U-Bahnhof Friedrichstraße

Berliner Schläger will sich entschuldigen

Der 18-jährige Torben P., der am U-Bahnhof Friedrichstraße brutal auf einen jungen Mann eingeschlagen hat, zeigt Reue. Das sagt sein Vater und kündigt eine Entschuldigung an.

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So, 24.04.2011, 16.32 Uhr

Mann in U-Bahnhof bewusstlos geprügelt

Video: Reuters
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Nach der Haftverschonung für einen Berliner U-Bahn-Schläger hält die Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern an. Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, bezeichnete die Haftverschonung für einen 18 Jahre alten Tatverdächtigen als "ein falsches Signal nach außen".

Der Vater des Hauptverdächtigen Torben P. sagte der "Bild"-Zeitung: "Niemand hätte gedacht, "dass unser Sohn zu so etwas fähig ist." Dieser bereue zutiefst, was er gemacht habe. Er wolle sich unbedingt bei dem Opfer persönlich entschuldigen. Es tue ihm "wahnsinnig leid".

Torben P. stammt aus guten Familienverhältnissen und soll früher ein ehrgeiziger Ruderer gewesen sein. Später sei er eingeknickt, habe mehrfach die Schule wechseln müssen und den Sport aufgegeben. Auch soll er angefangen haben, Drogen zu nehmen, erzählen Freunde.

Nach Einschätzung der Sozialpädagogin Rebecca Friedmann wird niemand werde von heute auf morgen zum Gewalttäter. Es gebe immer erhebliche biografische oder psychosoziale Belastungen im Hintergrund, sagte sie sagte dem "Tagesspiegel". In den meisten Fällen liege die Ursache von Gewalt in der frühesten Kindheit. Alkohol enthemme, aber das eigentliche Handlungsmotiv habe damit nichts zu tun.

Als Motiv hatte der angehende Abiturient angegeben, "in einer aggressiven Stimmung gewesen zu sein und nach Streit gesucht zu haben". Auch sei er betrunken gewesen.

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch warnte vor voreiligen Schlüssen. Die erschreckende Brutalität eines jungen Mannes aus "geordneten Verhältnissen" mache deutlich, dass die Ursachen solcher Gewaltausbrüche vielfältig seien. Wann, wo und aus welch nichtigem Anlass solche Taten begangen würden, sei von Zufällen abhängig.

Den Opfern von Gewalttaten sei keineswegs damit am besten gedient, dass der Täter "sofort hinter Gittern verschwindet", gab der Polizeichef zu bedenken. Den Opfern helfe es vielmehr, wenn der Täter durch "dem Einzelfall gerecht werdende Reaktion" von der Fortsetzung einer kriminellen Karriere abgehalten werde.

Pfeiffer sagte im ARD-"Morgenmagazin", "ich kann nicht nachvollziehen, dass der junge Mann heute wieder ganz normal in die Schule geht, als ob nichts wäre". Es wirke so, als ob der Staat schwach sei. Mit dem Vorwurf des versuchten Totschlags wäre Pfeiffer zufolge eine Fluchtgefahr problemlos zu begründen gewesen.

Zugleich bekräftigte der Kriminologe seine Ablehnung eines sogenannten Warnschuss-Arrests. Wer Abschreckung wolle, brauche eine starke Polizei, sagte er. Eine solche habe die Stadt Berlin "leider nicht". Die Aufklärungsquote bei Gewalttaten liege dort bei nur 60 Prozent.

Nach dem Überfall auf den 29-jährigen Markus P. auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße hatten sich am Osterwochenende beide Tatverdächtige gestellt und die Tat gestanden. Gegen den 18-jährigen mutmaßlichen Haupttäter erging Haftbefehl, er kam aber unter Auflagen auf freien Fuß. Gegen ihn wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Er soll das Opfer verprügelt und bis zur Bewusstlosigkeit getreten haben.

Gegen seinen gleichaltrigen mutmaßlichen Komplizen wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Das Opfer konnte das Krankenhaus mittlerweile wieder verlassen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft will den mutmaßlichen Schläger schnell vor Gericht bringen. Die Anklage wegen versuchten Totschlags gegen den 18-jährigen Schüler solle in zwei bis drei Wochen fertig sein, sagte Staatsanwaltssprecher Holger Freund.

Zu Kritik, dass nicht wegen versuchten Mordes ermittelt wird, sagte der Sprecher: "Die Staatsanwaltschaft bewertet eine Straftat nicht nach Gefühl oder öffentlicher Meinung, sondern nach der Rechtsprechung." Bislang liege kein Merkmal für versuchten Mord vor. Dies werde aber weiter geprüft. Angeklagt werden soll auch ein zweiter Jugendlicher wegen gefährlicher Körperverletzung. Dem ebenfalls 18-Jährigen wird vorgeworfen, einen Mann, der dem am Boden liegenden Opfer helfen wollte, angegriffen zu haben.

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