Teufelsberg

Investoren wollen Denkmalschutz für Abhörstation

Der ehemalige Lauschposten der Alliierten auf dem Teufelsberg in Berlin-Grunewald verrottet. Die Eigentümer sind bei der Nutzung durch Senatsvorgaben eingeschränkt. Nun wollen sie investieren und benötigen dafür ausgerechnet den Denkmalschutz des Areals.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die ehemalige alliierte Abhörstation auf dem Teufelsberg, in der bis 1992 bis zu 1500 amerikanische und britische Armee-Angehörige im Drei-Schicht-Betrieb arbeiteten, ist in einem ruinösen Zustand. Vandalismus, mangelnde Wartung und Diebstahl sind dafür verantwortlich. Jetzt will die Investorengemeinschaft um die Architekten Hanfried Schütte und Hartmut Gruhl die Anlage unter Denkmalschutz stellen lassen. Nachdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2004 den Vertrag mit dem Investor aufgehoben hatte, dass auf dem Plateau gebaut werden durfte, hofft Architekt und Miteigentümer Hartmut Gruhl nun auf einen Kompromiss: „Wir haben von unserer Gewinnmaximierung und anderen schönen Träumen längst Abschied genommen. Stattdessen ist der Ehrgeiz gewachsen, der Historie genüge zu tun und den Teufelsberg als historisches Denkmal im Vordergrund zu sehen“, sagte er vor wenigen Tagen im Alliiertenmuseum an der Clayallee anlässlich der Vorstellung einer neuen Studie von Absolventen des Masterstudiengangs Denkmalpflege der TU. Sie haben die ehemalige Field Station Berlin vermessen und ihren heutigen Zustand minutiös dokumentiert.

Auch die künftigen Denkmalpfleger kommen zu dem Schluss, dass die Abhöranlage von geschichtlicher, wissenschaftlicher und städtebaulicher Bedeutung für Berlin ist und deshalb in die Denkmalliste eingetragen werden sollte. Gruhl hofft, davon auch den Senat überzeugen zu können: „Der Erhalt könnte für Berlin ein echter Gewinn sein.“ Als Kompromiss schlug er dem Senat deshalb vor, auf 15.000 Quadratmeter Neubau-Fläche zu verzichten und nur die bestehenden Gebäude zu nutzen – mit Lofts zum Wohnen und Arbeiten für Künstler. Für die Öffentlichkeit will er außerdem ein Museum, ein Ausflugscafé sowie eine Aussichtsplattform schaffen. Rund 20 Millionen Euro würde er dafür nach eigener Auskunft investieren. Die bisherigen Planungs- und Aufbereitungskosten beziffert er auf ebenfalls 20 Millionen Euro, hinzukommt der Kaufpreis von rund 2,6 Millionen Euro im Jahr 1996.

Das Problem allerdings: Die Behörden wollen nicht mitziehen. Nach Auskunft von Mathias Gille, dem Sprecher von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), führt eine Unterschutzstellung der Gebäude nicht dazu, dass aus Wald plötzlich etwas anderes als Wald wird: „Der Teufelsberg als Teil des Grunewalds soll Wald bleiben.“ Und auch im Bezirk gibt es nach Auskunft von Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) keine politischen Mehrheiten, mitten in einem Waldgebiet wieder Baurecht zu schaffen: „Berlin hat kein Interesse an einer Splittersiedlung im Wald“, sagte er. Das vom Land geschaffene Baurecht im Wald habe er ohnehin nie für gut geheißen. Vorstellbar sei momentan lediglich eine Ausflugsgaststätte – aber auch nicht für 1000 Menschen, sondern in wesentlich kleinerem Stil. Gille bestätigt diese Möglichkeiten einer öffentlichen Nutzung mit einer Gaststätte oder einem Museum. Denkmalschutz werde jedoch nicht die Nutzungspläne ändern, die eine bauliche Entwicklung des Areals nicht vorsehen. Nach dem Paragrafen 2 des Landeswaldgesetzes gehörten auch bebaute Flächen zum Wald. Ob die Bauten auf dem Teufelsbergplateau denkmalwürdig seien, sei offen. Das Landesdenkmalamt erwäge eine Prüfung.

Gruhl zeigt sich im Alliiertenmuseum enttäuscht von Berlin. Nachdem die Investoren vor dem Kauf vom Senat hofiert worden seien, habe danach ein anderer Wind geweht. Die erste Baugenehmigung habe es erst 1999 gegeben, „als der Zug für unser Konzept längst abgefahren war“ und in Berlin viele Häuser leer standen. Berlin könne von ihnen jetzt nicht erwarten, dass sie das Geld zur Erhaltung der Gebäude aufbringen. Im Gegenzug für das Schaffen von öffentlichen Einrichtungen wie einem Museum möchte er Lofts bauen. Neben Applaus kam auch Kritik an den aktuellen Plänen der Investoren aus dem Publikum im Alliiertenmuseum. Der Denkmalschutzgedanke komme viel zu spät, es sei doch bereits mangels ausreichender Sicherung des Geländes alles zerstört in der Abhörstation.

Jeweils sonntags und montags führen die Mitarbeiter des Veranstalters BerlinSightOut durch die ehemaligen Arbeitsräume der Briten und US-Amerikaner. Wer Interesse an den Führungen hat, kann sich im Internet informieren: www.berlinsightout.de .