Finanzprobleme

Masterplan soll Berliner Tierpark retten

Trotz Senatszuschüssen macht der Berliner Tierpark Millionenverluste. Im Interview mit Morgenpost Online spricht Geschäftsführerin Gabriele Thöne über das Defizit und ihr Konzept für das kommende Jahr.

Foto: Reto Klar

Morgenpost Online: Frau Thöne, der Tierpark fährt Millionenverluste ein. Die Rücklagen sind bald aufgezehrt. Wie soll es weitergehen?

Gabriele Thöne: Wir haben 1991/92 angefangen mit einem Generalentwicklungsplan für die Weiterentwicklung des Tierparks. Darauf aufbauend gab es ein Strukturpapier von 2006/07. Seitdem gibt es unter anderem die Dachmarke Hauptstadtzoo und ein gezieltes Marketing sowie eine gemeinsame kaufmännische Abteilung.

Morgenpost Online: Wir wollen aber nicht über die Zusammenarbeit von Zoo und Tierpark reden, sondern über die finanziellen Probleme beim Tierpark.

Gabriele Thöne: Das muss man aber zusammen sehen. Wir haben eine gute Basis geschaffen. Jetzt geht es darum, die weitere Profilierung von Zoo und Tierpark voranzutreiben.

Morgenpost Online: Was wollen Sie mit dem Tierpark machen?

Gabriele Thöne: Wir erarbeiten eine Zukunftsvision 2020/2030. Damit wollen wir ein Konzept erstellen, wie der Tierpark sich weiterentwickeln soll.

Morgenpost Online: Bis 2020/2030 soll der Steuerzahler für das Defizit aufkommen?

Gabriele Thöne: Keine Hysterie. Jetzt ist eine gute Planung gefragt. Wir haben eine bestimmte Vereinbarung mit dem Land, dass es die Betriebskosten deckt.

Morgenpost Online: Diese Vereinbarung sagt, dass der Tierpark nicht pleitegehen kann.

Gabriele Thöne: Diese Vereinbarung verschafft uns Stabilität für einen Masterplan, der für mehr Attraktivität und Einnahmen sorgen soll.

Morgenpost Online: Werden Sie doch mal konkret: Wie wollen Sie die Einnahmen steigern?

Gabriele Thöne: Da sind wir jetzt im Gespräch. Mitte nächsten Jahres werden wir die Eckpunkte unseres Konzepts vorstellen. Unsere Hauptzielgruppe ist die Familie. Wir haben drei Säulen, auf denen der Tierpark steht. Die Hauptsäule bleibt zoologisch. Es ist der größte Landschaftstierpark Europas. Daneben gibt es die zweite Säule. Wir wollen auf den Nah-Tourismus, auf die Familien setzen. Die dritte Säule ist die Kultur mit dem Schloss Friedrichsfelde. Auf diesen drei Säulen steht der Masterplan 2020/2030.

Morgenpost Online: Wie wollen Sie mehr Familien zum Tierpark locken?

Gabriele Thöne: Der Tierpark bietet mit seinen 160 Hektar Fläche andere Möglichkeiten als der Zoo mit seinem urbanen Charakter. Ich möchte die Familien animieren, ihren Ausflug, den sie sonst aufs Land machen, dann zum Tierpark zu machen. Im Tierpark sollen weitere Angebote dazukommen, damit ich mich als Familie dort einen halben oder ganzen Tag aufhalten kann.

Morgenpost Online: Was schwebt Ihnen denn da vor? Soll es einen Freizeitpark mit Karussells geben?

Gabriele Thöne: Wir wollen den Gesamtcharakter des Tierparks mit seiner Großzügigkeit und seinem Grün bewahren. Eine Loopingbahn wird es nicht geben. Wir planen Tierpark-affine Dinge. Wir wollen zum Beispiel Bildungselemente, die Lernspaß bieten: also etwa das Leben aus der Sicht der Tiere zu betrachten.

Morgenpost Online: Um solche Ideen umzusetzen, brauchen sie neue Investitionsmittel. Wie viel Geld hätten Sie denn gern?

Gabriele Thöne: Das kann ich jetzt noch gar nicht beantworten. Wenn wir die Konzeption haben, werde ich das monetär beziffern können. Dann geht es in den Gesprächen mit der Politik noch um die Zeiträume, wie schnell wir das Konzept umsetzen können.

Morgenpost Online: Dann frage ich anders: Wann wird der Tierpark Berlin ohne Steuermittel auskommen?

Gabriele Thöne: Wenn genügend Einnahmen da sind.

Morgenpost Online: Sie wollen nicht sagen, dass das in zehn Jahre geschafft ist?

Gabriele Thöne: Das kann niemand seriös sagen. Ich habe es aber nicht zum Ziel, Zuwendungsempfänger zu bleiben.

Morgenpost Online: Die Alternative zu höheren Besucherzahlen ist, die Eintrittpreise zu erhöhen.

Gabriele Thöne: Eine weitere Preiserhöhung ist derzeit nicht geplant.

Morgenpost Online: Können Sie denn bei den Ausgaben noch kürzen?

Gabriele Thöne: Man kann die Sparschraube nur bis zu einem bestimmten Punkt drehen. Wir wollen den Tierpark von einem Status quo aus weiter aufbauen. Wir haben jetzt eine Basis, von der aus wir die Zukunft gestalten werden.