Prozessauftakt

Mutmaßliche U-Bahn-Schläger schweigen

Eine Serie von Schläger-Attacken in der Berliner U-Bahn beschäftigt derzeit die Polizei. Bereits vor sieben Monaten kam es zu einem brutalen Angriff in der U-Bahnlinie 6. Nun stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Foto: dapd

In der Nacht zum 18. September 2010 wurde ein 20-jähriger Mann in der U-Bahnlinie 6 in Berlin-Tempelhof durch einen heftigen Tritt bewusstlos geschlagen und musste ins Krankenhaus. Sein 19-jähriger Bruder wurde durch einen Messerstich an der Hand verletzt. Am Freitag ist vor dem Berliner Landgericht der Prozess gegen fünf Freunde im Alter von 18 bis 26 Jahren eröffnet worden, die an dem Überfall beteiligt gewesen sein sollen. Die mutmaßlichen Haupttäter schweigen. Ein 18-Jähriger bestreitet, ein 19-Jähriger räumte einen Schlag ein. Er sei provoziert worden, behauptete dieser Angeklagte.

Laut Anklage hatten die fünf Freunde einen Raubzug geplant. Die Täter schlugen und traten auf mehrere Fahrgäste ein. Die Opfer erlitten Gehirnerschütterungen, Prellungen, einen Nasenbeinbruch und Blutergüsse. Die Schnittwunde in der Hand des 19-jährigen musste genäht werden. Dessen Aussage nach stieg die Gruppe ein, einer der Angeklagten habe sein Handy verlangt. Als er sich weigerte, so der Zeuge, habe einer der Angeklagten zugestochen. Er sei geschlagen worden. Der Berliner war mit seinem Bruder und zwei Freunden nach einer Geburtstagsparty auf dem Weg nach Hause.

Der 19-jährige Angeklagte hatte indessen behauptet, die Gruppe der anderen habe sich sehr laut gestritten und gepöbelt. Er selber sei grundlos beleidigt worden. Die Männer hätten sich vor ihm in Kampfstellung aufgebaut. Das habe ihn gereizt, und als Reaktion habe er einmal mit der Faust zugeschlagen. Von dem Messerangriff und den anderen Schlägen habe er nichts mitbekommen.

Entsetzen hatte ein Gewaltexzess eines 18-jährigen Schülers ausgelöst, der in der Nacht zum Ostersamstag einen Mann auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße bewusstlos geschlagen hatte. Der geständige Gymnasiast soll aus Streitlust auf den 29-Jährigen eingetreten haben, als dieser bereits hilflos am Boden lag. Erst im Februar hatten Jugendliche einen 30-jährige auf dem U-Bahnhof Lichtenberg schwer verletzt, der danach wochenlang im Koma lag.

Als Konsequenz für die Überfälle im öffentlichen Nahverkehr hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Krings höhere Strafen und einen „Warnschuss-Arrest“ gefordert. Der Grünen-Politiker Christian Ströbele setzt hingegen auf mehr Personal an den Bahnhöfen. Die Polizei-Gewerkschaft GdP fordert mehr Polizeipräsenz in Großstädten.