Lichterfelde

Polizei sucht Mutter des ausgesetzten Babys

Dem ausgesetzten kleinen Jungen geht es den Umständen entsprechend gut. Horst R. ist der Mann, der den Säugling im Gronauer Weg in Lichterfelde fand - und rettete. Wie das war, schildert der 61-Jährige bei Morgenpost Online. Unterdessen sucht die Polizei nach der Mutter und veröffentlicht Fotos.

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Der Junge wird in der Charité Campus Benjamin Franklin in Steglitz behandelt; es soll ihm den Umständen entsprechend gut gehen. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Es sei nicht auszuschließen, dass das Kind gezielt vor dem Haus ausgesetzt wurde.

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Es nieselte bei gerade einmal knapp vier Grad, als der erst wenige Tage alte Junge am Dienstagabend vor dem Reihenhaus in Lichterfelde abgelegt wurde. In Tücher und Küchen-Krepppapier war der Säugling eingewickelt, als Horst R. das Baby vor seiner Haustür am Gronauer Weg in der Nähe des S-Bahnhofes Lichterfelde Süd fand. Aber der Kleine gab keinen Laut von sich. Als es gegen 18.30 Uhr bei dem Frühpensionär klingelte, dachte er zuerst an einen verspäteten Halloween-Scherz. Denn das Bündel sah aus wie eine Puppe. „Doch plötzlich hat sich etwas bewegt“, erzählt der 61-Jährige. Horst R. war fassungslos. „Mit so was rechnet man ja im Leben nicht.“

Baby ist wohlauf

Er lief ins Haus, um die Polizei zu rufen. Die Beamten baten ihn, das Baby mit ins Haus zu nehmen. Die kurz darauf eingetroffene Notärztin untersuchte den Jungen noch vor Ort. Glücklicherweise schien ihm zumindest äußerlich nichts zu fehlen. Mit dem Rettungswagen wurde der Säugling in die Charité, Campus Benjamin Franklin, gebracht.

„Dem Jungen geht es den Umständen entsprechend gut“, sagte ein Sprecher der Polizei. Bei dem Baby soll ein Brief gelegen haben, in dem sinngemäß stand, dass die Mutter nicht in der Lage sei, sich um ihn zu kümmern, und dass sich der Finder gut um das Kind kümmern solle. Auch das Geburtsdatum wurde genannt: 2. November 2009. Das Verhalten der Mutter deute darauf hin, dass sie sicherstellen wollte, dass ihr Kind gut versorgt sei, so ein Ermittler.

Das sieht auch Gabriele Stangl, Pastorin am Zehlendorfer Krankenhaus Waldfriede und Initiatorin der Babyklappe, so. Sie hält der Mutter zugute, dass sie an der Haustür geklingelt hat. „Sie wollte, dass es gefunden und versorgt wird“, sagt sie. Daher habe sie sich in ihren Augen nicht strafbar gemacht. Gabriele Stangl weiß, wie sich Frauen fühlen, die ein Baby aussetzen. „Die Mutter muss total verzweifelt gewesen sein.“ Meist sei es die Angst, dass alles zu viel für sie werde. Immer mehr Mütter wissen nicht mehr weiter. „Noch vor Jahren hat etwa jeden Monat eine Frau Hilfe bei uns gesucht und die Babyklappe oder die Möglichkeit der anonymen Geburt genutzt“, sagt Frau Stangl. Heute seien es dreimal so viele. Sie vermutet, dass die Not und Verzweiflung durch die wachsende Arbeitslosigkeit größer werde. „Viele Frauen haben schon zwei, drei Kinder und sagen dann, dass ein weiteres nicht mehr gehe.“

Häuser in der näheren Umgebung überprüft

Auch Beatrix Schmidt, Chefärztin der Kinderklinik im St. Joseph-Krankenhaus in Tempelhof, glaubt, dass sich die Frau in einer Notsituation befunden hat. „Die Natur hat es nicht so eingerichtet, dass Frauen ihre Kinder weggeben.“ Entweder habe niemand von der Schwangerschaft wissen dürfen oder es fehle am Geld. Auch das St.-Joseph-Krankenhaus hat eine Babyklappe.

Eine Erklärung, warum die Mutter ihr Kind ausgerechnet bei dem 61-Jährigen abgelegt hat, hat der Frühpensionär auch nicht. „Vielleicht vermutete die Mutter in dem Haus kinderliebe Menschen“, mutmaßt ein Beamter.

Die Mutter könnte aus der näheren Umgebung stammen. Daher überprüften Kriminalbeamte die Häuser in der Siedlung am südwestlichen Stadtrand und befragten Anwohner, doch ohne Erfolg. „Vielleicht kommt die Mutter auch aus der Thermometersiedlung“, mutmaßt eine Anwohnerin. Die Neubausiedlung befindet sich unweit des Fundortes. Allerdings könne es auch sein, dass die Mutter ziellos durch die Stadt gefahren ist und irgendwo geklingelt hat. „Hinweise auf die Mutter des Jungen haben wir bislang nicht“, sagt ein Beamter. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei veröffentlichte im Internet insgesamt drei Fotos von dem Handtuch und dem Bettbezug, in denen das Baby eingewickelt war. Die Kripo bittet dringend um Mithilfe bei der Klärung folgender Fragen: Wer kann Angaben zu dem Handtuch und dem Bettbezug machen? Wer kann Angaben zu jungen Mädchen oder Frauen machen, die schwanger waren oder bei denen eine Schwangerschaft vermutet wurde, nun aber kein Baby vorzuweisen haben? Wer hat am Dienstag im Bereich Gronauer Weg/S-Bahnhof Lichterfelde Süd/S-Bahnhof Teltow Stadt insbesondere in der Zeit zwischen 18 und 20 Uhr Beobachtungen gemacht, die mit der Abgabe des Kindes in Zusammenhang stehen könnten? Hinweise an die Tel.: (030) 46 64 91 25 55.