Tauwetter

Feuerwehr wegen Dachlawinen im Dauereinsatz

Vorsicht Schnee! Die Berliner sollten im Moment jederzeit damit rechnen, dass sich Schneebretter oder Eiszapfen von den Dächern lösen und herunterstürzen. Am Dienstag gab es gleich mehrere Fälle, betroffen war unter anderem der Berliner Hauptbahnhof. Und es gibt bereits mehrere Verletzte.

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Die Berliner sollten im Moment jederzeit damit rechnen, dass sich Schneebretter oder Eiszapfen von den Dächern lösen und herunterstürzen. Die Feuerwehr ist ständig im Einsatz.

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Das anhaltende Tauwetter nach wochenlangen Minusgraden hat am Dienstag die Berliner Feuerwehr in Atem gehalten. Vor allem Schneelasten auf schrägen Dächern und zum Teil meterlange Eiszapfen an den Rinnen sorgten für Einsätze rund um die Uhr. Die Folge: Um 11.17 Uhr rief der Lagedienst der Feuerwehr in Absprache mit Landesbranddirektor Wilfried Gräfling den Ausnahmezustand aus.

Die 520 Mitglieder der Berufsfeuerwehr, die am Dienstag tagsüber im Einsatz waren, mussten durch Kräfte aus fünf freiwilligen Feuerwehren verstärkt werden. Bis 19 Uhr waren sie bereits 400 Mal zu witterungsbedingten Einsätzen ausgerückt. Drei Personen wurden verletzt. Am Vortag gab es insgesamt 322 derartige Einsätze und eine verletzte Person.

Am Abend musste sogar die Stadtautobahn ab Halensee (Charlottenburg) in Richtung Nord gesperrt worden. Von einem Gebäude nahe der Autobahn hatten sich großflächige Eis- und Schneeflächen gelöst und ein Auto beschädigt. Um die Gefahr zu beseitigen, musste auf dem Stadtring in Fahrtrichtung Nord ein sogenanntes Teleskopfahrzeug in Stellung gebracht werden.

Bereits am Vormittag musste die Feuerwehr fast im Minutentakt ausrücken. Um 11.44 Uhr wurde sie etwa in die Ritterstraße in Kreuzberg gerufen. Ein Schneebrett war aus 15 Metern Höhe auf den Gehweg gestürzt. Durch die Wucht wurde eine Passantin verletzt. Die Frau wurde zunächst am Unfallort erstversorgt, musste aber dann zu Behandlung ins Urban-Krankenhaus gefahren werden. Lebensgefahr bestand nicht. Da die Einsatzkräfte das überstehende Schneebrett mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten nicht entfernen konnten, wurde schließlich gegen 14.30Uhr die Höhenrettung angefordert. Gegen 16 Uhr war die Gefahrenstelle beseitigt.

Dachlawinen am Hauptbahnhof

Um 12.06 Uhr herrschte Alarm am Hauptbahnhof. Auf dem Runddach am Europaplatz waren Schneelasten und Eisbrocken ins Rutschen geraten. Um die Passanten zu schützen, musste der nördliche Platz gesperrt werden. Auch die Ein- und Ausfahrten in den Tiergartentunnel waren nach Angaben der Polizei für etwa vier Stunden geschlossen. Um sich zunächst ein Bild zu machen, war die Feuerwehr nur mit zwei Löschzügen samt Leiterwagen angerückt. Die Ausmaße des Daches erforderten schließlich den Einsatz eines 50 Meter lange Teleskopmastes. Nur so war es den Kräften bis zum Abend möglich, mit Schaufeln die Schneemassen vom Glasdach zu schieben. Während der Räumarbeiten war auch die Zufahrt für die Taxen gesperrt.

Wie gefährlich das Tauwetter ist, zeigte sich um auch um 13.08 Uhr am Nauener Platz in Wedding. Ein abgestürzter Eiszapfen traf eine Frau am Kopf. Sie musste mit einer Platzwunde in eine Klinik gebracht werden. An derselben Stelle erwischte es nur wenige Minuten später einen zweiten Passanten. Der Mann wurde von herabgestürzten gefrorenen Schneestücken getroffen und musste ambulant behandelt werden.

Grundsätzliche Räumungspflicht

„Für den Hauseigentümer besteht bei Eiszapfen oder Schneebrettern auf dem Dach grundsätzlich eine Räumungspflicht“, sagt Jens-Peter Wilke, Sprecher der Berliner Feuerwehr. Diese ergebe sich aus der so genannten Verkehrssicherungspflicht und der Bauordnung. Denn der Eigentümer hat dafür Sorge zu tragen, Gefahrenquelle an seinem Haus zu beseitigen. Kommt es zu Unfällen, können die Betroffenen Schadenersatzansprüche beim Eigentümer geltend machen.

„Einsätze der Feuerwehr zur Beseitigung von Schneebrettern oder Eiszapfen sind in der Regel kostenpflichtig und müssen vom Hauseigentümer beglichen werden“, sagt der Sprecher der Feuerwehr. Der Eigentümer hat aber die Möglichkeit durch eine entsprechende Regelung im Mietvertrag die Räumpflicht auf den Mieter zu übertragen. Wer dazu verpflichtet ist, muss Räumen. Entschuldigungen wie Krankheit, Alter oder Urlaub würden dabei nicht anerkannt. Etwa ab einem halben Meter Länge eines Eiszapfens geht die Feuerwehr von einer Gefahrenquelle aus. Grundsätzlich sei es dann auch richtig die Einsatzkräfte zu alarmieren, betonte der Sprecher. Allerdings sei der Wille zur Selbsthilfe bei vielen Menschen nicht mehr besonders ausgeprägt.

„Es war bis vor ein paar Jahren immer der letzte Weg die Feuerwehr zu rufen – heute ist es oft der erste“, sagt Wilke. Wo es gefahrlos möglich ist, sollten die Betroffenen versuchen, Gefahrenquellen wie Eiszapfen oder Schneebretter selbst zu beseitigen. Wenn dies nicht möglich sei, sollte in jedem Fall die Feuerwehr alarmiert werden und der Gefahrenbereich bis zum Eintreffen so gut wie möglich gesichert werden.

Ein großes Problem für die Feuerwehrkräfte sind zudem die nicht von Eis und Schnee befreiten Hydranten. Bei fast allen Einsätzen zur Brandbekämpfung führt dies zu gefährliche Verzögerungen. Mieter könnten dafür sorgen, dass die Hydranten frei gelegt sind. Bereits in den Sommermonaten sollten Hauseigentümer zudem darauf achten, dass die so genannten Schneefänge, dass sind die Gitter auf den Dachflächen, in einwandfreiem Zustand sind.

Nächste Kältewelle kommt

Nach Angaben des Meteorologen Frank Abel von der MeteoGroup wird sich an dem seit zwei Wochen anhaltenden grauen Wetter ohne Sonnenschein vorerst wenig ändern. Der Regen geht dann in den nächsten Tagen langsam in Schnee über. Da aber eine Ostfront eisige Russlandkälte nach Berlin bringt, dürften die Niederschläge aufhören. Stattdessen ist es spätestens am Wochenende wieder bitter kalt. Die Höchsttemperatur dürfte tagsüber minus acht Grad nicht mehr übersteigen. Nachts werden Werte zwischen minus 15 und minus 20 Grad erwartet.

„Ein Gutes hat das aber“, sagt Meteorologe Abel: „Dann steigen wieder die Aussichten auf Sonnenschein.“ Der Winter aber werde uns aber auch im Februar erhalten bleiben. Abel vergleicht die Situation bereits mit dem Winter 2005/2006. Damals blieb der Schnee, der am zweiten Weihnachtsfeiertag fiel, als Eisfläche noch bis zum März/April liegen.