Bildung

Zöllner will ungeeignete Schulleiter ablösen

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) plant eine Schul-Qualitätsoffensive. Direktoren sollen künftig eine bessere Qualifikation mitbringen müssen, Inspektionsberichte veröffentlicht und Lehrer zur Fortbildung geschickt werden.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will die Leistungsdaten Berliner Schulen im Internet veröffentlichen.

Video: BMO
Beschreibung anzeigen

Viele Eltern wissen: Der Erfolg einer Schule steht und fällt mit dem Schulleiter. Von dessen Fähigkeiten, sein Kollegium gut zu organisieren und mitzureißen, hängt es wesentlich ab, ob eine Schule sich positiv entwickelt und die Schüler bestmöglich gefördert werden können. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will nun an dieser Stelle stärker eingreifen. Ungeeignete Schulleiter sollen künftig abgelöst werden und auf vergleichbar dotierten Stellen andere Aufgaben übernehmen. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um etwa drei Prozent der Berliner Schulleiter handelt.

Zudem sollen sich in Zukunft nur solche Lehrkräfte auf die Stelle eines Schulleiters bewerben können, die eine entsprechende Qualifizierung in Sachen Schulmanagement und Führungskompetenzen erworben haben. Über die Auswahl der Schulleiter soll dann nicht mehr nur die regionale Schulaufsicht, sondern eine Auswahlkommission entscheiden. Geprüft wird, ob zusätzlich ein neutrales Gremium herangezogen werden könnte.

Diese Vorschläge gehören zum zweiten Teil des Qualitätspaketes, das Bildungssenator Zöllner am Mittwoch vorgestellt hat. Der Senator hatte eine Expertenkommission mit der Aufgabe betraut, Empfehlungen zur Verbesserung der Schulqualität zu entwickeln. Auf dieser Grundlage hat er sein Qualitätspaket geschnürt. Geplant ist, dass alle Betroffenen in den kommenden Wochen über die Vorschläge diskutieren. Anfang des neuen Jahres will der Senator dann endgültige Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung vorlegen.

Verbände fordern mehr Personal

Zöllners Vorschläge zielen vor allem darauf ab, Eltern eine stärkere Transparenz zu bieten. Bundesweit wird Berlin damit zum Vorreiter werden. Über die dazu nötigen finanziellen Mittel wollte der Senator allerdings keine genauen Angaben machen. Das aber brachte verschiedene Verbände auf den Plan. Ferdinand Horbat vom Philologenverband kritisierte, dass ohne eine Verbesserung der Personalausstattung der Schulen sowie deren räumlicher Möglichkeiten keine Qualitätsoffensive stattfinden könne.

Zöllner plant, dass die Mütter und Väter künftig mehr darüber erfahren sollen, wo genau die Schule ihrer Kinder steht, welche Stärken und Schwächen sie hat. Vom Schuljahr 2011/12 an sollen die Schulen deshalb die Ergebnisse der Schulinspektionsberichte auf der jeweiligen Seite ihres Schulporträts veröffentlichen. Genau dort sollen dann auch die Ergebnisse im Mittleren Schulabschluss sowie im Abitur zu finden sein. Ein Jahr später, so Zöllners Idee, sollten die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten Vera 3 und Vera 8 (bundesweite Tests von Schülern der dritten sowie der achten Klassen) veröffentlicht werden. Dabei soll es nicht um Rankings gehen, wie Zöllner ausdrücklich betonte. Die Schulen sollen vielmehr erkennen, wo sie in einem bestimmten Fach im Vergleich zur jeweiligen Gesamtgruppe stehen.

"Viele Schulen schmoren im eigenen Saft"

Bildungsforscherin Felicitas Thiel von der Freien Universität nennt Zöllners Pläne richtig. „Es ist nötig, dass eine Schule nicht nur erfährt, wo sie steht, sondern auch, welche Hilfe sie bekommt, wenn es Probleme gibt“, sagte sie. Außerdem müssten die Eltern alle Informationen darüber erhalten, unter welchen Bedingungen die jeweilige Schule arbeitet. Sonst könnten sie die Ergebnisse nicht in Beziehung zu anderen Schulen setzen. Das fordert auch Paul Schuknecht, Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Schulleiter: „Wir brauchen einen fairen Vergleich.“

Rainer Werner, Lehrer am John-Lennon-Gymnasium in Mitte, begrüßt Zöllners Vorschlag zur Veröffentlichung der Leistungsdaten jeder Schule ausdrücklich. „Damit wissen die Eltern, woran sie sind“, sagte er. Außerdem würde der Druck auf die Schule und die Lehrer erhöht, sich zu verbessern. „Viele Schulen schmoren im eigenen Saft und interessieren sich nicht dafür, was andere Schulen machen.“ An seiner Schule würden die Schüler bereits seit einiger Zeit mit Hilfe anonymer Fragebögen die Lehrer bewerten. Lehrer mit negativen Ergebnissen bekämen Hilfe von Fachkollegen. Das System habe sich bewährt.

Auch im Qualitätspaket Zöllners geht es um schulinterne Evaluation. Der Senator schlägt vor, dass insbesondere die 20 Prozent der leistungsschwächsten Schulen das Selbstevaluationsportal des Instituts für Schulqualität verbindlich nutzen und über Schülerbefragungen Rückmeldungen über ihren Unterricht einholen sollen.

Es soll auch mehr Lob geben

Nicht unumstritten dürfte schließlich die in der Qualitätsoffensive festgelegte verbindliche Fortbildung für Lehrer sein. Vorgeschlagen wird, dass sich alle Pädagogen mindestens sechs Doppelstunden pro Schuljahr fortbilden. Wie groß der Fortbildungsbedarf ist und in welchem Bereich, das sollen die Schulleiter festlegen und dafür entsprechende Fortbildungsgutscheine erhalten.

Paul Schuknecht von der Schulleitervereinigung plädiert dafür, dass die Schulen Geld bekommen, um die Fortbildung selbst in die Hand nehmen zu können. Dazu sollten sie vor allem externe Fachleute heranziehen und weniger die Angebote der Bildungsverwaltung nutzen, die nicht immer besonders gut seien. „Lehrer brauchen nicht nur fachliche Weiterbildung, sondern auch Qualifizierung bezüglich Kommunikation und Gesprächsführung“, sagte Schuknecht.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will allerdings nicht nur Druck auf die Schulen ausüben, sondern ihnen auch mehr Anerkennung zuteil werden lassen. Schulen, die es schaffen, die Leistung ihrer Schüler zu verbessern, die Zahl der Schulabbrecher zu verringern, Gewaltvorfälle und Unterrichtsausfall zu reduzieren, sollen belohnt werden. So könnte es für jede Schulform einen Schulpreis geben.

Außerdem sollen Grundschulen mit einem hohen Anteil betreuungsintensiver Schüler (mehr als 60 Prozent Kinder nicht deutscher Herkunft oder mit Lernmittelbefreiung) Geld erhalten, um Schülern als Lob Freikarten für Sportveranstaltungen oder Kinobesuche zukommen zu lassen. Für die Finanzierung will Bildungssenator Zöllner das Bündnis „Stark in der Schule“ ins Leben rufen, das Sponsoren suchen soll.