Brandstiftung in Berlin

Eine ganz normale Nacht mit der Feuerwehr

Autos, Kinderwagen, Abfall-Container, Sperrmüll – alle diese Gegenstände haben eines gemeinsam: Sie fangen schnell Feuer, die durch skrupellose Brandstifter gelegt werden. Es vergeht kaum noch eine Nacht in Berlin, in der die Täter nicht zuschlagen.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

Ganze Brandserien innerhalb weniger Stunden werden in Berlin immer mehr zur Normalität – so empfindet es zumindest die Bevölkerung. Morgenpost Online dokumentiert diese Entwicklung am Beispiel der Ereignisse der Nacht von Dienstag auf Mittwoch.

Prenzlauer Berg, 22.40 Uhr: Ein Mieter eines Wohnhauses an der Prenzlauer Allee entdeckt bei einem zufälligen Blick aus dem Fenster ein Feuer im Innenhof des Gebäudes. Der oder die Täter hatten es auf ein im Hof abgestelltes und mit einer Plane bedecktes Fahrrad abgesehen. Die alarmierte Feuerwehr löscht, das Rad ist trotzdem reif für den Schrott.

Prenzlauer Berg, 22.55 Uhr: Während sich die Feuerwehr noch um das brennende Fahrrad kümmert, kommt aus dem Nachbarhaus der nächste Alarmruf. Dort brennt im Treppenhaus ein achtlos abgestellter Pappkarton. Da die Feuerwehr quasi schon vor Ort ist, kann sie den Brand schnell löschen, bevor größerer Schaden entsteht.

Prenzlauer Berg, 23.15 Uhr: Einige Löschkräfte sind auf dem Rückweg von der Prenzlauer Allee, als der nächste Einsatzbefehl kommt. Im Flur eines Mehrfamilienhauses an der Wichertstraße steht ein Stromverteilerkasten in Flammen. Auch er kann schnell gelöscht werden, aber die Stromversorgung des Hauses bricht zusammen. Auch in diesem Fall stellt das bald nach der Feuerwehr eintreffende Brandkommissariat fest, dass es Brandstiftung war.

Charlottenburg, 23.50 Uhr: Anwohner der Niebuhrstraße bemerken einen in Flammen stehenden Mercedes und alarmieren Polizei und Feuerwehr. Der Brand kann schnell gelöscht werden, an dem am Straßenrand geparkten Personenwagen entsteht dennoch Totalschaden. Auch hier ermittelt die Polizei schnell Brandstiftung als Ursache.Neukölln, 23.55 Uhr: Auch auf der Wutzkyallee setzen Unbekannte einen geparkten Renault in Brand. Die von Anwohnern alarmierte Feuerwehr löscht, kann jedoch nicht verhindern, dass das Auto schwer beschädigt wird.

Prenzlauer Berg, 23.55 Uhr: In dem Szenekiez müssen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr feststellen, dass die kurz nach 22 Uhr begonnene Brandserie noch nicht beendet ist. Auf der Kuglerstraße wird ein auf dem Gehweg geparkter Motorroller von Unbekannten angezündet, die Flammen zerstören ihn.

Prenzlauer Berg, 0.15 Uhr: Im Hausflur eines Wohnhauses an der Prenzlauer Allee wird ein dort abgestellter Kinderwagen angezündet. Die Beamten des Brandkommissariats haben inzwischen den starken Verdacht, dass für die seit zwei Stunden anhaltende Brandserie in Prenzlauer Berg ein Täter oder eine Tätergruppe verantwortlich ist. Am Mittwochvormittag wird die Polizei ihre Meldungen über die Brände dennoch zurückhaltend formulieren, ein möglicher Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten werde derzeit geprüft, heißt es.Prenzlauer Berg, 0.30 Uhr: Der Verdacht auf eine Serie erhärtet sich, als auch an der Prenzlauer Allee ein abgestellter Motorroller in Flammen steht. Die Brände werden zum Katz-und-Maus-Spiel. Während Polizei und Feuerwehr noch an einem Tatort im Einsatz sind, bricht in unmittelbarer Nähe das nächste Feuer aus. Die sofortige Suche im Umfeld der Brandorte bleibt jedoch erfolglos, von dem oder den Tätern fehlt jede Spur.

Schöneberg, 0.45 Uhr: Die Feuerwehr wird in die Prinz-Georg-Straße gerufen, erneut steht ein Pkw, wieder ein Mercedes, in Flammen. Es ist der dritte Brandanschlag auf ein Auto in dieser Nacht. Am Mittwochvormittag wird ein Staatsschutzkommissariat des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernehmen, denn ein politischer Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden.

Prenzlauer Berg, 1.30 Uhr: Nach einem halben Dutzend Bränden innerhalb von etwas mehr als zwei Stunden im Bereich der Prenzlauer Allee hat die Polizei ihre Streifentätigkeit in dem Gebiet verstärkt. Doch der oder die Brandstifter lassen sich nicht mehr blicken, seit einer Stunde herrscht Ruhe.

Wedding, 4.00 Uhr: Ein Brand im Hausflur eines Mietshauses an der Antonstraße verläuft weit weniger glimpflich als die bisherigen Brände in dieser Nacht. Vier Bewohner müssen mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden, die Feuerwehr löscht. Die Brandursache ist schnell ermittelt, der oder die Täter hatten im Flur abgestellten Hausrat angezündet.

Prenzlauer Berg, 5.20 Uhr: Die Ruhe in Prenzlauer Berg hält immerhin bis in die Morgenstunden an, dann schlägt wieder ein Brandstifter zu. Und wieder wird es ihm leicht gemacht. In einem Mehrfamilienhaus an der Kollwitzstraße zündet er zwei im Treppenhaus abgestellte Kinderwagen an, die beide ausbrennen. Das gesamte Treppenhaus wird stark verrußt, zwei weitere Kinderwagen, auf die die Flammen übergreifen, werden stark beschädigt.

Am Mittwochmorgen zieht die Polizei Bilanz. Elf neue Fälle von Brandstiftungen, in drei Fällen ermittelt der Staatsschutz, in acht ein Brandkommissariat. Hinzu kommt noch etwa ein Dutzend kleinerer Zündeleien. Für die Ermittler ist es eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Spuren werden an den Tatorten gesichert, Anwohner befragt. Aber in den meisten Fällen hat niemand verdächtige Personen bemerkt. „Es ist schwierig, einen Täter zu fassen, der an jedem beliebigen Ort in der Stadt plötzlich zuschlagen und in der Dunkelheit wieder verschwinden kann“, sagt ein Ermittler. Zum Glück gebe es eine derartige Häufung eher selten, der Verlauf der Nacht sei „nicht normal, aber fast“. Die Feuerwehr spricht von einem „erhöhten Aufkommen“ in dieser Nacht. Aber ein Problem stelle das nicht dar, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Wenn allerdings in so einer Situation noch ein oder zwei größere Einsätze hinzukämen, könne es „eng werden“, so der Sprecher.