Stadtplanung

Berlin bekommt einen 70 Meter hohen Total-Tower

Das Mineralölunternehmen Total wird nördlich des Berliner Hauptbahnhofs in Mitte einen 70 Meter hohen Turm errichten. Das 17-geschossige Gebäude soll Sitz der Deutschlandzentrale werden und das erste Bürogebäude im neuen Stadtquartier am Europaplatz sein.

Auch dreieinhalb Jahre nach seiner Eröffnung wirkt die Berliner Hauptbahnhof auf viele Hauptstädter und ihre Gäste wie ein gerade eben gelandetes Raumschiff mitten in der Wüste. Neben den futuristischen Glaskuppeln der Bahnhofshallen gibt es vor allem zweierlei: viel Sand und viel Platz.

Das soll sich in den kommenden Jahren sichtbar ändern, hoffen der Berliner Senat und der Eigentümer eines Großteils der Grundstücke, das Immobilienunternehmen Vivico. Entsprechend groß fiel am Freitag daher auch die Freude aller Beteiligten über das erste konkrete Bauprojekt im Quartier Heidestraße aus. Auf dem größtenteils brachliegenden Areal nördlich des Europaplatzes, dem nördlichen Vorplatz des Hauptbahnhofs, soll im Frühjahr 2010 der Grundstein für das erste Gebäude gelegt werden. Der exakt 68,60 Meter hohe „Total-Tower“ soll von der zweiten Jahreshälfte 2012 an die neue Deutschlandzentrale des französischen Mineralölkonzerns Total sein. Dieser hat mit Vivico nun einen Mietvertrag über 15 Jahre mit einer Verlängerungsoption über zweimal fünf Jahre abgeschlossen.

Noch residiert die Berliner Niederlassung des Konzerns im Mosse-Zentrum an der Schützenstraße in Mitte. „Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist zwar schön, aber leider unpraktisch“, begründet Michel Mallet, Geschäftsführer Total Deutschland, den geplanten Umzug. Der neue Firmensitz am Hauptbahnhof sei nicht nur ideal zu erreichen, er werde zudem genau nach den Wünschen des Unternehmens gebaut.

So will Total im Innern der geplanten 16 Etagen mit rund 14.000 Quadratmetern Bürofläche ein Arbeitskonzept der kurzen Wege und offenen Räume verwirklichen. Insgesamt 500 Mitarbeiter sollen im Herbst 2012 in das Hochhaus einziehen, neben den 450 Berlinern werden weitere 50 Beschäftigte aus der dann zu schließenden Außenstelle in Düsseldorf hinzukommen. Total will zunächst nicht alle 16 Büroetagen des Hochhauses nutzen. „Wir wollen aber weiter in Deutschland expandieren und sichern uns schon jetzt den dafür nötigen Büroraum“, sagte Mallet.

Energieverbrauch soll im Gebäude deutlich reduziert werden

Eine weitere Vorgabe des einzigen Nutzers des künftigen Total-Tower's: Das Bauwerk soll ein sogenanntes „Green building“ sein, also ein Gebäude, das den aktuellsten Anforderungen in Sachen Energieeffizienz genügt. Erfüllen will Architektin Regine Leibinger (Barkow Leibinger Architekten) diese Vorgabe unter anderem mit einer Dreifach-Verglasung, einem aus energetischer Sicht optimalen Verhältnis von Glas- und glaslosen Außenflächen und einer Schatten spendenden „Rasterfassade“, bestehend aus vorgehängten Fassadenelementen („wahrscheinlich aus Metall“). Die Farbgebung des Turms, so Leibinger, werde „hell, in Richtung weiß“ sein. Auch das Firmenlogo von Total am Dach des Hauses soll schlicht sein und ohne Lichteffekte auskommen. Vorbild dafür soll die Total-Konzernzentrale im Pariser Hochhausviertel La Défense sein.

Doch auch wenn der Berliner „Total-Tower“ mit seinen knapp 70 Metern nach Fertigstellung gerade einmal so hoch sein wird wie das Ritz Carlton am Potsdamer Platz, so dürfte er dennoch für viele Jahre werbewirksam sichtbar sein.

Weitere konkrete Bauprojekte kann die Vivico derzeit noch nicht vorweisen. „Die Wirtschaftskrise macht sich schon bemerkbar“, sagte Henrik Thomsen von Vivico Berlin. Ohnehin steht die Entwicklung des 40 Hektar großen Stadtviertels zwischen Hauptbahnhof und Nordbahnhof noch ganz am Anfang. Gerade erst zu Jahresbeginn haben der Senat und der Bezirk Mitte den sogenannten Masterplan mit den wichtigsten Strukturvorgaben für das Quartier Heidestraße verabschiedet.

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