Straßenbeleuchtung

Historische Gaslampen verschwinden aus Mitte

Der Senat hat die Schmuckleuchten am S-Bahnhof Bellevue abmontieren lassen, obwohl sie Teil des Baudenkmals Gerickesteg waren. Grund dafür ist nicht nur ein defektes Gasrohr, sondern der Plan, Gas- durch Elektroleuchten zu ersetzen.

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Liebhaber von historischen Gaslaternen sind entsetzt: Auf dem Gerickesteg, einer historischen Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Bellevue in Moabit, sind gerade die imposanten Schmuckleuchten abmontiert worden. „Dabei steht die Brücke unter Denkmalschutz. Mit den zwei Gas-Hängeleuchten und den mannshohen viereckigen Glas-Pylonen in den Eingangsbereichen handelt es sich um ein Beleuchtungsensemble, das weltweit einmalig ist“, sagt Bertold Kujath, Vorsitzender des Fördervereins „Gaslicht-Kultur“. Er befürchtet, dass die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ohne Rücksprache mit dem Denkmalschutz Fakten schafft, um die historische Gasbeleuchtungsanlage in den nächsten Wochen gegen eine komplett neue elektrische Beleuchtung auszuwechseln. Anlass ist ein defektes Gasrohr.

Durch die Bauart der Brücke ist die dortige Gasbeleuchtung im Baudenkmal Gerickesteg integriert. Das aber schafft offenbar Probleme bei der Reparatur. Jedoch ist die Fußgängerbrücke über die Spree mit ihrer Beleuchtung nach Auskunft von Fachleuten eine von nur noch zweien in Berlin, in denen das Gasrohr zur Versorgung der Beleuchtung fest in die Brücke eingebaut ist, sagt Kujath. Die andere Brücke ist die Fußgängerbrücke am Erdmann-Graeser-Weg in Zehlendorf.

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung war am Freitag nicht zu klären, was in diesem speziellen Fall geplant ist. „Im Rahmen der Umstellung von Gas- auf Elektroleuchten stehen auch historische Leuchten auf dem Prüfstand“, sagte Mathias Gille, Sprecher von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Ob der Denkmalschutz im Fall des Gerickestegs auch die Gasleuchten betreffe, stehe noch nicht fest. In dieser Frage sei die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks gefragt.

„Abriss ist skandalös“

„Warum wird der ständigen Banalisierung des Stadtraums nicht Einhalt geboten? Es ist schlimm genug, dass die Senatsverwaltung die Gas-Reihenleuchten abreißen lässt. Aber dass eine Sehenswürdigkeit wie die absolut besondere Gasbeleuchtung auf dem Gerickesteg entfernt wird, ist skandalös“, kritisiert Bettina Grimm vom Verein „Pro Gaslicht“, der sich ebenfalls seit Jahren dafür einsetzt, dass Berlins Gasbeleuchtung erhalten bleibt. Einsparungen durch die Umrüstung, wie der Senat behauptet, zweifelt sie an: Die Mehrkosten der Gasbeleuchtung würden durch die mindestens doppelte Lebensdauer von Masten und Leuchten im Vergleich zur Elektrobeleuchtung ausgeglichen. Viele Berliner mögen die Gasbeleuchtung, die seit über 180 Jahren ein prägender Bestandteil der Stadtarchitektur ist. Das weltweit einmalige Lichtensemble müsse erhalten bleiben, fordert Grimm.

Doch an ihrem Plan, den Großteil der rund 44.000 Berliner Gasleuchten nach und nach durch Elektroleuchten zu ersetzen, hält die Senatsverwaltung fest. Rund 176.000 Elektroleuchten gibt es bereits. Als erstes sollen 8400 Gasreihenleuchten, wie sie beispielsweise in Alt-Tempelhof stehen, ausgetauscht werden. Sie verbrauchen nach Auskunft der Behörde besonders viel Energie und haben wegen ihrer Störanfälligkeit zudem hohe Wartungskosten. Aber auch rund 30.000 sogenannte „Aufsatzleuchten“, wie sie in vielen Wohngebieten wie in der Tempelhofer Parkstraße unweit der Dorfkirche stehen, sollen noch ersetzt werden.

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