Deutschlandhalle

Abriss löst Debatte um ICC-Sanierung aus

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Brigitte Schmiemann und Sabine Gundlach

Nach der Abrissgenehmigung für die Deutschlandhalle streiten Politiker darüber, ob das benachberte Internationale Congress Centrum (ICC) bei laufendem Betrieb saniert werden kann oder eine vorübergehende Schließung nötig ist.

Die Abrissgenehmigung der Deutschlandhalle stößt bei Tourismusexperten und Messe-Veranstaltern auf Erleichterung. Gleichzeitig löst sie eine Debatte über die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) aus. Während die Messe Berlin eine Stilllegung als „zwingend nötig" erachtet, sind Fachpolitiker in der SPD skeptisch.

„Die Stadtentwicklungs- und Baupolitiker bleiben dabei, dass das ICC bei laufendem Betrieb saniert werden kann“, sagte Daniel Buchholz, Leiter des SPD-Arbeitskreises Stadtentwicklung. Bei einer Schließung bestehe Gefahr, dass das ICC nicht saniert, sondern für immer geschlossen werde und als Ruine stehen bleibe. Die Wirtschaftspolitiker seiner Fraktion gehen von einer maximalen Schließzeit von einem Jahr aus, der Rest soll bei laufendem Betrieb saniert werden. „Auch dann brauchte man keinen zweigeschossigen Ersatzbau, sondern nur eine ebenerdige Halle“, so Buchholz.

Für die Messe Berlin hingegen ist klar, dass das Kongressgeschäft im ICC nicht zeitgleich mit den Bauarbeiten realisierbar ist. Sie plant deshalb, das ICC Anfang 2014 – nach Eröffnung der neuen Halle – zwei Jahre zu schließen. Die Halle soll rund 65 Millionen Euro kosten. Sie wird die 160000 Quadratmeter Ausstellungsflächen in den Messehallen unterm Funkturm um 20000 Quadratmeter vergrößern. Nach jetzigen Berechnungen deckt die neue Halle rund 80 Prozent der Kapazität vom ICC ab. Die Kongresse sollen während der Sanierungszeit in den Neubau verlegt werden. „Alles andere ist unzumutbar für die Kunden und wäre höchst risikoreich“, warnte Messe-Sprecher Michael Hofer. Berlin stehe im weltweiten Wettbewerb gut da. In den vergangenen zehn Jahren habe es eine Umsatzverdoppelung gegeben – von 107 auf 215 Millionen Euro. Unterstützung erhält die Messe von der Berlin Tourismus Marketinggesellschaft (BTM). Die Entscheidung zum Abriss der Deutschlandhalle biete die Planungssicherheit, die für das Kongressgeschäft nötig sei, sagte BTM-Geschäftsführer Burkhard Kieker. Seine größte Sorge sei gewesen, dass es eine Lücke für dieses Geschäft in Berlin geben könnte. Im Gegensatz zu vielen Politikern und Architekten glaubt er nicht, dass das ICC bei laufendem Betrieb saniert werden kann: „Wie will man einen Kongress der Herzchirurgen abhalten, wenn hinter der Gipswand für 200 Millionen Euro saniert wird? Das ist undenkbar.“

FDP ist unzufrieden

Die FDP im Abgeordnetenhaus hingegen kritisierte die Abrissgenehmigung. „Die Messe will dort eine Halle bauen, die das ICC ersetzt. Deshalb muss man den Abriss der Deutschlandhalle im Kontext mit dem ICC sehen“, betonte Klaus-Peter von Lüdeke. Wie der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Liberalen sagte, „macht es keinen Sinn, das ICC zu sanieren und direkt gegenüber eine Konkurrenzhalle zu bauen“. Die Sanierung ist nach seiner Ansicht „durchaus bei laufendem Betrieb machbar. Die Messe hätte dann auch keinen Bedarf für einen Ersatzstandort.“

Das sieht man bei der Linkspartei anders. „Auch wenn es noch nicht entschieden ist, zeichnet sich deutlich ab, dass eine Sanierung des ICC bei laufendem Betrieb eine so folgenschwere Beeinträchtigung für die Messe bedeuten würde“, sagte die Abgeordnete Jutta Matuschek. „Das macht eine Halle temporär erforderlich.“ Matuschek verteidigte den Abriss der Deutschlandhalle. Sie habe in Berlin keine wirtschaftlich tragfähige Zukunft. Genauso klar sei aber auch, „dass niemand über einen Abriss des ICC redet, sondern nur über eine Sanierung bei geschlossenem Betrieb“, sagte die Abgeordnete.

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