Betrugsfall

Razzia in mehr als 100 Berliner Friseurläden

Unbeliebter Besuch für mehr als 100 Friseurgeschäfte in Berlin. 175 Polizeibeamte und 40 Zollfahnder kontrollierten mehrere Betriebe und Privatwohnungen in der Hautpstadt und im Umland.

Die Durchsuchungen, die am Dienstag von 10.30 Uhr bis 18 Uhr dauerten, erfolgten im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen einen 68-jährigen Mann. Ihm und seiner mutmaßlichen Komplizin (46) werde gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen, sagte Justizsprecher Martin Steltner.

Nach Angaben Steltners sollen die Verdächtigen über einen Zeitraum von mehreren Jahren mit Betreibern von mehr als 100 Friseurgeschäften Verträge über eine „fachtechnische Betreuung“ abgeschlossen haben. Die Geschäftsinhaber zahlten dafür, eine Gegenleistung in Form der vereinbarten Betreuung soll es allerdings nicht gegeben haben. Bei der Durchsuchung am Dienstag wurden zahlreiche Unterlagen und Datenträger als Beweismaterial beschlagnahmt.

„Konzentriert ihr euch auf das Frisieren eurer Kunden, ich kümmere mich um den Rest“, soll der 68-jährige Hauptverdächtige den Geschäftsinhabern erklärt haben, sagte ein Ermittler. Das Angebot erschien vielen der Betrogenen offenbar so verlockend, dass sie sich darauf einließen. Ergebnis: Sie zahlten nicht nur regelmäßig – angeblich 150 bis 200 Euro monatlich – für eine Leistung, die sie nie erhielten, sie gerieten selbst noch uns Visier der Ermittler. Denn zu der von dem 68-Jährigen angebotenen Betreuung gehörte auch die Eintragung in die Handwerksrolle und die Erledigung gewerberechtlicher und organisatorischer Angelegenheiten.

Diese Erledigungen seitens des Hauptverdächtigen sollen wie die gesamte von ihm angebotene „fachtechnische Betreuung“ nicht stattgefunden haben; deshalb wird jetzt auch gegen mehrere Geschäftsbetreiber wegen Verletzung gewerberechtlicher Vorschriften ermittelt. Das Vertrauen auf Zusagen eines Dritten entbinde einen Geschäftsinhaber nicht von seiner geschäftlichen und rechtlichen Verantwortung, hieß es dazu seitens der Behörden. „Im Zentrum unserer Ermittlungen steht allerdings eindeutig der Betrugsverdacht gegen den 68-Jährigen und seine mutmaßliche Komplizin“, sagte Justizsprecher Steltner.

Völlig unklar ist derzeit noch, warum so viele Geschäftsinhaber auf die Betrugsmasche hereinfielen und warum der Hauptverdächtige über einen so langen Zeitraum aktiv bleiben konnte, ohne dass seine Praktiken aufflogen. Welchen Umfang die mutmaßlichen Betrügereien im Laufe der Zeit angenommen haben, müssten ebenfalls die weiteren Ermittlungen erst noch zeigen, sagte ein Zollfahnder. Es sei durchaus möglich, dass noch weitere Friseurbetriebe geschädigt wurden, sagte der Beamte.