Plötzlicher Tod

Berliner nehmen im Zoo Abschied von Eisbär Knut

Knuts Gehege im Berliner Zoo blieb an diesem Sonntag leer. Doch davor drängten sich die Besucher, trauerten um den weltbekannten Eisbären, der am Tag zuvor plötzlich gestorben war.

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Im Berliner Zoo legen Besucher Blumen vor dem Gehege von Eisbär Knut ab, der Sonnabend überraschend gestorben war.

Video: Reuters
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Wäre es eine offizielle Trauerfeier an abgeschlossenem Ort gewesen, die Menschen hätten wohl nicht alle Platz gefunden. Vom frühen Vormittag bis zur Schließung des Zoologischen Gartens pilgerten am Sonntag Tausende Besucher zum Eisbärengehege, drängten sich die Menschen vor der Umzäunung des kleineren Bereiches, auf dem Knuts Mutter Tosca und die Bärinnen Katjuscha und Nancy spielten. Der große Bärenfelsen gleich nebenan blieb leer. Nach dem tragischen Tod von Publikumsliebling Knut, der am Sonnabend nach kurzem Todeskampf vom Felsen gestürzt war und zum Entsetzen der Besucher kurz darauf tot im Wassergraben trieb, will man kein Risiko eingehen: „Solange nicht klar ist, was zu Knuts Tod geführt hat, ob vielleicht eine Gefahr auch für die Bärinnen besteht, bleibt das große Gehege geschlossen“, versicherte Bärenkurator Heiner Klös den besorgten Besuchern.

Experten suchen Todesursache

Aus dem Erläutern, Antworten und auch Trösten kam er den ganzen Sonntag über kaum heraus. Er, der Bärenkurator, der das Aufwachsen des Berliner Superstars von Anfang an begleitet hatte. Dabei gibt es bislang kaum schlüssige Erklärungen für das, was sich am Sonnabend um kurz nach 15 Uhr – nach Aussagen der Zoomitarbeiter völlig überraschend und ohne Vorankündigung – ereignet hatte. Da die Pfleger in den entscheidenden Minuten nicht im Freigelände waren, sondern die drei großen Bärinnen ins Haus brachten, habe man sich den Vorgang von Augenzeugen schildern lassen, sagte Klös. Medien veröffentlichten schon bald Fotos und Videos von Knuts Todeskampf, die sie Besuchern abgekauft hatten.

Geborgen wurde Knut am frühen Sonntagmorgen. Um das schätzungsweise bis zu 350 Kilogramm schwere Tier aus dem Wasser zu heben, musste ein Kran aufgefahren werden. Bis zum Montag liegt der tote Bär im Zoo auf Eis, dann soll er zum Tierpathologen gebracht. Über die Todesursache wurde auch am Sonntag spekuliert: Ein plötzlicher Herzinfarkt, epileptische Anfälle, sogar eine Vergiftung durch Besucher wurden immer wieder als mögliche Todesgründe genannt.

Bei den Besuchern am Sonntag überwog aber die Trauer um ihren Liebling. „Du wirst uns fehlen“ stand auf Trauerbekundungen, die schon der Außeneinzäunung des Tiergartens gegenüber vom Bahnhof Zoo schmückten. „Du hast mein Leben verändert. In Liebe“ hatte eine Tierfreundin auf ein Foto von Knut aus dem letzten Winter geschrieben. Es hing an der Hecke vor dem verwaisten Bärenfelsen, auf der immer mehr Besucher Blumen ablegten. „Das nimmt einen mehr mit als manches andere, was in der Welt passiert, obwohl es objektiv schlimmere Katastrophen gibt“, sagte Oliver Schmidt. Der Steglitzer war mit Töchterchen Sofie (1) gekommen, um ebenfalls Rosen abzulegen. „So sind wir Berliner“, bekannte der 43-Jährige. „Immer eine große Klappe, aber wenn so etwas passiert, fließen doch die Tränen.“ So manche der Umstehenden hatten ihre verweinten Augen hinter dunklen Sonnenbrillen versteckt. „Er war schon unser Lieblingstier, und wir hätten ihm ein langes und glückliches Leben gewünscht“, sagte Judith Klatt. Auch sie hatte sich mit den Zwillingen Sonja und Sophie (9) spontan auf den Weg gemacht, um Abschied zu nehmen. „Knut wird uns fehlen“, beteuerten Daniel und Astrid Silber aus Charlottenburg. Andere, wie eine Familie aus dem hessischen Lauterbach, wussten gar nichts von Knuts Tod. „Wir sind extra für einen Zoobesuch nach Berlin gekommen, besonders weil wir Knut sehen wollten“, erzählte Beate Schimanski sichtlich bestürzt. Ihr Sohn Malte teilte mit Knut nicht nur die Liebe fürs Wasser. „Eisbären sind meine Lieblingstiere“, erzählte der Achtjährige.

Auch die Mitarbeiter sind bestürzt

Auch bei den Mitarbeitern des Zoos habe Knuts Tod seine Spuren hinterlassen, berichtete Heiner Klös. „Es ist so, als wäre ein Freund gegangen. Knut war ein Mitgeschöpf, das uns allen sehr nahe war“, sagte Zoo-Geschäftsführerin Gabriele Thöne.

Tatsächlich verliert die Berliner Einrichtung damit auch einen Besuchermagneten und Umsatzgaranten. Tierschützer dagegen kritisierten die Eisbärenhaltung und machten den Zoo für Knuts Tod verantwortlich. „Der Zoo hat Knut als Marketinginstrument missbraucht“, so der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel. Die Tierhilfe-Organisation „Vier Pfoten“ forderte den Schutz der wildlebenden Eisbären und ein Ende der Bärenhaltung in Zoos. Der Zoo selbst setzt auf Transparenz: Man werde bewusst externe Experten mit der Sektion betrauen, sagte Klös. Außerdem richtet der Zoo ein Spendenkonto zu Gunsten von Eisbären in freier Wildbahn ein.

Unklar ist hingegen, ob ein Gedenkstein oder gar sein präparierter Körper an Knut erinnern wird. Ausgeschlossen ist aber ein Grab neben Ziehvater Thomas Dörflein. Klös: „Für uns gibt es jetzt Wichtigeres.“

Tweets zum Tod von Eisbär Knut