Stadtplanung

Kein Supermarkt in der Waldsiedlung

Fast 2000 Unterschriften gegen den Bau eines Supermarktes an der Potsdamer Chaussee in Nikolassee haben ihr Ziel nicht verfehlt: Der Stadtplanungsausschuss des Bezirks Steglitz-Zehlendorf hat dem Projekt eine Absage erteilt.

Mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP wurde der Beschluss der Bezirksverordneten, Baurecht für den geplanten Discounter gegenüber vom Waldfriedhof zu schaffen, wieder aufgehoben. Eine Zustimmung der Bezirksverordneten-Versammlung ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse reine Formsache.

Die Grünen haben als einzige Fraktion die Kehrtwendung nicht mitgemacht. "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass in Nikolassee ein Supermarkt fehlt", sagt Ulf Hampel (Grüne), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses. Daher seien sich die Bezirksverordneten auch einig gewesen, den Bau eines Marktes an der Potsdamer Chaussee zu ermöglichen. Zwar habe sich die Situation etwas geändert, seit bekannt ist, dass ein weiterer Supermarkt am S-Bahnhof Nikolassee geplant ist. "Nur was passiert, wenn der nicht kommt?", fragt Hampel. Die Grünen hätten es bevorzugt, erst das eine Projekt sicherzustellen, bevor das andere abgesagt wird.

Die Bürgerinitiative (BI), die sich vehement gegen den Discounter zur Wehr gesetzt und die Unterschriften gesammelt hatte, ist froh über ihren Erfolg. "Das ist ein Sieg der Vernunft", sagt Jürgen Pritzkow von der BI. Die Absage an den Discounter zeige, dass Bürgerengagement noch etwas bewirke. "Die Leute in der Waldsiedlung Nikolassee brauchen keinen weiteren Supermarkt", sagt Pritzkow. Es gebe bereits drei in der näheren Umgebung, dazu komme der geplante am S-Bahnhof. Damit sei die Gegend ausreichend versorgt. Aber nicht nur die Überversorgung, sondern auch die Angst vor mehr Lärm und Verkehr in der kleinen Siedlung an der Rehwiese waren Anlass für die Proteste der Bürgerinitiative.

"Mit dem neuen Supermarkt am S-Bahnhof zeichnet sich eine andere, sinnvollere Lösung ab", begründet FDP-Fraktionschef Rolf Breidenbach die Rücknahme des alten BVV-Beschlusses. Und CDU-Fraktionschef Torsten Hippe betonte: "Der Bürgerwille hat den Ausschlag gegeben." Die CDU hatte auf einer eigenen Veranstaltung die Anwohner zu Wort kommen lassen. Dabei habe sich herausgestellt, dass nur ein kleiner Markt am Bahnhof befürwortet werde, so Hippe.

Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) war von Anfang an gegen den Discounter in der Waldsiedlung. Er wollte die gewachsenen Einzelhandelszentren stärken, statt den Einkauf an der B 1 zu fördern.