Glatte Gehwege

Bezirke fordern Bürger zum Schneeräumen auf

Seit Wochen liegt auf Berlins Straßen reichlich Schnee, wegräumen mag ihn aber kaum jemand. Weil das für Passanten sehr gefährlich ist, fordern mehrere Bezirke, dass sich die Bürger an die Räumpflicht halten. Doch damit wären die Probleme nicht gelöst, denn wegen des Tauwetters stellen vor allem Dachlawinen und herunterfallende Eiszapfen eine zusätzliche Gefahr dar.

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Frauen zerren Kinderwagen durch den Matsch, Autoräder drehen durch, Fußgänger stürzen – auf Berlins Straßen liegt immer noch reichlich Schnee. Auf dem Lagerplatz an der Friedrichwerderschen Kirche in Mitte türmt er sich mittlerweile haushoch. Das Räumen der Straßen und Gehwege gestaltet sich schwierig, die Pflicht privater Hauseigentümer, vor der eigenen Tür zu kehren, ist Streitthema. In einem ungewöhnlichen Aufruf wandte sich nun der Bezirk Mitte an seine Bewohner. „Mich erstaunt, mit wie wenig Ehrgeiz viele Anlieger dieser Pflicht zeitnah nachkommen“, sagte Stadtrat Ephraim Gothe (SPD). Er vergab die „Note ‚mangelhaft’ für viele Grundstückseigentümer und Hausbesitzer.“

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Montag wegen des leichten Tauwetters vor glatten Straßen gewarnt. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) ist deshalb weiter mit 2000 Mitarbeitern und 450 Fahrzeugen rund um die Uhr im Einsatz. Insgesamt 10.500 Kilometer Straßen müssen von Schnee und Eis befreit werden, dazu kämpft die BSR auf 6000 Kilometern Wohn- und Nebenstraßen mit Schneepflug, Schaufeln und Splitt gegen die Glätte. „Gerade wegen der Temperaturschwankungen ist diese Arbeit unserer Mitarbeiter weiter enorm wichtig“, so BSR-Sprecher Bernd Müller.

Die Feuerwehr rückte bis Monatgabend 300 Mal zu wetterbedingten Einsätzen aus. Vor allem gefrorene Schneemassen und Eiszapfen mussten von Dächern entfernt werden, da diese herunterzufallen drohten. An der Charlottenburger Riehlstraße wurde eine Frau von einer Dachlawine getroffen und leicht am Kopf verletzt. Die Feuerwehr appelliert ebenfalls an Hauseigentümer. Deren Räumpflicht beziehe sich auch auf vor dem Haus stehende Hydranten. „Diese müssen freigelegt werden, um im Notfall sofort funktionstüchtig zu sein.“

Einige Bezirke kritisieren wieder die privaten Räumfirmen, die von manchen Hauseigentümern eingesetzt werden. Die Unternehmen hätten sich mit ihren Aufträgen übernommen und kämen nun mit den Arbeiten nicht nach. Ein Treffen im Landesverwaltungsamt, bei dem die Probleme gestern besprochen werden sollten, wurde nach Angaben der Senatsinnenverwaltung auf unbestimmte Zeit verschoben.

„Wenn nun der Schnee antaut und wieder friert, wird es viel schwerer, den Schnee zu beseitigen“, warnte Mittes Stadtrat Gothe. Drastischer hatte kürzlich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Bürger an die Schneeschaufeln zwingen wollen: Er drohte mit Geldbußen von bis zu 10.000 Euro, wenn Anlieger ihren Winterpflichten nicht nachkommen. Schnee und Glätte auf Bürgersteigen seien auf einem Meter Breite zu bekämpfen, nächtlicher Neuschnee müsse werktags bis 7 Uhr morgens geräumt sein. Der Berliner Verband Gewerblicher Schneeräumbetriebe verwahrte sich gegen die Kritik: „Bekämpfung im Sinne des Gesetzes stellt nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung das Abstreuen glätterelevanter Erscheinungen dar. In keiner Weise ist nach dem Gesetz eine Schnee- und Eisbeseitigung vorgeschrieben“, hieß es in einem Schreiben.