Berliner Polizeipräsident

Schnelle Glietsch-Nachfolger vor dem Scheitern

Die Suche nach einem Nachfolger für Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch ist schwieriger als erwartet. Innensenator Ehrhart Körting wird die Ausschreibung aller Vorraussicht nach zurückziehen, um neue Kandidaten zu finden.

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Im Polizeipräsidium herrscht kurz vor dem Ausscheiden von Polizeipräsident Dieter Glietsch weiter Ungewissheit über dessen Nachfolger. Obwohl der Wunschkandidat von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) – der ehemalige Leiter des Bundesgrenzschutzpräsidiums Ost, Udo Hansen – bereits den Schwerbehinderten- und Frauenvertretungen des Personalrats vorgestellt wurde, gilt seine tatsächliche Ernennung als schwierig.

Immer mehr ranghohe Polizeiführer und Mitglieder des Abgeordnetenhauses gehen davon aus, dass Körting die Ausschreibung bei der kommenden Senatssitzung am 17. Mai zurückzieht, um neue Kandidaten zu finden, und Berlins Vizepolizeipräsidentin Margarete Koppers für diese Zeit die Verantwortung überträgt. Sie habe mittlerweile genügend Erfahrungen gesammelt, um diese Funktion auszufüllen, heißt es. Zudem habe sie gute Kontakte in andere Sicherheitsbehörden, die als loyale Berater zur Verfügung stünden.

Im Abgeordnetenhaus mehren sich die Einschätzungen, dass die notwendige Mehrheitsentscheidung zugunsten von Hansen nicht zustande kommen könnte. „Wenn die Koalition sich nicht einig wird, bleibt bloß die Aussetzung der Ausschreibung als seriöse Lösung für das Problem übrig“, so ein Insider. „Man könnte die Entscheidung vertagen und somit auch noch das Gesicht wahren mit der Begründung, keinen geeigneten Kandidaten gefunden zu haben.“

Nach Informationen von Morgenpost Online soll der bisherige Leiter der Direktion 1, Klaus Keese, nicht gewollt sein. Der erfahrene Beamte hatte sich beworben und lässt sich bereits anwaltlich beraten für den Fall, nicht ernannt zu werden. Er wolle alles dafür tun, Polizeipräsident zu werden. Ein weiterer Bewerber, ein Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, ist nach Einschätzung vieler Verantwortlicher der Sicherheitsbehörden ungeeignet für das Amt.

Der Bundespolizeichef für Berlin, Klaus Kandt, war gerüchteweise als Nachfolger ins Spiel gebracht worden, hatte aber versichert, niemals gefragt worden zu sein und sich schon gar nicht beworben zu haben, weil er das Amt nicht wolle.

Gegen Udo Hansen, der früher der Elite-Einheit GSG9 angehörte, sprechen der Meinung vieler ranghoher Beamter der Berliner Polizei verschiedene Punkte. Er habe sich aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand versetzen lassen. Dabei soll es um das Burn-Out-Syndrom gegangen sein. „Wie kann er sich jetzt sicher sein, dieser schwierigen Aufgabe gewachsen sein“, so ein Beamter. Ferner musste der 58-Jährige offenbar Saudi-Arabien verlassen und darf dort nicht mehr einreisen, weil er in der Öffentlichkeit Alkohol getrunken haben soll. Hansen hatte dort nach seiner aktiven Zeit als Sicherheitsberater für ein Rüstungsunternehmen gearbeitet. In die Schlagzeilen geriet er Ende der 90er-Jahre, als er als Chef des Bundesgrenzschutzes in Frankfurt am Main Unterkünfte für Asylbewerber mit Stacheldraht umzäunen ließ. 1999 wurde Hansen nach Berlin versetzt, als ein Flüchtling bei der Abschiebung durch den Bundesgrenzschutz starb.