20 Jahre Mauerfall

Die Welt feiert Deutschlands Einheit in Berlin

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Jens Anker und Birgit Haas
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Vorbereitungen fürs Mauerfall-Jubiläum

Berlin bereitet sich auf die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls vor. Am 9. November wird mit einem "Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor an die Überwindung der deutsch-deutschen Grenze erinnert.

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Berlin feiert den 20. Jahrestag des Mauerfalls, und Menschen aus aller Welt strömen in die Hauptstadt. Der 9. November sei der „glücklichste Tag der jüngeren deutschen Geschichte", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Hotels sind voll, die Innenstadt ist es auch. Und die Mauer steht wieder - aber nur bis Montag.

Die Stadt ist voll - schon Tage vor dem 9. November. Zehntausende drängelten sich am samstag auf dem Pariser Platz, dort wo es erst am Montag das "Fest der Freiheit" gibt. Ein Gang durch das Brandenburger Tor zieht sich derzeit etwas hin – von der einen auf die andere Seite braucht man an die zehn Minuten, mindestens. Die Getränke- und Imbissstände rund um das Tor werden geradezu belagert und machen gute Geschäfte, noch bevor die offiziellen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution am 9. November 1989 begonnen haben.

In der Innenstadt zog insbesondere der ehemalige Mauerstreifen die Besucher an - dort steht die Mauer wieder, in Form großformatiger, bunt bemalter Mauersteine, die am Montag umgestürzt werden. Die Hotels, zumal die in der City, sind weitgehend ausgebucht. „Wir erleben das beste Novemberwochenende aller Zeiten in Berlin – was den Touristen-Ansturm anbelangt“, sagte Christian Tänzler, Sprecher des Berlin Tourismus-Marketings.

Mit dem Auto kommt man jetzt gerade einmal in die Umgebung des Brandenburger Tores: Noch bis zum 11. November sind auf der westlichen Seite des Brandenburger Tors die Straße des 17. Juni bis zur Yitzhak-Rabin-Straße und die Ebertstraße zwischen Dorotheenstraße und Potsdamer Platz gesperrt. Auch die Scheidemannstraße am Reichstag ist bis zur Yitzhak-Rabin-Straße abgeriegelt sowie die Dorotheenstraße bis zur Wilhelmstraße. Auf der östlichen Seite des Brandenburger Tors reichen die Sperrungen über den Pariser Platz bis zur Wilhelmstraße.

Sperrungen in der Innenstadt

Wenn der Andrang am 9. November hoch ist, werden die Sperrungen noch erweitert. Besuchern der Veranstaltungen am Brandenburger Tor empfiehlt die Polizei, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen - und bei Fahrten mit S-Bahn oder U-Bahn in Richtung Pariser Platz schon am S- und U-Bahnhof Potsdamer Platz oder am Hauptbahnhof auszusteigen. Sollte es Montag an den S- und U-Bahnhöfen zu größerem Andrang kommen, werden die Zugänge gesperrt.

Am Montag wird in der Zeit zwischen 14.30 Uhr und etwa 16.30 Uhr in Prenzlauer Berg die Bornholmer Straße zwischen Prinzenallee und Schönhauser Allee gesperrt. Auf der Bösebrücke feiern Kanzlerin Angela Merkel, Wowereit, der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow und Friedensnobelpreisträger Walesa um 15 Uhr die Öffnung des ersten Grenzübergangs. Wegen der vielen erwarteten Staatsgäste wird die Polizei Sonntag und Montag mehrfach Kreuzungen vorübergehend abriegeln müssen, damit die Kolonnen passieren können.

"Es wird ein sehr bewegender Tag"

Bundeskanzlerin Angela Merkel Merkel würdigte am Sonntag in ihrer wöchentlichen Botschaft auch die Rolle der Bürgerrechtler und der Kirche für die Einheit Deutschlands. „Es wird ein sehr bewegender Tag für viele Menschen in Deutschland sein“, sagte Merkel weiter. „Wir Deutschen werden unseren Nachbarn und den Alliierten nicht vergessen, dass der Weg zur Deutschen Einheit möglich wurde.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) läutete mit der Enthüllung des letzten Steins der Domino-Galerie hinter dem Reichstag den Countdown zur Einheitsfeier ein. Der Stein, von Schülern der Robert-Jung-Oberschule aus Wilmersdorf gestaltet, erinnert an den Freiheitskampf in Polen. Lech Walesa, der ehemalige Gewerkschaftsführer und Staatspräsident, hat auf dem Mauerstein seine Unterschrift hinterlassen.

„Mauern können fallen“, sagte Wowereit. Das habe die friedliche Revolution vor 20 Jahren gezeigt. „Und wir wollen die Mauern, die noch stehen, einreißen“, erklärte er die Symbolik der Galerie. Am Montag wird der Stein der Robert-Jung-Schule als erster aus der Reihe der 1000 Dominosteine fallen und so den Mauerfall vor 20 Jahren symbolisch wiederholen. Danach kehren die Dominosteine zu denen zurück, die sie gestaltet haben. 15.000 Menschen aus aller Welt beteiligten sich an der Aktion, darunter Gruppen aus Südafrika, Polen und den USA.

Deutschland bekommt in Berlin einen Preis

Wowereit sagte, Berlin sei die erste Adresse für alle, die den „Traum der Freiheit“ leben wollten: „Hier ist Geschichte spürbar und lebendig.“ Wowereit weiter: „Die friedliche Revolution und der Fall der Mauer vor 20 Jahren haben den Weg für einen beispiellosen Wandel Berlins freigemacht.“ Schon gestern kamen Kamerateams aus der ganzen Welt ans Brandenburger Tor, um schon einmal die Dominosteine zu filmen und sich die besten Plätze für die Übertragung am Montag zu sichern.

Am Sonntag wird Deutschland vom Atlantic Council of the United States für sein Streben nach Freiheit und Demokratie mit dem Freedom Award ausgezeichnet. Bei einem Gala-Dinner im Hotel Adlon wird Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) die Auszeichnung am Abend in Vertretung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für das deutsche Volk entgegennehmen. Überreicht wird sie von der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton.

Die neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischöfin Margot Käßmann, hat den Mauerfall als Wunder bezeichnet. Zugleich mahnte sie zum bleibenden Gedenken an die Reichspogromnacht 1938. „Der 9. November sollte zentraler Feiertag sein, weil er die Höhen und die Tiefen unserer Geschichte“ verbinde und Mahnung und Ermutigung zugleich sei.

Denkmal für die Opfer der Grenze

Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), übergab am Sonntag im Mauerpark Gedenk-Stelen der Öffentlichkeit, die an die Todesopfer der Grenze zwischen Ost und West erinnern sollen. „Den Opfern von Mauer und Schießbefehl sind wir es schuldig, sie nicht zu vergessen“, sagte Momper. Eine erste Stele für den 1971 im Grenzstreifen zwischen Großziethen und Lichtenrade angeschossenen und drei Wochen später gestorbenen Horst Kullack wurde gestern nördlich der Lichtenrader Chaussee enthüllt.

Weitere Gedenksäulen sind Herbert Kiebler, der 1975 im Grenzstreifen zwischen Mahlow und Lichtenrade erschossen wurde, sowie dem 1966 getöteten Eduard Wroblewski gewidmet. Zudem wurde eine Stele für Christoph-Manuel Bramböck aufgestellt, der 1990 als 14-Jähriger beim „Mauerpicken“ im Grenzstreifen zwischen Mahlow und Lichtenrade tödlich verunglückte. Auf dem Mauerweg sollen Stelen für alle bislang bekannten 136 Opfer an der Berliner Mauer errichtet werden.