Badehose

Berliner Freibäder eröffnen die Saison

So richtig Lust zum Schwimmen will bei dem derzeitigen Wetter noch nicht aufkommen. Dennoch starten nach und nach die Berliner Sommerbäder in die neue Saison – und mit ihnen ein neues Präventionsprojekt gegen Gewalt.

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Mit nur drei Sommerbädern – dem Prinzenbad in Kreuzberg, dem am Ankogelweg in Mariendorf (beide geöffnet ab Sonnabend) und dem vom Kombibad Spandau-Süd (ab Sonntag) – starten die Berliner Bäder Betriebe am kommenden Wochenende in die Freiluftsaison. Dafür bleiben aber Hallenbäder länger geöffnet. Statt wie in den Vorjahren Anfang Mai die erste Hälfte der Außenbäder zu öffnen und Mitte Mai den Rest, werden sie jetzt – je nach Witterung – spätestens bis zum 11. Juni an den Start gehen. „Wenn Mitte Mai der Sommer ausbrechen sollte, können wir mehr öffnen, wir können witterungsbedingt steuern“, sagte Klaus Lipinsky, Vorstand der Berliner Bäder-Betriebe (BBB). Lediglich eine Woche dauere es, ein Bad fertig zu machen, wenn sich noch kein Wasser in den Becken befindet.

180 Bäder-Fachangestellte

Lipinsky glaubt, mit diesem Modell besser zu fahren. Das vergangene Jahr habe gezeigt, dass es den Kunden gut gefallen habe, wenn Hallenbäder länger öffnen – vor allem, wenn das Wetter nur die Abgehärteten nach draußen lockt. Da das Personal mit 180 Fachkräften begrenzt ist, will Lipinsky es in diesem Jahr länger in den Hallenbädern einsetzen. „Wir fahren mit diesem Modell besser, manchmal muss man neue Wege gehen“, sagt er. Neben dem Stadtbad Neukölln sind in diesem Jahr 14 Schwimmhallen länger am Netz – beispielsweise das Stadtbad Mitte, das Paracelsus-Bad und die Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz. Auch Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) unterstützt den neuen Ansatz. Die Besucher brächten das Geld in die Kassen, und an denen orientierten sich die Bäder-Betriebe.

In dieser Saison wird es in manchen Bädern auch wieder Wachschutz geben. Er soll jedoch mehr im Hintergrund agieren. Offen ist beispielsweise noch, ob die Wachschützer wie am Insulaner schon am Eingang die Taschen der Badegäste nach verbotenen Utensilien durchsuchen werden. Gerade solche Vorgehensweisen hätten manchmal erst zu Aggressionen geführt, sagt Lipinsky. Im Columbiabad in Neukölln und im Prinzenbad werden auch in diesem Sommer Wachschützer arbeiten. Bei der Sicherheitsfrage setzen die Bäder-Betriebe dort aber auf eine neue Strategie: Das Präventionsprojekt „Bleib cool am Pool“ soll in Kreuzberg und Neukölln für einen möglichst friedlichen Badespaß sorgen. Die Polizei unterstützt das Vorhaben, im Bad zur Deeskalation beizutragen, wenn sich die Stimmung aufheizt. Dabei wollen sich junge „Konfliktlotsen“ zusammen mit „Kiezvätern“ um Streit kümmern, sobald er aufkeimt.

Besonders in den großen Ferien und an heißen Tagen, wenn sich bis zu 10.000 Badegäste im Prinzenbad tummeln, kommen sie zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund, die mit den erwachsenen „Kiezvätern“ ein Team bilden. 30 Konfliktlotsen werden gerade ausgebildet, einige müssen auch noch schwimmen lernen. Wie Projektkoordinator Hartmuth Kurzhals von der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit berichtet, kommen die 17 bis 24 Jahre alten Frauen und Männer vom Kick-Projekt, das 1991 für Jugendliche gegründet worden sei, die sich erste kleinere Delikte hatten zu Schulden kommen lassen und denen von der Polizei ein Sportangebot empfohlen wurde.

Ehrenamtliche Konfliktlotsen

Die „Kiezväter“ sind 30 bis 50 Jahre alt und als Berater in Vereinen und Schulen tätig – vermittelt unter anderem über das Jobcenter. Den Job als Konfliktlotse machen die Teilnehmer ehrenamtlich gegen eine Kostenpauschale, so Kurzhals.

Erhard Kraatz (56), seit 1990 Betriebsleiter des Prinzenbads ist skeptisch, ob das Modell funktioniert. „Man hat ja genug erlebt in all den Jahren.“ Die Heranwachsenden mit Migrationshintergrund solidarisierten sich schnell. Sportsenator Ehrhart Körting warnt indes vor Dramatisierungen: „Wir haben in den vergangenen Jahren kein ernsthaftes Problem in den Bädern gehabt. Hier gibt es keine Dauerkrawalle.“ Es habe nur „einige Vorgänge“ gegeben, bei denen junge Leute Schlägereien provoziert hätten. Das habe bereits dazu geführt, dass Schwimmmeister in bestimmten Bädern keinen Dienst mehr machen möchten. „Das geht natürlich nicht“, sagt Bäderchef Lipinsky, dem dieses Problem noch nicht zu Ohren gekommen ist.