Nach Protestaktion

Liebig-14-Prozess endet mit Freispruch

Der 36-jährige Graham B. wurde beschuldigt, während der Protestaktionen in der Liebigstraße 14 in Berlin-Friedrichshain einen Polizisten mit einem Stein beworfen zu haben. Nun wurde der Brite von dem Vorwurf freigesprochen.

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Sieben Wochen nach den Ausschreitungen wegen der Räumung eines besetzten Hauses an der Liebigstraße14 in Friedrichshain hat eine Strafrichterin am Dienstag einen angeklagten Demonstranten vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen.

Dem 36-jährigen GrahamB. war von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, am 2.Februar aus etwa vier Meter Entfernung einen faustgroßen Stein auf einen Polizisten geworfen zu haben. Verletzt wurde der am Rücken getroffene Polizeibeamte jedoch nicht, da er bei dem Einsatz eine Schutzweste trug.

Der Beamte war vor Gericht sicher, den Angeklagten Graham B. als Täter wiedererkannt zu haben: „Ich hatte sein Gesicht genau gesehen“, sagte der Polizist. „Es war ungewöhnlich, dass jemand so offensiv vorgeht und sich nicht vermummt.“ Auch andere Polizeibeamte gaben vor Gericht an, sicher zu sein, dass es sich bei dem Angeklagten um den Täter handele. Abweichungen in den Aussagen der Zeugen gab es jedoch bei der Beschreibung der Kleidung. So hatten zwei von ihnen in Erinnerung, dass der Steinewerfer eine helle Jacke getragen habe. Graham B. hatte jedoch, wie auf Polizeifotos zu erkennen war, eine dunkle Jacke an. Sie habe wegen dieser Abweichungen bei den Aussagen Zweifel, ob nicht vielleicht doch eine Verwechslung vorliege, begründete die Richterin am Dienstag den Freispruch. „Und wenn ich Zweifel habe, kann ich auch nicht verurteilen.“

Bestraft wurde Graham B. jedoch wegen seines Widerstandes bei der Festnahme. Dafür soll der wohnungslose Brite 600 Euro Geldstrafe zahlen. Der Widerstand wurde aber als eher gering eingestuft. Der Mann sei nicht gewalttätig geworden, sondern habe lediglich die Hände verschränkt, so das Gericht.

Der Staatsanwalt hatte 15 Monate Haft ohne Bewährung beantragt. Er will nun prüfen, ob er gegen diesen Freispruch in Berufung geht.