Patienten-Bewertungen

Krankenkasse lässt Ärzte online bewerten

Versicherte der AOK können ihren Medizinern jetzt Zeugnisse ausstellen. Dafür müssen sie online rund 30 Fragen beantworten. Kritiker sehen dabei nicht nur die Möglichkeit eines ehrlichen Feedbacks, sondern warnen vor einem anonymen Ärztepranger.

Fach- und Hausärzte müssen sich künftig an strengere Kontrollen durch Versicherte gewöhnen. Im Zuge des neuen Arztnavigators, den die AOK derzeit erstellt, sind Patienten jetzt dazu aufgerufen, ihre Ärzte zu bewerten. Auf der Internetseite AOK-Arztnavi müssen sie nur Kassen- und Versicherungsnummer angeben, dann können sie ihr Urteil in wenigen Minuten online abgeben. In rund 30 Fragen müssen sie sich zu Themenbereichen wie „Praxis und Personal“, „Arztkommunikation“ oder „Behandlung“ äußern.

Mitte dieses Jahres soll der Arzt-Navigator online gehen und über 40 Millionen Versicherten eine bessere Orientierung geben – an dem Projekt sind neben der AOK auch die Barmer GEK, das Projekt „Weisse Liste“ und verschiedene Verbraucherorganisationen beteiligt. Ganz bewusst sollen diesmal auch subjektive Kriterien bei der Bewertung mit einfließen – so soll mehr Transparenz auf dem Gesundheitsmarkt hergestellt werden.

Mehr Transparenz

„Ärzte lassen sich nur ungern beurteilen, sie müssen sich dem Wunsch der Patienten nach mehr Transparenz aber stellen“, sagte Rolf Schlenker vom Barmer-GEK-Vorstand am Montag. Dies sei Teil eines überfälligen Wettbewerbs in der ambulanten Medizin.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte hingegen vor einem „digitalen Ärztepranger“. Der im Internet anonym bewertete Arzt habe keine Möglichkeit, auf Kritik zu reagieren und Missverständnisse richtigzustellen. Auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, mahnte, dass die Plattform absolut seriös und wissenschaftlich begleitet organisiert sein müsse.

Mediziner können profitieren

Die Bewertungskriterien der Patienten wurden in Kooperation mit Medizinern entwickelt. Erst wenn mehrere Bewertungen zusammenkommen, könne eine Aussage gemacht werden und eine Freischaltung erfolgen, hieß es. Die AOK will künftig auch mehr Versicherte ansprechen, die keinen Zugang zum Internet haben. Berliner Patienten haben die Gelegenheit, in AOK-Geschäftsstellen Fragebögen auszudrucken und die Fragen schriftlich zu beantworten.

Gesundheitsexperten verweisen darauf, dass auch Mediziner von dem neuen Navigator profitieren. Sie erhalten mit den Patienten-Bewertungen ein ehrliches Feedback, das sie entweder zur Verbesserung des internen Qualitätsmanagements oder zur positiven Außendarstellung nutzen können. Ärzte, die auf die Befragung aufmerksam machen, erhalten Info-Flyer zum Arztnavigator über die zuständigen Berater der beteiligten Krankenkassen in Berlin. Diese können unter der Telefonnummer 0331/277225000 angefordert werden.