Tierschützer

Peta gibt Zoo Mitschuld am frühen Tod von Knut

Nach Knuts Tod macht die Tierrechtsorganisation Peta dem Zoo und seinem Direktor Bernhard Blaszkiewitz schwere Vorwürfe. Morgenpost Online sprach mit Peta-Sprecher Edmund Haferbeck.

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Im Berliner Zoo legen Besucher Blumen vor dem Gehege von Eisbär Knut ab, der Sonnabend überraschend gestorben war.

Video: Reuters
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Morgenpost Online: Herr Haferbeck, Sie werfen dem Berliner Zoo vor, Mitschuld am Tod von Knut zu haben. Warum?

Edmund Haferbeck: Der Berliner Zoo hat bei der Bärenhaltung schon seit geraumer Zeit große Defizite. Die Gehege sind viel zu klein. Die Handaufzucht führt automatisch dazu, dass Eisbären zu Verhaltenskrüppeln werden, auch weil sie Probleme im Umgang mit ihren Artgenossen haben. Wider besseres Wissen – man weiß, dass Eisbären Einzelgänger sind – hat man Knut zu den drei Eisbärdamen in ein Gehege gesteckt. Da passiert dann das, was man beobachten konnte.

Morgenpost Online: Was war das?

Haferbeck: Knut wurde von den Eisbärinnen angegriffen, unterdrückt und dann auch ausgegrenzt. Das war Stress für ihn. Den Eisbär als größtes Landraubtier der Welt kann man ohnehin nicht artgerecht unterbringen.

Morgenpost Online: Warum?

Haferbeck: Weil dieses Tier einen derartig großen Lebensradius hat. Auf einigen 100 Quadratmeter Fläche kann man ihn nicht unterbringen. Über 70 Prozent der in Zoos untergebrachten Eisbären haben wegen Bewegungseinschränkung und mangelnden Umweltreizen Verhaltensstörungen. Sie leiden an Ethopathien.

Morgenpost Online: Sie sehen Zoodirektor Blaszkiewitz für den Tod mit in der Verantwortung. Hätte der Tod von Knut vermieden werden können?

Haferbeck: Was genau die Todesursache war, wissen wir noch nicht. Aber unabhängig von der noch pathologisch festzustellenden Todesursache war Knut wegen der unzuträglichen Haltungsbedingungen im Zoo ein verhaltensgestörtes und angeschlagenes Geschöpf. Hinzu kommt der Hype um Knut, der vom Zoo gewollt war. Da sollte der Rubel rollen. Und das war mit Knut wunderbar zu machen. Er wurde dafür ausgenutzt. Herr Blaszkiewitz hat keine Empathie für Tiere, er liebt sie nur als Ware, die zur Schau gestellt werden kann. Er und der Bärenkurator Heiner Klös sind für die schlechte Bärenhaltung zuständig

Morgenpost Online: Die drei Eisbärinnen, die unter ähnlichen Bedingungen gehalten werden, leben aber noch.

Haferbeck: Das liegt daran, dass es Weibchen sind. Die müssen sich nur um die Aufzucht sorgen. Die haben nicht soviel Stress wie ein männlicher Eisbär, der härter drauf sein muss.

Morgenpost Online: Das meinen Sie nicht ernst?

Haferbeck: Doch, das ist so.

Morgenpost Online: Was soll mit dem toten Knut passieren?

Haferbeck: Nach der Untersuchung sollte er ausgestopft und ausgestellt werden – als Mahnmal für die in Zoos gequälte Kreatur.

Tweets zum Tod von Eisbär Knut