettung kam zu spät, der Säugling verstarb wenig später an Unterkühlung.

Die Mutter dieses Neugeborenen wurde am Donnerstag von einer Moabiter Jugendkammer zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Richter erkannten auf Totschlag im minder schweren Fall. Die Angeklagte habe sich „in einer extremen Ausnahmesituation“ befunden, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung.

Die 20-jährige Adriana B. hatte zu Beginn des Prozesses von ihrer Verteidigerin ein Geständnis verlesen lassen. Sie war im September 2010 aus Rumänien nach Deutschland gekommen, um für sich und ihr in Rumänien verbliebenes Kind mit Prostitution Geld zu verdienen. Kaum in Berlin angekommen, hatte sie gemerkt, dass sie zum zweiten Mal schwanger war. Das war auch in dem Bordell, in dem sie tätig war, aufgefallen. Eine Kollegin hatte sie sogar genötigt, in ihrer Gegenwart eine Urinprobe abzugeben. Ein sofortiger Stäbchenschnelltest hatte den Verdacht bestätigt. Auch bei zwei Besuchen im Krankenhaus war die Schwangerschaft eindeutig festgestellt worden. Zuletzt am 14. Dezember. Da waren die Ärzte jedoch davon ausgegangen, dass Adriana B. erst im siebten Monat schwanger war. Sie sei dann von den plötzlichen Wehen vermutlich überrascht worden, sagte der Richter. Die Angeklagte habe nach eigenen Angaben gehofft, ihr Baby im Januar 2011 in Rumänien auf die Welt bringen zu können. Er sprach von „einer schrecklichen Kurzschlussreaktion“.

Adriana B.s Verteidigerin beantragte einen Freispruch. Sie verwies auf ein Gespräch ihrer Mandantin mit zwei Freundinnen, die sie in der Haftanstalt besuchten. Dort habe Adriana B. weinend beteuert, dass sie ihr Baby nicht getötet habe. Sie sei während der Geburt ohnmächtig geworden und habe nach dem Aufwachen nur noch das offene Badezimmerfenster gesehen. Täterin sei vermutlich die Landsfrau, bei der sie wohnte und die von Adriana B. eine hohe Miete kassierte. Es könne sein, so die Anwältin, dass Adriana B. die Tat auf sich nehme, weil sie um ihr Kind in Rumänien fürchte.

Das Gericht hielt diese These jedoch für nicht bestätigt. So habe Adriana B. die Tat schon während ihrer Festnahme in der Wohnung, bei einer psychiatrischen Sachverständigen und auch bei ihrer eigenen Verteidigerin gestanden.

„Wir wissen nicht, welche Rolle diese mysteriösen Rumänen, bei denen die Angeklagte wohnte, gespielt haben“, sagte der Richter. Darum müssten sich die Behörden vielleicht noch einmal kümmern. Es sei jedoch „eine völlig unlogische Verhaltensweise“, ein Neugeborenes, das nicht in die geschäftlichen Pläne passt, einfach aus dem Fenster zu werfen. „Es war ja klar, dass es dort sehr schnell gefunden wird und auch schnell heraus kommt, wer die Mutter ist.“

Nachvollziehbar sei jedoch, dass es die Angeklagte selbst war. „Eine Frau, die gerade ein Kind geboren hat, die davon überrascht wurde, verzweifelt und nicht mehr Herrin ihrer Sinne war.“