Zoofenster

Waldorf Astoria – Luxus neben Turmruine

Das Waldorf Astoria im Zoofenster soll das höchste und luxuriöseste Hotel der Stadt werden. Der Innenausbau läuft auf Hochtouren. Wir haben schon einmal reingeschaut.

Foto: Amin Akhtar

Nicht zu übersehen ist das Zoofenster am Breitscheidplatz, das in einem halben Jahr eröffnet werden soll, schon heute. Doch nicht nur mit seiner Höhe von 118 Metern will das mit Abstand höchste Gebäude in der City West neue Maßstäbe setzen. Zum Vergleich: Die benachbarte Turmruine der Gedächtniskirche misst 71 Meter, das Europacenter 86 Meter.

Auch das Innere soll ein in Berlin bislang nicht gekanntes Maß an Luxus und Eleganz ausstrahlen. „Dafür steht schließlich unser Name“, so Friedrich Niemann, Hotelmanager der zur Hilton-Kette gehörenden Prestigemarke Waldorf Astoria. Und mindestens so zeitlos elegant wie das legendäre Vorbild an der Park Avenue in Manhattan soll nun auch der Berliner Ableger werden. Während die Arbeiten an der Sandsteinfassade nahezu abgeschlossen sind, läuft auch der Innenausbau auf Hochtouren.

Das erste Musterzimmer ist bereits fertig, der Pool sitzt bereits fest verankert im Sockelgeschoss an der Kantstraße und die Projektleiter sind gerade nach Italien gefahren, um den Marmor für die Eingangshalle auszuwählen.

Ein guter Zeitpunkt, dem Projekt einen Besuch abzustatten und nachzuschauen, wie das „Waldorf Astoria Berlin“, so der korrekte Titel, die anderen 20 Fünfsternehotels in der Stadt in den Schatten stellen will. Morgenpost Online hat dem Luxushotel im Aufbau einen Besuch abgestattet und zeigt die wichtigsten Details.

1. Dachgeschoss: In 118 Metern Höhe, ganz oben unter dem Dach des Zoofensters, haben weder Präsidenten noch Prominente Zutritt: Das 32. Stockwerk mit einer Deckenhöhe von 5,80 Meter wird lediglich die Technik des Hauses beherbergen. Dort haben nur die Techniker Zutritt.

2. Präsidenten-Suite: Gleich darunter, in der 31. Etage, befindet sich jedoch die 300 Quadratmeter große Präsidenten-Suite, die einen einzigartigen Panoramablick bis zum Alexanderplatz bietet. Und damit die erwarteten Staatsgäste auch völlig sicher sind, bestehen die Fenster aus kugelsicherem Glas. Über die weiteren Sicherheitsmaßnahmen schweigt sich das Management verständlicherweise aus.

3. Büros: Die Etagen 16 bis 22 gehören nicht zum Hotelbetrieb. Dort entstehen Büroräume, die an verschiedene Nutzer vermietet werden sollen.

4. Zimmer und Suiten: Das zur Hilton-Gruppe gehörende Waldorf Astoria, wird die Räume vom 1. bis zum 15. Stockwerk beziehen sowie die edlen Appartements und Suiten von der 21. bis zur 32. Etage bedienen wird. Zu den insgesamt 232 Zimmern zählen auch die jeweils 21 Suiten und Appartements. Die durchschnittliche Zimmergröße liegt bei 50 Quadratmetern.

5. Guerlain Spa: Das Waldorf Astoria rühmt sich, künftig den einzigen Guerlain Spa in Deutschland zu beherbergen, für den rund 800 Quadratmeter im fünften Obergeschoss zur Verfügung stehen. Neben einem großen Pool erwartet die Gäste eine luxuriöse Sauna- und Entspannungszone mit Eisbrunnen, sechs Therapieräumen, einer Fitness-Suite sowie einer Sonnenterrasse auf dem Dach des Sockelgeschosses in der sechsten Etage Obergeschoss.

6. Ballsaal: Die zweite Etage des Hotels ist als Veranstaltungsetage konzipiert. Neben fünf Veranstaltungsräumen (66 bis 120 Quadratmeter, Deckenhöhe 3,70 Meter) gibt es einen 330 Quadratmeter großen Ballsaal mit Spiegelwänden, der insgesamt sieben Meter hoch ist. Das schafft Platz für die lichtdurchfluteten Balkone und die Galerie, die zur Kantstraße ausgerichtet ist.

7. Restaurant: Das Hotel wird über verschiedene gastronomische Einrichtungen verfügen. Das wichtigste ist das Hauptrestaurant in der ersten Etage mit Blick auf die Joachimsthaler Straße. Die Planungen für die Ausstattung der Küche sind noch nicht abgeschlossen: Der neue Küchenchef, ein „französischer Michelin-Sternekoch“, dessen Name noch nicht verraten wird, weil die Vertragsverhandlungen nicht abgeschlossen sind, will noch eigene Ideen einbringen, wie es heißt. Klar ist nur: Der Speisesaal mit 100 Plätzen wird mit einer vergoldeten Decke glänzen.

8. American Bar: Live Musik und Drinks und leichte Snacks wird es an der 25 Meter langen Theke der American Bar geben, die ebenfalls im ersten Obergeschoss untergebracht ist. Die mit Holzpanelen vertäfelte Bar mit den weinroten Stühlen und der schummrigen Beleuchtung ist ganz im amerikanischen Art Decó-Stil gehalten. Die Bar verfügt über rund 80 Sitzplätze.

9. Romanisches Café: Das Hotel möchte an die alte Tradition anknüpfen und im Erdgeschoss neben Ladengeschäften auch ein Künstler-Café eröffnen – unter dem Namen „Romanisches Café“. Die Eingänge zu dem Café mit 90 Sitzplätzen sowie weiteren 60 Plätzen auf der Terrasse an der Kantstraße soll auch einen Eingang an der Hardenbergstraße bekommen. Das Romanische Café war vor dem Krieg Berlins wichtigster Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle, in dem Schriftsteller wie Erich Kästner verkehrten. Es befand sich dort, wo heute das Europacenter steht und wurde im Krieg zerstört.

10. Lobby: Der Eingang an der Hardenbergstraße 28 wird sehr großzügig gestaltet. Wie im New Yorker Waldorf Astoria wird es in dem zwei Stockwerke hohen Foyerbereich eine „Grandfather-Clock“ geben, eine große Standuhr, sowie neben der großen Rezeption auch ein kleines Lobby-Café mit 20 Plätzen.

11. Tiefgarage: Der Komplizierteste und aufwendigste Teil des Gebäudes liegt im Untergrund: Die Pfahlgründung des Hochhauses in 30 Meter Tiefe. Weil an zwei Seiten U-Bahn-Linien verlaufen, konnte das Gebäude seitlich nicht verankert werden. In den vier unterirdischen Stockwerken ist auch die Tiefgarage mit 100 Parkplätzen untergebracht. Die Einfahrt liegt an der Kantstraße.

12. Triangel: Das wegen seiner dreieckigen Form Triangel genannten siebengeschossige Gebäude, das direkt an den Breitscheidplatz grenzt, ist ebenfalls Teil es Bauvorhabens Zoofenster.

230 Millionen aus Abu Dhabi

Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler hat den 32 Stockwerke hohen Turm aus hellem Naturstein und Glas bereits in den 90er-Jahren entworfen. Doch immer wieder scheiterten Versuche, den Turmbau auf dem Straßendreieck Kantstraße, Joachimsthaler Straße und Hardenbergstraße voranzubringen. Nachdem bis 2008 nur eine hinter Megapostern verborgene Baugrube entstanden war, weil weder finanzkräftige Investoren noch ein leistungsfähiger Hauptpächter für das Vorhaben begeistert werden konnten, wendete sich das Blatt 2007. 230 Millionen Euro hat die Kapitalgesellschaft Swan Operations, eine Investorengruppe aus Abu Dhabi, für den Hochhausbau auf dem tortenstückförmigen Baugrundstück an der Ecke Hardenberg- und Joachimstaler Straße bereitgestellt, ein Jahr später begannen die Bauarbeiten, und mit dem Waldorf Astoria war 2009 endlich auch der Hauptpächter gefunden.