Berlin Trend

Berliner wollen landeseigenen Stromversorger

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Joachim Fahrun

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach dem Verkauf der früheren Bewag gibt es in Berlin Überlegungen, wieder ein Stadtwerk aufzubauen, das Strom vornehmlich aus erneuerbaren Energien anbietet. Die Idee findet Anklang bei den Berlinern - in allen politischen Lagern.

Wenn die Politiker der SPD, der Linken und der Grünen mit unterschiedlichen Varianten anstreben, in Berlin wieder ein kommunales Stadtwerk als Energieversorger und Gegengewicht zu den großen Stromkonzernen aufzubauen, können sie sich der Unterstützung der Mehrheit der Wähler sicher sein.

69 Prozent sagten im Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der „RBB-Abendschau“, sie fänden es gut, wenn es einen landeseigenen Stromversorger gebe. Nur 17 Prozent halten den Gedanken, dass sich die Stadt in Produktion und Verkauf von Strom einschaltet, für falsch.

Ein neues Unternehmen Berlin Energie träfe auch auf ein beachtliches Kundenpotenzial, selbst wenn der angebotene Strom aus erneuerbaren Energien teurer wäre als der anderer Energieversorger. 30 Prozent der Befragten sagten, sie wären zu einem Wechsel bereit, auch wenn sie beim kommunalen Unternehmen mehr für ihren Strom bezahlen müssten als anderswo. Erheblich größer würde der Interessentenkreis, wenn der Strom des neuen Stadtwerks gleich viel oder weniger kosten würde als bei anderen Anbietern. In einem solchen Fall wären 50 Prozent der Befragten bereit, sich von einem Berliner Stadtwerk versorgen zu lassen. Nur für zwölf Prozent der Wähler käme ein Wechsel überhaupt nicht in Frage.

Der Plan, ein Stadtwerk aufzubauen und der Stadt nach dem Verkauf der früheren Bewag, die inzwischen dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall gehört, in der Energiepolitik wieder Handlungsmöglichkeiten zu verschaffen, findet in allen politischen Lagern Beifall. Wenig überraschend ist die Zustimmung unter den Anhängern der Parteien wie der Linken (83 Prozent), der SPD (73) und der Grünen (70).

CDU plädiert für Wettbewerb

Aber auch knapp zwei Drittel der CDU-Sympathisanten unterstützen die Idee, einen landeseigenen Stromversorger aufzubauen. Damit haben sie eine andere Meinung als die CDU, die bislang den Aufbau eines kommunalen Stromversorgers ablehnt, weil es auf dem Strommarkt schon ausreichend Wettbewerb gebe. Selbst unter den Wählern der Konservativen zeigt sich jeder Fünfte bereit, zum kommunalen Stadtwerk zu wechseln, auch wenn der Strom dort mehr kosten sollte als bei der privaten Konkurrenz.

Die Bereitschaft, mehr für sauberen Strom eines städtischen Lieferanten auszugeben, hängt offenbar auch von der wirtschaftlichen Situation der Befragten ab. Jeder Dritte mit Abitur oder Hochschulreife und somit einem tendenziell höheren Einkommen würde für Öko-Strom von Berlin Energie mehr bezahlen. Unter den Menschen mit Hauptschulabschluss oder vergleichbarem Bildungsniveau würde sich nur jeder Sechste diese Sonderausgabe leisten. Besondere Sympathie genießt das Öko-Stadtwerk unter den Anhängern der Grünen. 40 Prozent der Anhänger der Grünen wären für kommunalen Strom, selbst wenn sie dafür mehr Geld ausgeben müssten.

Unter den Wählern der Linken geht es hingegen eher um die Frage, ob die Stromversorgung in der Hand der Stadt ist und nicht bei privaten Unternehmen liegt. Wechselbereit wäre die Mehrheit der Linken-Wähler (61 Prozent) nur dann, wenn der Preis bei der städtischen Gesellschaft nicht höher wäre als bei den Wettbewerbern. Aber nur jeder Vierte würde auch mehr Geld für den sauberen Öko-Strom des Berliner Stadtwerks ausgeben.