Kriminalität

Mitglieder einer Jugendbande verprügeln Jungen

Während Berlin noch geschockt über die Prügel-Attacke auf einen Mann im U-Bahnhof Lichtenberg spricht, haben Jugendliche in Reinickendort eine ähnliche Tat begangen: Sie schlugen einen 13-Jährigen zusammen. Die Täter versetzen die Gegend schon länger in Angst.

Die Tritte und Schläge gegen den Kopf, die Brust, den Bauch und in den Rücken hatten ihnen nicht genügt. Sie mussten ihn auch noch verhöhnen. „Geiles Gefühl, Alter, war ein geiles Gefühl“, riefen die jugendlichen Schläger noch verächtlich, nachdem sie den 13-jährigen Kevin G. am Mittwochabend in Reinickendorf am Boden liegend misshandelt hatten. Das Kind liegt jetzt im Krankenhaus, nach den Tätern wird gefahndet.

Laut Polizei war der Junge gegen 19 Uhr mit zwei Freunden an der Rütlistraße unterwegs, als ihnen plötzlich eine größere Gruppe von Jugendlichen entgegengerannt kam. Einer von diesen versetzte Kevin einen Schlag in den Nacken und lief weiter. Kurz darauf kehrte er jedoch mit zwei Komplizen zurück. Gemeinsam warfen sie den Jungen zu Boden, traten und schlugen mehrfach auf ihn ein. Erst als eine Passantin hinzukam, ließ das Trio von seinem Opfer ab. Die Feuerwehr brachte das verletzte Opfer in ein nahes Krankenhaus. Die Ärzte diagnostizierten ein geschwollenes Jochbein, der 13-Jährige klagte zudem über Schmerzen an Kopf, Brust und Rücken. Eine stationäre Aufnahme wurde angeordnet. Wann Kevin entlassen werden kann, ist noch unklar. Er leidet zudem an einem Schock. „Es ist unvorstellbar, dass Berlin wegen des ins Koma geprügelten Malers unter Schock steht und junge Schläger gleich die nächste Tat begehen“, sagt ein Berliner Zivilfahnder.

Vater Thilo (42) ist entsetzt. Mit seiner neuen Lebensgefährtin, Kevin und seiner Schwester lebt er erst seit einem Jahr in Reinickendorf. „Mein Sohn ist kein Feigling, und er weiß sich auch zu wehren. Aber wenn man feige von mehreren Personen angegriffen wird, hat man keine Chance. Ich bin so froh, dass er nicht noch schwerere Verletzungen erlitten hat.“ Das Opfer ist begeisterter Fußballspieler und engagiert sich in einem Jugendclub.

Wie Morgenpost Online aus Polizeikreisen erfuhr, soll es bereits zehn Minuten vor der Attacke auf Kevin eine Schlägerei zwischen der Personengruppe und einem Erwachsenen gegeben haben. Diese zwischen 15 und 20 Mann starke Bande sorge immer wieder für Angst und Streit im Bereich der Rütlistraße.

Zwei der Täter konnten von Zeugen beschrieben werden. Einer ist demnach etwa 15 Jahre alt, 1,60 Meter groß und trägt eine zum Irokesen-Look gegelte Frisur. Bekleidet war er mit einer schwarz-weißen Jacke. Sein Komplize ist etwa zwölf Jahre alt und 1,50 Meter groß und trug bei der Tat eine rote Jacke mit gelben und grauen Ärmeln. Hinweise dazu nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Über den dritten Schläger liegen keine Informationen vor.

Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel, zeigte sich am Donnerstag geschockt und spricht sich in solchen Fällen für das volle Ausschöpfen des Strafmaßes aus. „Der Senat rühmt sich selbst mit seinen sinkenden Zahlen bei der Jugendkriminalität. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir ein hohes Dunkelfeld haben, weil viele Opfer aus Angst vor Repressalien durch die Täter gar nicht mehr den Weg zur Polizei finden. Das Problem ist nach wie vor vorhanden, egal, was die Zahlen aussagen“, kritisiert Henkel. Schnelle, konsequente und harte Bestrafungen müssten die Reaktion sein. Das Aussetzen von Haftbefehlen der jugendlichen Täter bis zur Verhandlung sei das falsche Signal.