Großflughafen

Air Berlin fordert Planungssicherheit am BBI

Der Chef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Joachim Hunold, fordert eine klare Haltung zum geplanten Flughafen. Die Gerichtsentscheidung zu den Nachflügen steht noch aus.

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Im Streit über die Flugrouten des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) und den Nachtflug hat der Chef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Joachim Hunold, Verlässlichkeit von der Politik gefordert. „Der Flughafen ist, so wie er geplant ist, unabdingbar“, sagte Hunold am Dienstag auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Wirtschaftsgespräche in Schönefeld. „Wir brauchen die Nachtrandzeiten und den unabhängigen Parallelbetrieb. Wenn wir die Region stärken wollen, kommen wir daran nicht vorbei.“ Flugbetrieb nur von 6 bis 22 Uhr sei nicht „ausreichend profitabel“.

Hunold reagierte damit auf Forderungen von Anwohnern und Politikern während der Flugroutendiskussion. „Wenn nun aus Wahlkampfgründen die Flughafenplanung infrage gestellt wird, ist das nicht zu verstehen“, sagte Hunold. Wie berichtet haben CDU und Linkspartei in den vergangenen Wochen und im Hinblick auf die Abgeordnetenhauswahlen eine Kehrtwende vollzogen. Die beiden Parteien stellen die Regelung für die Nachtrandzeiten, so wie sie das Brandenburger Infrastrukturministerium im Oktober 2009 erlassen hat, infrage und fordern Modifizierungen. Die Grünen wollen ohnehin ein Nachtflugverbot in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr.

Schulungscenter geplant

Der sogenannte Planergänzungsbeschluss zu Lärmschutz und Nachtflug sieht in der Zeit zwischen 22 und 24 sowie 5 und 6 Uhr im Schnitt 77 und in Spitzenzeiten bis zu 103 Flügen vor. Gegen den Beschluss klagen Anwohner, die die Anzahl der Flüge für viel zu hoch halten. Es klagt aber auch die Fluggesellschaft Air Berlin. Sie will in den Nachtrandzeiten keine Beschränkungen. Das Bundesverwaltungsgericht wird am 20. und 21. September über die Klagen entscheiden. Die Haltung von CDU und Linkspartei, aber auch Äußerungen der Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast haben nach Einschätzung des Air-Berlin-Chefs potenzielle Investoren verunsichert. Hunold warnte auch vor Äußerungen von Bundespolitikern, vor allem aus Bayern und Hessen. Wenn diese Politiker ein Drehkreuz in Berlin infrage stellen würden, handelten sie interessengeleitet. „Die wollen kein Drehkreuz in Berlin, weil sie die Drehkreuze in München und Frankfurt/M. nicht schmälern wollen“, sagte Hunold. Er spielte auf Äußerungen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) an. Im Zuge der Flugroutendiskussion hatte der Bundesverkehrsminister die Drehkreuzfunktion des BBI infrage gestellt.

„Ich will eine gewisse Sicherheit, wenn ich hier etwas tue“, sagte Hunold im Hinblick auf seine Investitionen in Berlin. Eine positive Entwicklung des neuen Flughafens hänge davon ab, wie die Region zu dem Flughafen stehe. Gleichzeitig betonte der Air-Berlin-Chef, dass er an eine „äußerst positive Entwicklung des BBI“ glaube. Nach seiner Einschätzung kann der neue Flughafen in Schönfeld ein Drehkreuz in der Größenordnung des zweitgrößten deutschen Flughafens in München werden. Dimensionen wie der größte deutsche Airport in Frankfurt am Main werde der BBI allerdings nicht erreichen, prognostizierte Hunold.

Wie berichtet will Air Berlin am BBI ein Drehkreuz etablieren. Mit dem Aufbau dieses sogenannten Hubs begann die zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands bereits im vergangenen Jahr. Sie bietet am Flughafen Tegel bereits 6000 Umsteigeverbindungen in der Woche an und baut ihre Intercontinental-Verbindungen beispielsweise ab dem 1.Mai mit einer Strecke nach New York weiter aus. Mit der Mitgliedschaft bei dem weltweiten Luftfahrtbündnis Oneworld im nächsten Jahr werden sich Hunold zufolge weitere interessante Verbindungen von und nach Berlin auftun. Dafür aber sei die Drehscheibenfunktion unerlässlich, betonte der Airline-Chef.

Hunold kündigte an, dass seine Fluggesellschaft am BBI ein Schulungszentrum bauen wird. Entstehen soll es nach Auskunft des Air-Berlin-Chefs gegenüber dem geplanten Air-Berlin-Hangar im Westen des neuen Flughafens in Selchow. Nähere Angaben wollte Air Berlin am Montag noch nicht machen. „Das Projekt befindet sich noch in der Evaluierungsphase“, sagte Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Bakir.

Grundstein für Wartungshangar

Erst vor wenigen Tagen hatte Air Berlin gemeinsam mit der Fluggesellschaft Germania auf dem BBI den Grundstein für einen Wartungshangar gelegt, in dem sechs Mittelstreckenflugzeuge des Typs A319/320 Platz finden. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort BBI“, sagte Hunold am Dienstag. „Wir hätten nicht so viel investiert, wenn ich die Entwicklung des BBI nicht äußerst positiv einschätzen würde. Wir rechnen am neuen Flughafen mit Wachstum, mit 200 bis 300 zusätzlichen Arbeitskräften in den nächsten zwei bis drei Jahren.“ Derzeit beschäftigt die Fluggesellschaft mit Sitz in Berlin allein 2700 Mitarbeiter in der Region, weltweit 8900 Menschen.