Blitzeis bringt Berlin in Rutschen

Plötzlich einsetzende Glätte hat am Dienstag in Berlin zu erheblichen Beeinträchtigungen des Verkehrs geführt. Wegen des Blitzeises kam es zu zahlreichen Unfällen. Der Flughafen Tegel musste für rund eine Stunde gesperrt werden. Flüge wurden abgesagt oder umgeleitet.

Blitzeis hat die Hauptstadt am Dienstagmittag ins Rutschen gebracht. Ganz aus dem Takt geriet Berlin nicht. Es gab jedoch deutlich mehr Verkehrsunfälle. In den Rettungsstellen der Krankenhäuser behandelten Ärzte mehr Menschen mit Sturzverletzungen und Knochenbrüchen.

Grund für die plötzliche Glätte war eine Regenfront, die am Mittag von West nach Ost über die Hauptstadt hinweg zog. Auf dem gefrorenen Boden verwandelten sich die Regentropfen sofort in Eis. Bei Temperaturen um die drei Grad taute es an vielen Stellen bis zum Nachmittag wieder weg.

Vom der Glätte überrascht wurden vor allem Fußgänger, die innerhalb weniger Minuten auf völlig vereisten Bürgersteigen Halt finden mussten. Der Weg zum Ziel wurde für viele zum Balanceakt, so mancher fiel dabei. „Die Zahl der Patienten mit Sturzverletzungen bis hin zu Knochenbrüchen hat deutlich zugenommen“, sagte Christian Träder, Chefarzt am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum (Schöneberg). Für die Wetterlage sei das normal - ähnlich wie in den Vorjahren. Bis 15 Uhr wurden in der Rettungsstelle des AVK 18 Patienten mit Sturzverletzungen versorgt, davon zehn mit Knochenbrüchen. An normalen Tagen kommen in dieser Rettungsstelle nur bis zu zwei Patienten mit Frakturen an. In den DRK-Kliniken Berlin in Köpenick hatten die Mediziner bereits in den Mittagsstunden alle Hände voll zu tun. Innerhalb von zwei Stunden wurden sechs Verletzte gebracht, die auf Eis ausgerutscht waren und sich Arme oder Beine gebrochen hatten, sagt Kliniksprecherin Angela Kijewski.

Besser vom Fleck kamen Autos. Große Staus blieben aus, doch allein zwischen 12 und 14 Uhr krachte es 69 Mal bei Verkehrsunfällen, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Feuerwehr rief vorsichtshalber den Ausnahmezustand aus und stellte mehr Rettungswagen bereit. Bis zum Nachmittag zählte sie aber nicht mehr Einsätze als sonst. Nur ihre Fahrzeuge kamen langsamer voran.

In der Bornholmer Straße praltte ein Taxi gegen eine Tram. Zudem habe es zwei Unfälle mit Streufahrzeugen gegeben. Alle Unfälle seien aber recht glimpflich verlaufen. Personen seien dabei leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher.

Flughafen Tegel gesperrt

Kurzzeitig schloss gegen 11.30 Uhr auch der Flughafen Tegel wegen Regens für rund eine Stunde, weil Start- und Landebahnen vereisten. Andere Flüge hatten Verspätungen oder fielen ganz aus, weil sie an den großen Luft-Drehkreuzen bei Schnee und Frost nicht starten konnten. 13 ankommende Flüge seien über die Mittagszeit zum Flughafen Schönefeld umgeleitet worden, sagte Sprecher Leif Erichsen. Dort war die Regenfront schwächer ausgefallen. Auch Starts hätten in Tegel nicht stattfinden können. Mit Verzögerungen müsse weiterhin gerechnet werden.

Bereits vor der Schließung war es in Berlin zu Störungen des Flugverkehrs gekommen. „Wir merken die Auswirkungen natürlich sehr“, sagte ein Sprecher. Rund 30 Flugzeuge hätten am Morgen in Tegel und Schönefeld wegen der Schneefälle Verspätung gehabt. Zwölf Abflüge mussten laut Flugplan bis zum Mittag gestrichen werden, darunter die Verbindungen nach Frankfurt am Main und London. Wegen der derzeitigen Großwetterlage seien die Flughäfen von Amsterdam, London und Paris zeitweilig immer wieder gesperrt worden, sagte Erichsen. Dadurch kam es auch in Berlin zu Verspätungen und Streichungen. Im Vergleich zu anderen Flughäfen sei Berlin nach Ansicht des Sprechers bisher aber "mit einem blauen Auge davon gekommen".

Verspätungen bei der Bahn

Die Bahn meldete nach dem Blitzeis leichte Verspätungen und kleinere Störungen im Regional- und Fernverkehr. „Im Vergleich zu den vergangenen Tagen lief es aber besser“, sagte ein Sprecher. Die S-Bahn hatte ihr Angebot wegen Schnee, Eis und anhaltenden Sicherheitsüberprüfungen ohnehin schon eingeschränkt. Im Busverkehr gab es nach Angaben der BVG lediglich in den Randbezirken Berlins Probleme wegen der Glätte. Die Linie 218 Richtung Pfaueninsel sei eingestellt worden, sagte eine Sprecherin. Der Verkehr auf der U-Bahnlinie 2 sei am Mittag wegen einer zugefrorenen Stromschiene für eine Stunde zwischen Olympiastadion und Ruhleben unterbrochen worden. Ansonsten sei es lediglich zu kleineren Verspätungen gekommen.

Die Berliner Stadtreinigung ist wegen des Wetters im Großeinsatz. Sie hat ihre gesamte Flotte von etwa 450 Räum- und Streufahrzeugen eingesetzt. Vorrangig seien die großen Verkehrsadern befahren worden, auf denen BVG-Busse unterwegs sind, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. Stellenweise wurde Feuchtsalz gestreut. Außerdem muss sich das Unternehmen um etwa 18000 Fußgängerüberwege und Straßenkreuzungen kümmern. „Dort streuen wir Split bei Glättegefahr.“ Für die Schneeräumung und Sicherheit auf den Gehwegen seien die jeweiligen Grundstückseigentümer zuständig, sagt der Sprecher.

Die BSR wird von Meteorologen täglich zwei Mal über aktuelle Wettervoraussagen informiert. Für heute rechnet das Unternehmen erneut mit anhaltendem Schneefall und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. „Voraussichtlich werden unsere Fahrzeuge ab drei Uhr unterwegs sein.“ Etwa 2000 Mitarbeiter kann die BSR im Winterdienst einsetzen.