Staatsschutz ermittelt

Gesamter Fuhrpark eines Busunternehmens beschädigt

Unbekannte haben mehr als 20 Busse eines Fuhrunternehmens in Johannisthal demoliert . Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehrere Zehntausen Euro. Möglich scheint ein politisches Motiv der Täter, denn das Unternehmen ist auch für die Bundeswehr tätig. Zerstört wurden allerdings nicht zuletzt Schulbusse - ob für die Zeit nach den Ferien Ersatz beschafft werden kann, ist bislang offen.

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Mehr als 20 Busse sind in der Nacht zu Dienstag in Johannisthal von innen und außen stark beschädigt worden. Der Busnternehmer geht von mehreren Zehntausend Euro Schaden aus.

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Sie kamen im Schutz der Nacht und wüteten wie die Berserker. Bislang unbekannte Täter haben in blinder Zerstörungswut den gesamten Fuhrpark des Bus-Unternehmens Dr. Richard Herrmann am Standort Johannisthal demoliert. An 23 Bussen wurden die Scheiben eingeschlagen, weitere Schäden richteten die Täter an drei auf dem Firmengelände abgestellten Pkw und einem Lkw sowie an dem Firmengebäude an. Ihr vermutetes Motiv: Das Unternehmen führt nicht nur Aufträge für die BVG und den Senat durch, sondern auch für die Bundeswehr.

Wann genau die Täter zuschlugen, ist derzeit noch unklar, Zeugen des Vorfalls konnten bislang noch nicht ausfindig gemacht werden. Bemerkt wurde das Ergebnis der blindwütigen Zerstörungsorgie am Dienstagmorgen gegen 5.15 Uhr, als der Fuhrparkleiter zur Arbeit auf dem etwas abgelegenen Firmengelände am Groß-Berliner-Damm erschienen und sofort die Polizei alarmierte. Dem 61-Jährigen bot sich ein erschreckendes Bild. An den 19 Linien- und vier Reisebussen war kaum noch eine heile Scheibe zu entdecken, der Stellplatz war übersäht von Glassplittern.

Schaden wird auf mehr als 50.000 Euro geschätzt

An einigen Bussen waren sogar alle Scheiben eingeschlagen. Dementsprechend sah es im Inneren der Busse aus. Dort lagen nicht nur Glassplitter. Die Täter, die durch die eingeschlagenen Fensterfronten an den Fahrer- und Beifahrertüren in das Innere der Busse eingedrungen waren, hatten versucht, alles zu zerstören, was ihnen zwischen die Finger geriet. Sie wüteten mit aus den Verankerungen gerissenen Feuerlöschern und Notfallhämmern weiter und demolierten auch Sitzbänke und die Ablageflächen für Gepäck.

Auf mehr als 50.000 Euro schätzte Christian Herrmann, Junior-Chef der Firma, am Dienstag nach einer ersten Bestandsaufnahme den Schaden. Der könnte sich allerdings noch erhöhen, das ganze Ausmaß soll die Untersuchung von Experten der Versicherung aufzeigen. „Viele unserer Busse fahren im Schulverkehr. Wie wir die jetzt bis zum Schulbeginn am 4. Januar 2010 wieder instand setzen können, ist mir derzeit noch ein Rätsel“, sagte der sichtlich geschockte Firmenchef.

Was die Attacke und ein möglicher Ausfall der Fahrzeuge letztendlich für das Unternehmen bedeuten werden, ist derzeit noch nicht abzusehen. Gleiches gilt für ein weiteres Geschäft der Firma: Einige Fahrzeuge sollten in den kommenden Tagen nach Estland und Russland verkauft werden.

Polizei und Staatsschutz sicherten Spuren

Ein Bekennerschreiben zu dem Anschlag liegt nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Neuendorf bislang noch nicht vor. Dennoch geht das Landeskriminalamt von einer politisch motivierten Tat aus, der Staatsschutz ermittelt. Nach seinen Erkenntnissen steht die Firmengruppe Dr. Richard Herrmann auf einer Liste von Firmen, die in der linksradikalen Szene kursiert. Alle diese Betriebe arbeiten mit der Bundeswehr zusammen. Für die Täter war das möglicherweise bereits ein hinreichender Grund für den kaum fassbaren Hassausbruch.

Die Ermittlungen des Staatsschutzes und die Untersuchungen der technischen Sachverständigen laufen auf Hochtouren. Den ganzen Dienstagvormittag über waren Beamte des Landeskriminalamtes auf dem Gelände mit der Sicherung von Spuren beschäftigt. Die verwendeten Feuerlöscher wurden beschlagnahmt und einer kriminaltechnischen Untersuchung unterzogen. Erst danach konnten die Mitarbeiter des Unternehmens mit den Aufräumarbeiten beginnen.

Ein weiterer Anschlag wurde auf Jobcenter verübt

Noch am Vormittag hat das Fuhrunternehmen eine Autoglaserei beauftragt, um die die Schäden an den Bussen zu beheben. Die Firmeneigner hoffen, auf diese Weise ihre zahlreichen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber öffentlichen und privaten Auftraggebern trotz des entstandenen immensen Schadens erfüllen zu können.

Einzig ein Fahrzeug auf dem Gelände blieb unbeschädigt, registrierte Christian Herrmann, auch wenn ihm dies nach eigenen Angaben bei aller Freude nur ein schwacher Trost sei „Erstaunlich, dass die Täter es offensichtlich nicht geschafft haben, an meinem Oldtimerbus die Scheiben einzuschlagen“, sagte der Junior-Chef des seit mehr als 18 Jahren bestehenden Unternehmens.

Als Reaktion auf den Anschlag und vor dem Hintergrund der anhaltenden Brandanschläge auf Autos warf der innenpolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Robbin Juhnke, der Regierungskoalition aus SPD und Linken Tatenlosigkeit vor und fordert einen Runden Tisch mit Experten von Polizei, Brand- und Staatsschutz und Extremismusforschern.

Ebenfalls in der Nacht zu Dienstag schlugen offenbar politisch motivierte Gewalttäter in Lichtenberg zu. Gegen 4 Uhr früh verübten sie einen Brandanschlag auf das Gebäude des Jobcenters an der Gotlindestraße. Durch einen gegen den Eingangsbereich geschleuderten Brandsatz geriet unter anderem die Drehtür in Brand. Passanten entdeckten die Flammen; sie konnten durch die Feuerwehr schnell gelöscht werden. Menschen seien nicht in Gefahr gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Auch in diesem Fall hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.