HIV-Medikamente

Apotheker wegen Abrechnungsbetrugs angeklagt

Rund zwei Jahre lang soll der Berliner Apotheker Hans-Joachim D. erschlichene Rezepte für teure Aids-Medikamente unrechtmäßig bei mehreren Krankenkassen abgerechnet haben. Jetzt wurde der 66-Jährige wegen gewerbsmäßigen Abrechnungsbetrugs angeklagt.

Foto: Steffen Pletl

Wegen eines großangelegten Betruges mit HIV-Medikamenten müssen sich der Berliner Apotheker Hans-Joachim D. und acht Komplizen demnächst vor Gericht verantworten. Gegen die Beschuldigten sei Anklage wegen gewerbsmäßigen Abrechnungsbetruges erhoben worden, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Dienstag. Krankenkassen sei ein Gesamtschaden von rund elf Millionen Euro entstanden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 66-Jährigen vor, in seiner Apotheke am Kurfürstendamm im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf vor, von Januar 2007 bis März 2009 mit Rezepten über hochpreisige HIV-Medikamente betrogen zu haben. Er rechnete sie ab, ohne den Patienten die Medikamente auszuhändigen. Die 35 bis 47 Jahre alten Mitangeklagten sollen mit dem HI-Virus infiziert sein. Laut Staatsanwaltschaft erschlichen sie sich bei Ärzten erheblich mehr Rezepte, als sie brauchten.

Zur Verschleierung der Mehrfachverordnungen hätten die Mitangeschuldigten einen regelrechten „Ärzte-Tourismus“ betrieben, sagte Steltner. Die Rezepte sollen sie gegen Barzahlungen zwischen 150 und 500 Euro an den Apotheker verkauft haben. Dieser rechnete laut Staatsanwaltschaft monatlich erschlichene Rezepte mit einem Erstattungswert von jeweils bis zu 3000 Euro ab.

Der 66-Jährige befindet sich seit seiner Festnahme im November 2010 in Untersuchungshaft. Die übrigen Angeschuldigten wurden unter anderem wegen ihres Gesundheitszustandes von der Untersuchungshaft verschont. Ein Termin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest.