Billigflieger

Ärger in Schönefeld - Easyjet in Turbulenzen

Easyjet stehen an der deutschen Basis Berlin-Schönefeld stürmische Zeiten bevor. Die Fluggesellschaft kämpft zurzeit gegen einen drohenden Streik und verärgerte Passagiere. Gepäckstücke kosten künftig bis zu 50 Euro.

Foto: dpa / dpa/DPA

Der britische Billigflieger Easyjet gerät an seiner deutschen Basis Berlin-Schönefeld in Turbulenzen. Die Gewerkschaft Ver.di droht dem Unternehmen mit Warnstreiks. Und bei den Passagieren regt sich Unmut über die Fluggesellschaft, die ab sofort bis zu 50 Euro Zusatzgebühren für ein übergroßes Handgepäckstück verlangt.

Die Tarifgespräche für das Kabinenpersonal sind am Dienstag ergebnislos abgebrochen worden, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Holger Rößler. „Damit werden Arbeitskampfmaßnahmen in den nächsten Wochen unausweichlich.“ Nähere Angaben machte er jedoch nicht.

Thomas Haagensen, Geschäftsführer Easyjet Deutschland, sagte am Dienstag, sein Unternehmen sei enttäuscht darüber, dass trotz eines überarbeiteten Tarifangebots noch keine Einigung mit Ver.di erzielt werden konnte. Haagensen: „Wir werden alles tun, um Auswirkungen auf Passagiere so gering wie möglich zu halten.“

Streiks würden den ohnehin wachsenden Ärger der Easyjet-Passagiere noch vergrößern. Denn ihnen werden jetzt bis zu 50 Euro pro Gepäckstück abverlangt, das die Maximalmaße von 56 mal 45 mal 25 Zentimeter überschreitet. Vorher lag die Grenze bei 35 Euro, wie eine Flughafenmitarbeiterin bestätigt. Grundsätzlich ist nur ein Handgepäckstück erlaubt.

Und um Unmut und Verwirrung bei vielen Fluggästen noch zu vergrößern: Wer sein Gepäck vorab im Internet anmeldet, zahlt weniger: Ein Koffer bis zu 20 Kilogramm Gewicht kostet dann 15 Euro. „Das ist eine absolute Frechheit“, sagt Georg Weppen (61). Der Immobilienverwalter aus Potsdam hatte nach eigenen Angaben schon oft Probleme bei der Gepäckaufgabe. „Geldmacherei. Wer sich nicht ganz genau informiert, der zahlt.“

Einer von den weniger Informierten ist Giancarlo Carlo (28). Der Biologiestudent aus Sardinien hat für zwei Wochen Berlin besucht. Jetzt nähert er sich mit seinem grünen Hartplastikkoffer dem prüfenden Blick des Kontrolleurs Jörg Schober (52). Schober steht im Terminal B des Flughafens. Seine Aufgabe: Er muss die Dimensionen des Gepäcks kontrollieren. Um das zu prüfen, stehen vor und hinter dem Check-in-Schalter orangefarbene Aufsteller, in deren kofferförmige Raster das Handgepäck hineinpassen muss. „No, it’s too big“, sagt Schober zu dem jungen Italiener und schüttelt den Kopf: Auch der ehrgeizige Kraftakt, den Koffer doch irgendwie in das Messgitter zu pressen, scheitert. Kurz darauf hält Carlo einen Zettel in der Hand, der ihm am Check-in ausgestellt wurde: „Baggage fees: Amount Payable – 50 Euro“. Hätte er seinen Koffer nicht erst am Boarding Gate, sondern vier Meter vor der Kontrolle abgemessen und regulär am Check-in aufgegeben, wäre er mit 30 Euro davongekommen. Der Student bezahlt, stellt keine Fragen, sondern beeilt sich, um seinen Flug zu bekommen – auch wenn sich der Reisepreis kurzerhand auf 100 Euro verdoppelt hat.

„Andere sind da weniger einsichtig“, berichtet Jörg Schober. Einfach sei der Job nicht immer, sagt er und hilft einer älteren Dame, die Tasche abzumessen. „Da wird man schon mal bespuckt oder grob beschimpft.“