HIV-Medikamente

Berliner Apotheker schweigt zu Betrugsvorwurf

Der 66 Jahre alte Hans-Joachim D. sitzt in Untersuchungshaft. Der Apotheker will sich zum Vorwurf, im großen Stil mit HIV-Medikamenten betrogen zu haben, nicht äußern. Seine Komplizen sind da gesprächiger.

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Apotheker betrügt mit Rezepten

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Nach der Aufdeckung eines groß angelegten Betruges mit HIV-Medikamenten sitzt ein Berliner Apotheker in Untersuchungshaft. Der 66 Jahre alte Apotheker Hans-Joachim D. schweige bislang zu den Vorwürfen, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Freitag. Wegen gewerbsmäßigen Abrechnungsbetrugs hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag insgesamt acht Haftbefehle vollstreckt. Außerdem wurden zehn Wohnungen in Berlin, Kiel und Fulda durchsucht. Die Ermittler beschlagnahmten Vermögen im Wert von rund 200.000 Euro, darunter mehrere hochwertige Auto.

Bei sechs mit HIV infizierten Patienten, die an dem Betrug beteiligt gewesen sein sollen, sei die Vollstreckung der Haftbefehle gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, auch wegen ihres Gesundheitszustandes, sagte der Sprecher. Sie zeigten sich überwiegend geständig. Lediglich ein Patient in Kiel sei in Untersuchungshaft genommen worden. Er soll einen Schaden in Höhe von 80.000 Euro verursacht haben.

Der beschuldigte Apotheker mit einem Geschäft am Berliner Kudamm steht im Verdacht, zwischen 2007 und 2009 gewerbsmäßig Rezepte über hochpreisige HIV-Medikationen bei den Krankenkassen abgerechnet zu haben, ohne die verordneten Medikamente an die Patienten auszuhändigen. Derzeit wird von einem Schaden von rund zehn Millionen Euro ausgegangen.

Laut Staatsanwaltschaft erschlichen sich die Patienten bei Ärzten erheblich mehr Rezepte, als sie brauchten. Die Rezepte sollen dann von dem Apotheker für bis zu 800 Euro aufgekauft und bei den Krankenkassen so abgerechnet worden sein, als habe der Patient die verordneten Medikamente erhalten. Der Wert pro Verordnung lag durchschnittlich bei 2000 Euro.