Trauerfeier

Berliner nehmen Abschied von Dietrich Stobbe

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Gilbert Schomaker
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Berlin nimmt Abschied von Dietrich Stobbe

Mit einem Trauergottesdienst im Französischen Dom am Gendarmenmarkt haben zahlreiche Politiker und viele Berliner Abschied vom früheren Regierenden Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) genommen.

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Mit einer bewegenden Trauerfeier hat Berlin am Mittwoch von dem verstorbenen ehemaligen Regierenden Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) Abschied genommen.

Berlin hat am Mittwoch Abschied genommen von Dietrich Stobbe, der von 1977 bis 1981 das Amt des Regierenden Bürgermeisters bekleidete. „Er war ein begeisterter Berliner mit dem Blick eines Weltbürgers“, sagte der amtierende Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Trauerfeier im Französischen Dom am Gendarmenmarkt. Stobbe war nach einer Krebserkrankung am 19. Februar im Alter von 72 Jahren gestorben.

Zur Trauerfeier waren neben der Familie Stobbe und den ehemaligen Regierenden Bürgermeistern Hans-Jochen Vogel (SPD), Klaus Schütz (SPD), Richard von Weizsäcker (CDU), Walter Momper (SPD) und Eberhard Diepgen (CDU) auch prominente Vertreter der Sozialdemokratie gekommen wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und der Brandt-Vertraute und Senatssprecher Egon Bahr. Als Trauergäste waren auch die ehemaligen SPD-Landesvorsitzenden Ditmar Staffelt und Peter Strieder sowie Berlins ehemaliger Finanzsenator Thilo Sarrazin zugegen. Die politischen Parteien im Abgeordnetenhaus waren durch ihre Fraktionsvorsitzenden Michael Müller (SPD), Frank Henkel (CDU), Udo Wolf (Linke), Volker Ratzmann (Grüne) und Christoph Meyer (FDP) vertreten. Während der bewegenden Trauerfeier nahmen auch viele Berliner Abschied von Dietrich Stobbe.

„Er war ein Mann mit feinem Humor, ein nachdenklicher Optimist“, beschrieb ihn der evangelische Landesbischof Markus Dröge. „Als er einmal gefragt wurde, ob er mit seinem Leben zufrieden sei, hat er geantwortet: mehr als zufrieden“, sagte Dröge. Stobbe habe seine Lebenszeit dazu genutzt, die Welt zum Guten zu verändern. „Menschen wie Dietrich Stobbe haben zur Bewahrung der Freiheit in West-Berlin beigetragen“, so Dröge. Er würdigte auch Stobbes ehrenamtliches Engagement in der evangelischen Kirche.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit beschrieb Stobbe als einen „kompetenten und unaufdringlichen Ratgeber“. Wowereit sagte: „Wenn er mich angerufen hat, ging es nie um ihn, sondern immer um Berlin.“ Der Regierende Bürgermeister würdigte auch das politische Wirken seines Vorgängers. „Dietrich Stobbe liebte Berlin. Er diente der Stadt als Regierender in einer Zeit, in der schon viele Bürger und Unternehmen die geteilte Stadt verlassen hatte – als große Unsicherheit auf Berlin lastete.“ In dieser schwierigen Situation habe er den Blick auf die Möglichkeiten und Chancen Berlins gelenkt. „In seine Zeit fallen der Abschied von der Kahlschlagsanierung, die Planung der Internationalen Bauausstellung, die Errichtung des Wissenschaftskollegs und erste Pläne für die 750-Jahr-Feier“, so Wowereit. Er erinnerte an einen Satz, mit dem Stobbe an die eigenen Kräfte der Berliner appelliert habe: „Ich will weg von einem Berlin, das dauernd nach Hilfe schreit“ – so Wowereit über Stobbes politisches Ziel.

Der Hilferuf sollte allerdings noch Jahrzehnte andauern. Bis heute benötigt Berlin Milliarden Euro aus dem Länderfinanzausgleich. Wowereit erinnerte auch an den Rücktritt, als Stobbe aufgrund der Affäre um den Bauunternehmer Dietrich Garski sein Amt aufgab. „Es war ein schmerzlicher Abschied“, sagte Wowereit, um gleich aber auf die Leistungen Stobbes im Ausschuss Deutsche Einheit zu verweisen. „Das Zusammenwachsen der beiden Deutschlands war sein Herzensanliegen.“ Er hat mitgebaut am Fundament einer weltoffenen Metropole, die von ihren kreativen Potenzialen lebt, sagte der Regierungschef weiter. Als großes Glück habe Stobbe es empfunden, die deutsche Wiedervereinigung mit gestalten zu können. „Berlin sagt Danke“, so Wowereit.

Den Weltbürger Stobbe beschrieb Wowereit mit einer kurzen Anekdote. Als Berlin am 9. November 2009 den 20. Jahrestag des Mauerfalls feierte und Stobbe dies auf der Ehrentribüne am Brandenburger Tor miterlebt hat, habe er über die Feier gesagt: „Ich fand sie beglückend, weil sie nicht als isoliertes nationales Ereignis zelebriert wurde, sondern weil sie europäisch geprägt war.“ Stobbe hatte schon lange das Denken des alten West-Berlins verlassen und sah die deutsche Hauptstadt in einem Gesamtkontext der europäischen Einigung. „Er hat vielen von uns sehr viel gegeben“, sagte Wowereit.

Die ehemalige Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten Gesine Schwan erzählte, wie sie Stobbe während der 68er Proteste kennengelernt hat. „Er war schon damals ein intelligenter, aktiver politischer Macher.“ Als Geschäftsführer der SPD-Fraktion sei Stobbe, der dem parteirechten Flügel angehörte, konstruktiv auf die studentische Oppositionsbewegung zugegangen. Stobbe, der seine Heimat in Ostpreußen aufgrund des Zeiten Weltkriegs als Siebenjähriger verlassen musste, habe zu jenen Vertriebenen gehört, die von Anfang an auf die Versöhnung mit den östlichen Nachbarn hingearbeitet haben.

Der ostdeutsche Theologe und Sozialdemokrat Richard Schröder erinnerte sich, wie er Stobbe nach der Wiedervereinigung kennenlernte. Stobbe habe die Lebensverhältnisse in der DDR gut gekannt. Die deutsche Einheit ist ihm eine Herzensangelegenheit gewesen, sagte auch der einstige Fraktionschef der Ost-SPD in der Volkskammer. Er fügte hinzu: „Ich habe einen Freund verloren.“

Seine letzte Ruhe findet der ehemalige Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof – ganz in der Nähe des Grabs des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau.