Nachruf

Bernd Mehlitz - verschwiegen und loyal

Bernd Mehlitz, einst graue Eminenz der Berliner Kulturpolitik, ist tot. Er diente zehn Kultursenatoren. Über einen grämte er sich allerdings so, dass er im Jahr 2003 frühzeitig in den Ruhestand ging.

Er prägte über Jahrzehnte hinweg die Berliner Kulturpolitik: Bernd Mehlitz. Der 71-Jährige ist jetzt nach langer Krankheit gestorben, teilte die Senatskulturverwaltung mit. Mehlitz war jahrelang in leitender Position in der Kulturverwaltung des Landes Berlin tätig. Er hatte herausragende Künstler in die Stadt geholt, darunter den Stardirigenten Daniel Barenboim an die Staatsoper Unter den Linden, und die Förderung der Rockmusik gestartet. Mehlitz war 1979 erster Rockbeauftragter des Senats geworden und hatte etwa Barclay James Harvest vorm Reichstag aufspielen lassen. Und als erster setzte er sich auch für die Unterstützung der freien Musik- und Theaterszene ein. Kulturstaatssekretär André Schmitz (CDU) würdigte Mehlitz als herausragenden Ideengeber und Gestalter.

Mehr als 43 Jahre lang hatte Mehlitz als Beamter im öffentlichen Dienst gearbeitet. Etwas mehr als die Hälfte davon in der Berliner Kulturverwaltung, wo er es bis zum Abteilungsleiter für die Bühnen, dem obersten Verwalter der Opern, Sprechtheater und Orchester, brachte. In dieser Zeit diente er zehn Kultursenatoren. Für viele war er der heimliche Berliner Ressortchef. Er war es, der Verträge aushandelte, mit der Finanzbehörde feilschte und Intendanten aussuchte. Er kannte alles und jeden. Gerade auch mit ihm musste man gesprochen haben, um etwas in der Berliner Subventionskultur bewegen zu können.

Und er war einer der Bewahrer des zweifellos üppigen Kulturangebots nach der Wiedervereinigung. Der Friedrichstadtpalast war in den Neunzigerjahren einer der so genannten Abwicklungstitel im Senat. Nur das Zusammenspiel zwischen Mehlitz und dem charismatischen Intendanten Alexander Iljinskij verhinderten die Abwicklung. Schützend hatte sich Mehlitz vor die großen Orchester gestellt, von denen gerade in den Neunzigern regelmäßig behauptet wurde, es gäbe zu viele in der Stadt. Erst nach seinem Abschied wurden den Berliner Symphonikern – unter Federführung von Kultursenator Thomas Flierl (PDS/Linke) – die Subventionen gestrichen.

Verschwiegenheit und Loyalität waren für Bernd Mehlitz zwei Primärtugenden. Die hatte er verkörpert, und so hatte es seinem Aufstieg nie geschadet, dass er seit 1966 SPD-Mitglied war, aber die meisten Kultursenatoren einer anderen Partei angehört haben. Dennoch sollte er sich über einen derart grämen, dass er 2003 vorzeitig in den Ruhestand ging. Es war Flierl, der den einen als eigenbrötlerisch, den anderen als völlig beratungsresistent galt. Von seiner Kulturverwaltung nahm der Senator höchstens Zuarbeiten an, Mehlitz fühlte sich als einer der wichtigsten und erfahrensten Abteilungsleiter brüskiert. Sein Abschied zeigte andererseits, dass mit der Jahrtausendwende auch die Kulturpolitik in Berlin auf eine andere Ebene gehoben worden war. Das Land Berlin, ächzend unter dem auferlegten Spardruck, musste um Einigung mit dem Bund in seiner Hauptstadt ringen.

Ein unruhiger Geist

In dieser Zeit waren die teuersten Berliner Kulturinstitutionen, seinerzeit Kulturleuchttürme genannt, in die Bundesfinanzierung übergegangen. Mehlitz war somit die letzte graue Eminenz der städtischen Kulturpolitik. Er hatte seine Schuldigkeit getan, und das auf prägende Art und Weise. Nicht von ungefähr sollte es zwei Jahre dauern, bis sich ein Nachfolger fand.

Mehlitz blieb ein unruhiger Geist und auf verschiedenen Ebenen aktiv. Er war zum Beispiel der Initiator der Unterstützungs-Kampagne für Klaus Wowereits Wahlkampf 2006 mit Namen wie Günter Grass, Thomas Gottschalk, Alfred Biolek oder Wolfgang Petersen. Mehlitz selbst war sogar mal in Tempelhof Bezirksverordneter gewesen und den politischen Anfängen Wowereits nahe.

Aber eigentlich wollte Mehlitz immer auch ein bildender Künstler sein. In seinem Haus in der Schorfheide hatte er sich ein Atelier eingerichtet, wo er nach seiner Pensionierung eifrig malte. Noch im letzten Jahr hatte er seine erste Ausstellung „Begegnungen“ in einer Galerie am idyllischen Werbellinsee eröffnet. Kurz zuvor hatte er die Diagnose vom Lungenkrebs bekommen. Er nahm den Kampf auf, am Donnerstag hat er ihn verloren.